Erdogan erleidet Schwächeanfall bei Gebet

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Kontaktbeamter Erwin Noll geht in Ruhestand

Nach 17 Jahren: Der Schandi vom Viktualienmarkt sagt Servus

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Fast zwei Jahrzehnte lang war das sein Revier: Erwin Noll am Viktualienmarkt.

17 Jahre war Erwin Noll (60) als „Kobler“ unterwegs, als Kontaktbeamter am Viktualienmarkt in München. Nun geht er in den Ruhestand. Das Abschiedsinterview:

Im Nieselregen steht Erwin Noll (60) unter einem Standl-Dach am Viktualienmarkt. „Ein guter Kobler wird nicht nass“, sagt der 60-Jährige. Ein verschmitztes Grinsen breitet sich in seinem Gesicht aus. „Der weiß immer, wo er sich unterstellen kann.“ 17 Jahre lang war der Polizeihauptkommissar Kontaktbeamter – also „Kobler“ – zwischen Altem Hof und Corneliusstraße, Isartor und Marienplatz.

Eine auffallende Persönlichkeit – der Marktschandi Erwin Noll ist die Vorlage für den Xaver Bartl in der Fernseh-Serie München 7. Am 28. Februar geht Noll in den Ruhestand. Wir haben uns zusammen mit ihm von seiner „zweiten Familie“ auf dem Viktualienmarkt verabschiedet. Weil er mit fast allen per Du ist, haben wir ein Interview mit dem Erwin und nicht mit Herrn Noll geführt.

Erwin, gibt es hier auf dem Markt irgendjemand, mit dem du nicht per Du bist?

Noll: Ja, ungefähr eine Handvoll, darunter einen Händler, der wird jetzt 82. Er hat mir nie das Du angeboten. Und mir wäre es auch komisch vorgekommen, es ihm anzubieten.

Wie sieht es mit OB Dieter Reiter und Polizeipräsident Hubertus Andrä aus?

Noll: Da geht das Du gar nicht.

Du bist gebürtiger Giesinger. Warst du schon früher gern hier auf dem Markt?

Noll: Ja, als Kind. Manchmal hatte ich großen Appetit auf eine Salzgurke. Dann hab ich mich auf mein Radl geschwungen, hab beim Freisinger (Anm. d. Red.: ein Feinkostladen) eine Gurke gekauft und bin wieder heimgefahren.

Dass du später Kontaktbeamter auf dem Markt geworden bist, war Zufall.

Noll: Ja, war es. Nach der Ausbildung war ich im Schichtdienst bei der Einsatzhundertschaft, dann neun Jahre lang auf der heutigen Inspektion 47 (Milbertshofen). Danach war ich über zehn Jahre als Streife im Münchner Norden unterwegs. Meine Tochter hat immer an mich hingebenzt, dass sie am Wochenende auch mal was mit mir machen will. Das war im Schichtdienst aber kaum möglich. Drum wollte ich auf die heutige Polizeiinspektion 11. Dort wurde die Stelle des Waffen- und Gerätewarts frei.

Und die hast du dann bekommen?

Noll: Nein. Mein damaliger Chef hat gesagt, da sei ich noch zu jung dafür. Aber da war ich ja auch schon 42. Der Chef meinte, ich gehöre auf die Straße. Kurz darauf wurde der Posten des Kontaktbeamten auf dem Viktualienmarkt frei. Und zum 1. Dezember 1999 hab ich dort dann angefangen.

Und was hat deine Tochter gesagt?

Noll: Die war natürlich selig, dass der Papa am Wochenende endlich wieder Zeit für sie hat.

Immer für ein Späßchen zu haben: Der Kontaktbeamte am Blumenstand von Erika Schuster.

Viele Standlbesitzer und Fußgänger ärgern sich über Radler

Was bewegt die Leute hier auf dem Markt?

Noll: Ein großes Thema bei Standlbesitzern und Fußgängern sind Radler, die hier manchmal kreuz und quer fahren. Viele stört das. Ich versuche zu vermitteln und appelliere an die Radler.

Wird oft geklaut?

Noll: Es gab mal eine Diebstahlserie, bei der den Besitzern reihenweise die Geldbeutel aus den Standln gestohlen wurden.

Was machst du dann?

Noll: Ich red mit den Leuten, sie sollen ihr Geld besser bei sich tragen. Ich wollte immer der gute, der brave Schandi sein, dem die Leute erzählen, wo der Schuh drückt. Ich hatte ein Prepaid-Handy, da konnten mich die Marktleute Tag und Nacht erreichen. Und sie haben mich Tag und Nacht angerufen – auch im Urlaub.

Reagiert man da nicht irgendwann genervt?

Noll: Nein. Genervt war und bin ich nie! Ich lebe nach dem Motto: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.

Manche Dinge musstest du sicher mal auf dem „kleinen Dienstweg“ regeln...

Noll: Wenn ein kaputtes Radl zum Beispiel monatelang an einen Mast angekettet ist und offensichtlich keinem mehr gehört. Dann holt man schon mal einen Bolzenschneider, zwickt das Schrottrad weg und bringt es zum Fundbüro oder auf den Müll.

Hast du auch mal selbst Ärger bekommen?

Noll: Eine ältere Dame hat mich tatsächlich mal wegen Diebstahls angezeigt (lacht).

Schandi: Darum hat mich eine ältere Dame wegen Diebstahls ang

Wie kam’s dazu?

Noll: Die Frau ist ungelogen jeden Tag hier gewesen und hat kiloweise Vogelfutter auf dem Markt verstreut. Sie hat die Futtersäcke in ihr Wagerl rein, mit dem Teppichmesser aufgeschlitzt und ist über den Markt gelaufen. Um die 150 Tauben haben schon jeden Tag gewartet, bis die Frau gekommen ist. 2000 Euro hat die im Monat für Vogelfutter ausgegeben. Ich habe ihr dann 14 Kilo Vogelfutter abgenommen und bin mit ihr aufs Revier. Ein paar Tage später musste ich zu den Internen Ermittlern. Sie hatte mich angezeigt. Die Sache ist aber sehr schnell eingestellt worden.

Was hat die Frau denn falsch gemacht?

Noll: Es gibt in München eine sogenannte Taubenfütterungsverbotsverordnung. Man darf im Stadtgebiet keine Tauben füttern, und auf einem Lebensmittelmarkt geht so was schon gar nicht.

Du kennst jeden hier persönlich.

Noll: Die meisten hier sind Freunde, von einigen Marktleuten werde ich auch nach Hause zum Essen eingeladen.

Bereit für den Polizeidienst – noch ohne Schnauzer: der Giesinger als junger Mann in seiner ersten Uniform.

Was macht deinen Job so besonders?

Noll: Die meisten hier sind herzlich, es ist familiär – ein eigenes kleines Dorf in der Stadt. Zum 60. Geburtstag hab ich von Markthändlern einen Strauß mit 60 roten Rosen bekommen.

Hattest du irgendwann mal den Gedanken, dich woanders zu bewerben?

Noll: Nein. Kobler auf dem Viktualienmarkt war zu hundert Prozent das Richtige für mich.

Du bist die Vorlage für den Xaver Bartl aus „München 7“. Wie kam es dazu?

Noll: Die Autorin Annika Herr drehte vor zehn Jahren eine Doku über die PI 11 im Vorfeld der Wiederauflage der Serie. Die Annika hat irgendwann gesagt: Dann bist du ja das Vorbild für Andreas Giebel in München 7. Aber der Unterschied ist: In München 7 hieß es der „Sheriff vom Markt“. Sheriff ist aber Wilder Westen. Ich bin der Schandi vom Markt.

Am Faschingsdienstag wirst du von den Marktweibern in den Ruhestand verabschiedet. Was machst du denn ab Mittwoch?

Noll: Ich werd die Finger sicher nicht ganz vom Markt lassen können, gelegentlich wo am Standl mithelfen. Schau dich um: Gibt es einen schöneren Platz in München als den Viktualienmarkt?

Das Gespräch führte Stefanie Wegele

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