Die tz war schon drin

Münchens schönste Baustelle: So sieht's im neuen Donisl aus

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Innen und außen: Beim Donisl geht‘s voran.

München - Nach fast drei Jahren Bauzeit will das Traditionswirtshaus Donisl in der Weinstraße am 7. Dezember diesen Jahres seine Pforten öffnen. Die tz durfte sich jetzt schon dort umsehen.

Bis auf die historische Fassade hat die Bayerische Hausbau das Gebäude dem Erdboden gleich gemacht. Maler, Schlosser und Restauratoren werkeln mit Hochdruck – damit der Donisl schöner wird denn je. Seit Mittwoch kann man einen Blick auf die Vorderseite werfen. Zwei Jahre lang war sie verhüllt. Bald werden die Gerüste abgebaut und die Arbeiten im Inneren abgeschlossen. Die tz war schon drin. So schön wird der neue Donisl!

Die Restauratorin Sina: Es ist das Herzstück der Donisl-Fassade: Das in Putz gekratzte Grafito wurde vor den Abrissarbeiten durch eine Holzkonstruktion geschützt. Erst nach den Rohbauarbeiten konnte Diplom-Restauratorin Sina Setzer (29) ans Werk gehen. Zusammen ihrer Kollegin Juliane Danczak befreite sie die Oberfläche vom Schmutz der letzten Jahrzehnte. Vier Tage lang wurde gereinigt, gefestigt und retuschiert. Das Ergebnis hat sich laut Expertin gelohnt: „Die Schwierigkeit bestand darin, kleine Schäden zu beheben, ohne das Original zu beeinträchtigen.“ Die Restauratorin war für das Büro für Denkmalpflege Behrer-Hacklberger im Einsatz. Sie sagt: „Ein tolles Projekt an einem besonderen Ort.“ Vom Marienplatz konnte man immer die Klänge der Straßenmusiker hören.“

Der Schlosser Florian: „In dieser Baustelle hängt mein ganzes Herzblut drin“, schwärmt Schlossermeister Florian Tanfeld (32) von der Firma Metallbau Pröbst in Wartenberg. Insgesamt 26 Absturzsicherungen – davon ist jede einzelne eine Maßanfertigung – haben er und seine Kollegen an den Fenstern der Fassade angebracht. „Das hat uns viele Nerven und Stunden gekostet“, sagt Tanfeld. Von der Planung bis zur Endmontage vergingen fast fünf Wochen. Im Donisl wurden neue Raumhöhen geschaffen, die Abstände der Fenster blieben aber gleich. Heißt: Mit jedem Stockwerk nimmt der Abstand vom Boden zum Fenster ab. Folglich müssen auch die Absturzsicherungen unterschiedlich hoch sein. Tanfeld: „Jedes Mal, wenn ich in Zukunft am Donisl vorbei gehe, wird mich das mit Stolz erfüllen.“

Der

 Dämmstoff-Experte Heiner:

Panagiotis

Sie lassen den Donisl in neuem Glanz erstrahlen: Malermeister Panagiotis Xidianos (26) und Kollege Tomasz Slusarek (32) vom Malerbetrieb Mega GmbH brachten innerhalb von drei Wochen fast 100 Liter Farbe an der Fassade an. Bei den hohen Temperaturen war das ein schwieriges Unterfangen. Panagiotis erklärt: „Wir mussten unsere Arbeit nach dem Stand der Sonne richten. Teilweise haben wir schon um fünf Uhr morgens begonnen, damit wir fertig waren, bevor die Hitze alles zu schnell trocknen lässt.“ Eine Herausforderung war es, die ursprünglich sieben verschiedenen Farbtöne zu treffen. Ganz nach der damaligen Handwerkskunst wurden der Quarzputz und er Anstrich mit kleinen Bürsten aufgetragen.

Ein Haus mit Tradition: Seit 1885 befindet sich der Donisl im Besitz der Pschorr-Brauerei. In der Weinstraße 1 fließt das Bier schon seit mehr als 300 Jahren. Im Zweiten Weltkrieg fiel das Wirtshaus dem Bombenhagel zum Opfer. 1954 wurde die neu aufgebaute Gaststätte wieder eröffnet. Der Skandal von 1984: Kellnerinnen betäubten Gäste mit K.O.-Tropfen, um sie später auszurauben. Ein Jahr später übernahm Ex-1860-Präsident Karl-Heinz Wildmoser (†71) den Donisl. Ende 2012 lief der Pachtvertrag der Familie aus.

Wirtshaus für Münchner:

Die Botschaft ist klar: „Wir wollen ein Wirtshaus für die Münchner schaffen“, sagte Andreas Steinfatt, Chef der Paulaner/Hacker-Pschorr-Brauerei bei der Vorstellung des Donisl-Musterzimmers. Und auch der neue Wirt Karl-Heinz Reindl steht schon voller Vorfreude in den Startlöchern. Ab 7. Dezember verköstigt er dann bis zu 500 Gäste gleichzeitig. Im Sommer gibt’s zusätzlich 100 Plätze im Freien. Reindl: „Es wird ein wunderschönes Wirtshaus! Wir freuen uns darauf, den neuen Weg gemeinsam zu gehen.“

– der Profi für den Anstrich: Rund 1000 Quadratmeter Dämmstoff haben Heiner Kilger und seine fleißigen Mitarbeiter aus dem niederbayerischen Mauth im neuen Donisl verarbeitet. Schwierigkeit: Der Lagerplatz! „Wir hatten nur 15 Quadratmeter zur Verfügung. Da war die richtige Koordination gefragt“, erklärt der 33-Jährige. Wegen der besonderen Brandschutzauflagen musste die komplette Fassade mit nichtbrennbaren Materialien verkleidet werden. Mit sechs Leuten ist die Firma noch bis Mitte August im Einsatz. Kilger sagt: „Wir haben in der Weinstraße und im Porsche-Museum in Bad Reichenhall ähnliche arbeiten erledigt. Aber hier beim Donisl ist nochmal was ganz Besonderes!“

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