Indischer Tourist ertrinkt

Nächster Toter im Eisbach: DLRG schlägt Alarm

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An vielen Stellen entlang des Eisbachs wird vor den Gefahren der Strömung gewarnt. Oft genug?

Es ist so tragisch wie unheimlich: Keine zwei Wochen, nachdem eine 15-Jährige im Eisbach ihr Leben verlor, forderte der schnelle Strom am Samstagnachmittag wieder ein Todesopfer.

München - Im Englischen Garten hat sich am Samstag wieder ein Badeunglück ereignet. Keine zwei Wochen nachdem eine 15-Jährige im Eisbach ihr Leben verlor, forderte der schnelle Strom an diesem sommerlichen Wochenende wieder ein Todesopfer:Ein 35 Jahre alter Inder wurde mitgerissen und zwei Stunden später von Tauchern am Tivolikraftwerk geborgen.

Vor den Augen seiner Familie war der 35-jährige Tourist aus Neu-Delhi knapp 30 Meter unterhalb der Surferwelle in das knapp hüfthohe Wasser gestiegen. Gegen 16.30 Uhr beobachteten Besucher im Englischen Garten, wie die Strömung den Mann von den Beinen riss und ihn fortspülte. Immer wieder soll der Nichtschwimmer mit Hilfeschreien auf seine Lage aufmerksam gemacht haben. Mehrere Augenzeugen wollten helfen, stürzten sich mutig ins Wasser, bekamen den Inder aber nicht zu greifen und retteten sich selbst zurück ans Ufer, wie die Polizei mitteilte. Der letzte Versuch, den 35-Jährigen aus dem Eisbach zu ziehen, scheiterte an der Tivolibrücke.

70 Rettungskräfte suchen nach Vermissten

Sofort machten sich mehr als 70 Rettungskräfte auf die Suche nach dem Vermissten. Zwei Hubschrauber mit Wärmebildkameras kreisten über dem Gebiet. Feuerwehrsprecher Johann Petryszak (41): „Mit unseren Suchgeräten können wir Temperaturunterschiede von bis zu 0,1 Grad messen.“ Von dem Verunglückten war trotzdem nichts zu sehen. Erst zwei Stunden später, gegen 18.30 Uhr, fand ein Badegast den leblosen Körper, der in der Nähe des Kraftwerks im Wasser trieb. Notärzte konnten nur noch den Tod des 35-Jährigen feststellen.

Zwei Tote innerhalb kürzester Zeit im Eisbach: Auch wenn beide Opfer Nichtschwimmer waren, schlägt die DLRG nun Alarm. Auf der Facebook-Seite schreiben die Rettungsschwimmer: „Deshalb raten wir euch dringend, bestehende Badeverbote einzuhalten und beim Baden und Schwimmen immer auf eure eigene und die Sicherheit der anderen Badegäste zu achten.“ Michael Förster von der DLRG Bayern warnt: „Das Badeverbot muss respektiert werden.“ Im Bereich der Welle am Haus der Kunst sei die Strömung „heftig“ – auch für Schwimmer. Hinzu komme der starke Temperaturunterschied. „Das Wasser im Eisbach ist sehr kalt. Ein Sprung ins Wasser schlägt auf den Kreislauf. Blutgefäße ziehen sich zusammen, der Puls steigt. Das kann zur Bewusstlosigkeit und zum Beispiel bei älteren Personen zum Herzinfarkt führen.“ Schon im Interview mit dem Münchner Merkur fand Förster deutliche Worte.

„Betrunken schwimmen ist äußerst gefährlich“

Beim Eisbach kommt hinzu, dass viele junge Menschen feiern und alkoholisiert schwimmen. Für Förster ist das ein Tabu. „Betrunken zu schwimmen ist äußerst gefährlich. Da überschätzen sich die Schwimmer – gerade an dieser gefährlichen Stelle.“ Aber wie kann man die jungen Leute zur Vernunft bringen? „Wir könnten uns theoretisch vorstellen, Rettungsschwimmer hier zu positionieren“, sagt Michael Förster. „Aber das erzeugt nur falsche Sicherheit.“ Es gebe nur einen Weg: „Konsequentere Kontrollen und Aufklärung über gefährliche Stellen.“ Försters Tipp: Nur ein paar Gehminuten weiter oben sei das Wasser viel ruhiger und niedriger. „Am besten hierhin ausweichen, das ist sicherer.“ 

Bier ist schuld

Man kennt es ja: Die Sonne scheint, das Bier schmeckt gut – und plötzlich wird man leichtsinnig. Aber was will man machen? Man kann ja nicht ständig patrouillieren...

Stephan Plum (38), Polizist aus Aachen, und Michael Martino (50), Elektro-Installateur aus Hückelhoven

Unbegreiflich!

Es ist mir unbegreiflich, wie man hier ins Wasser springen kann. Man sieht doch, wie stark die Strömung ist! Gefährlich sind vor allem die unsichtbaren Wirbel, die unterhalb der Wasseroberfläche entstehen.

Johanna Meier (79), Rentnerin aus München

Krasse Strömung

Auch wenn ich regelmäßig im Eisbach bade, weiß ich, dass das Gewässer nicht ohne ist. Ein paar Mal musste ich sogar schon dabei helfen, Leute aus dem Wasser zu ziehen. Die Strömung ist wirklich krass!

Lukas Schierlinger (24), Student aus München

Unterschätzte Gefahr

Ich bin Surfer und weiß: Das Gewässer hat eine unglaubliche Power. Die meisten unterschätzen den Druck, den das Wasser mit sich bringt. Wenn man keine Kraft hat, ist es fast unmöglich, sich alleine rauszuziehen.


Geldstrafe wäre sinnvoll 

Krass, dass innerhalb kürzester Zeit zwei Menschen ertrunken sind! Vielleicht wäre es sinnvoll, das Verbot mit einer Geldstrafe zu koppeln. 100 Euro wären angemessen.

Sabrina Giessler (24), Office-Managerin aus Freiburg, und Armand Nlome (36), Elektro-Ingenieur aus Maitenbeth

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebookseite Altstadt/Lehel – mein Viertel.

Johannes Heininger, Nina Bautz, Sarah Brenner

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