Ausstellung im Stadtmuseum

Münchens Dächer: Die versteckten Meisterwerke der Architektur

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Eine Rekonstruktion des Stadtmuseums am St.-Jakobs-Platz.

München aufs Dach steigen: Das hat der Bauforscher Clemens Knobling getan. Für seine Doktorarbeit hat er Holzmodelle bedeutender Münchner Dachkonstruktionen nachgebaut. Jetzt sind sie im Münchner Stadtmuseum ausgestellt.

München - Von der Frauenkirche bis zum Bayerischen Nationaltheater studierte Knobling die Dachkonstruktionen von zwölf Bauwerken – und baute sie für seine Doktorarbeit als Holzmodelle nach. Diese Werke hat er dem Stadtmuseum geschenkt. Dort sind sie bis zum 14. Oktober unter dem Motto „Die Dächer Münchens“ ausgestellt.

Knobling, Lehrbeauftragter für Baugeschichte, historische Bauforschung und Denkmalpflege an der Technischen Universität, weiß: „Dachkonstruktionen sind versteckte Meisterwerke der Architektur.“ Dem Wissenschaftler zufolge sind die Dächer „ein Spiegelbild der technischen Leistungsfähigkeit und ein stadtgeschichtliches Zeugnis von erstaunlicher Aussagekraft“. Bedauerlich: Fast alle historischen Dächer der Stadt wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Die Wallfahrtskirche St. Mariae Himmelfahrt in Ramersdorf wurde verschont. Dadurch bietet sie den Glücksfall, die Analyse aus dem Bestand ableiten zu können. Die heute noch tragende Dachkonstruktion war um 1370 um das Gewölbe gezogen worden. Sie erweist sich als ungemein trickreich und orientierte sich offenbar an norditalienischen Vorbildern.

Die Dächer Münchens: Bauforscher Clemens Knobling (links) und Thomas Weidner, Sammlungsdirektor, haben die Ausstellung am Donnerstag eröffnet.

Das Hallensteildach der Frauenkirche ist ein wahres Wunderwerk: Sie war neben dem Stephansdom in Wien die größte Dachkonstruktion der Welt. Zur Eindeckung waren 131 000 Dachziegel gebrannt worden. Mit dem um 1570 errichteten Antiquarium der Münchner Residenz zeichnet sich bereits ein Problem ab, das immer wieder auftritt, wenn Formen der Renaissance nördlich der Alpen aufgegriffen werden: Die flach geneigten Dächer Italiens sind zwar wunderbar elegant, für unser Klima aber ungeeignet. In München wurde das erste italienische Dach um 1668 für die Theatinerkirche entworfen. Die flache Neigung trägt entscheidend dazu bei, die freistehende Kuppel erst zur Geltung zu bringen.

In der Ausstellung gibt es zu jedem Modell ein Bild von dem Original-Bauwerk sowie Erklärungen über Baugeschichte und Technik. So wird dem Besucher verständlich, wie eine Dachkonstruktion funktioniert. Der Laie lernt beispielsweise, was einen Stehenden vom Liegenden Dachstuhl unterscheidet oder warum der Dachstuhl selbst gar nicht so wichtig ist für die Kraftableitung.

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