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Hausverbot wegen Schokohase: Ladendetektiv schikaniert 85-Jährigen

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Von: Nina Bautz

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So einen Schokohasen wollte Herbert Becker (o.) im Supermarkt (li.) kaufen, hatte ihn aber in seinem Beutel übersehen.
So einen Schokohasen wollte Herbert Becker (o.) im Supermarkt (li.) kaufen, hatte ihn aber in seinem Beutel übersehen. © Michael Westermann

Weil ein Rentner einen Schokohasen in seiner Einkaufstasche übersehen hatte, beschuldigte ihn ein Ladendetektiv des Diebstahls. Der 85-Jährige bekam Hausverbot.

Bislang kannte Herbert Becker (Name geändert) solche Szenen nur aus dem Fernsehen: Als der 85-Jährige am Montag nach seinem Einkauf seelenruhig aus dem Edeka in der Triftstraße im Lehel spazieren will, stellt sich ihm plötzlich ein Mann in den Weg, hält ihm einen Ausweis vor und sagt: „Folgen Sie mir ins Büro!“. Er ist Ladendetektiv und beschuldigt den Rentner des Diebstahls. „Ich – ein Dieb?“ Der Rentner versteht die Welt nicht mehr. 

Schokohase im Stoffbeutel übersehen

Wie jedes Mal ist der Journalist und Autor auch an diesem Tag mit seiner Stofftasche unterwegs. Er packt Wasserflaschen, ein Bier, Salzgebäck, Bananen und eine Tafel Schokolade in den Beutel. Kurz vor der Kasse fällt sein Blick auf einen kleinen, reduzierten Schoko-Osterhasen. „Ach, wie nett. Den leg ich meiner Lebensgefährtin morgen aufs Frühstücksbrett“, denkt sich der Senior und steckt den Hasen ebenfalls in seine Stofftasche. Anschließend zahlt der 85-Jährige.

Dass der Hase nicht dabei war, erfährt er durch den Ladendetektiv. „Der ist wohl im Beutel nach unten gerutscht und ich hab ihn nicht bemerkt, als ich die anderen Gegenstände aufs Band gelegt habe“, erklärt sich Herbert Becker das riesige Missverständnis. So sehen das die Herren im Supermarkt aber gar nicht. 

Rentner will künftig auf eigene Einkaufstasche verzichten

„Das war eine entwürdigende Tortur. Der Detektiv hat mich wie einen miesen Gauner behandelt. Man hat sogar meine Kleidungstaschen durchsucht.“ Herbert Becker ist verzweifelt, seine Nerven flattern. Er fühlt sich wie im falschen Film. „Mir geht es finanziell sehr gut. Warum sollte ich solch einen Pfennigartikel stehlen?“, fragt er die Männer.

Das würde jeder Ladendieb sagen, kontern sie laut Herbert Becker. Er ist fassungslos, bis heute: „Ich verstehe mittlerweile, dass es ein Fehler war, die Waren in meine eigene Einkaufstasche zu stecken. Aber das ist auch mein einziges Vergehen. Diese Dummheit werde ich nie wieder machen. Aber ich bin doch kein Gauner!“ 

Die Edeka-Filiale im Münchner Stadtteil Lehel. Hier ereignete sich das Missverständnis zwischen Kunde und Ladendetektiv.
Die Edeka-Filiale im Münchner Stadtteil Lehel. Hier ereignete sich das Missverständnis zwischen Kunde und Ladendetektiv. © Michael Westermann

Die Supermarktkette bleibt hart. In einer E-Mail an ihn entschuldigt sich Edeka zwar für die Vorgehensweise des Detektivs. Aber: Herbert Becker hat fortan für ein Jahr Hausverbot. Das ist bitter, denn der Supermarkt liegt nur um die Ecke von Beckers Drei-Zimmer-Wohnung. Und der Rentner ist seit einem Autounfall nicht mehr so sicher auf den Beinen. 

Edeka hebt Hausverbot für Rentner auf

Gegenüber der tz erklärte Edeka Südbayern: Generell bewerte man Fälle, in denen ein Straftatbestand erfüllt sei, nicht unterschiedlich. „Die zugrunde liegende Absicht der jeweiligen Person können wir nicht prüfen.“ Ein paar Tage später aber zeigt Edeka doch Herz und teilt dem Rentner in einem Schreiben mit: Nach nochmaliger Prüfung werde man das Hausverbot aufheben. „Unsere Mitarbeiter freuen sich über Ihre künftigen Einkäufe.“ Am meisten aber freut sich Herbert Becker, dass er wieder in seinen Supermarkt darf. 

Nina Bautz

In Schwabing wurde eine halbblinde Seniorin des Diebstahls beschuldigt, weil sie eine Zitrone nicht bezahlte . Doch weder Alter noch Krankheit schützen „Täter“ vor einer Strafe: Richter schicken Langfinger-Oma Ingrid aus Memmingen ins Gefängnis, weil sie wiederholt Lebensmittel gestohlen hat – aus Hunger. 

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