In der Innenstadt

Das ist die neue Iberl-Bühne

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Georg Maier zeigt stolz den neuen Eingang seiner Iberl-Bühne in der Herzogspitalstraße.

München - Wie wird die neue Iberl-Bühne in der Münchner Innenstadt? Was steckt nun hinter der Sollner Kultbühne? Diese Fragen beantwortet die tz.

Die Iberl-Bühne war 48 Jahre fest in Solln verwurzelt. Jetzt stehen Theater-Impresario Georg Maier (73) und sein Ensemble vor dem Neustart in der Münchner Innenstadt: im Augustiner Stammhaus in der Herzogspitalstraße.

 Diesen Mittwoch, 8. Oktober, gibt’s die Eröffnungsparty, einen Tag drauf startet der Spielplan mit dem Stück Sauber Brazzelt! Aber auch im Gasthaus Iberl in Solln hat sich in der Zwischenzeit einiges getan. Dort eröffnet Wirtin Sibylla Abenteuer am 10. Oktober, also noch mal einen Tag später, die „Sollner Kultbühne im Gasthaus Iberl“. Klingt nach einer Kriegserklärung an ihren alten „Partner“ Georg Maier? Sibylla Abenteuer: „Ich möchte nur, dass es in Solln künftig einen Ort gibt, an dem man qualitativ hochwertige Kultur erleben kann.“ Alles andere sei ihr noch eine Nummer zu groß: „Der Georg ist mir in Sachen Theater ja ein paar Jahrzehnte voraus.“ Wie wird die neue Iberl-Bühne? Was steckt hinter der Sollner Kultbühne? Das erklären Maier und Abenteuer.

„Ist das nicht eine Sensation?“ Georg Maier ist 73, aber wenn er auf der neuen Iberl-Bühne im Augustiner in der Herzogspitalstraße steht, dann glänzen seine Augen wie bei einem Fünfjährigen, dem der Opa grad einen Lutscher in die Hand gedrückt hat. Solln ist Geschichte – das Iberl-Herz schlägt jetzt mitten in der Stadt! Am 8. Oktober ist Eröffnung, ab 9. Oktober steht der Autor, Regisseur und Hauptdarsteller mit seinem Ensemble dann selbst auf der Bühne.

Und die bietet an der künftigen Spielstätte ganz neue Möglichkeiten, weil’s eine Ober- und eine Unterbühne gibt. Das ermöglicht Bühnenbilder, an die der Iberl-Impresario in den vergangenen Jahrzehnten gar nicht zu denken wagte. Eine Balkonszene wie bei Romeo und Julia – kein Problem. Jetzt lebt Maier seine Träume! Und schreibt fleißig seine Stücke um.

Privat schreibt das Leben seit drei Jahren ein Stück, dem er immer noch staunend zuschaut. Damals hat die 43 Jahre jüngere Raphaela kennengelernt. Dass sie jetzt seit 21. Juni seine Frau ist, ist für ihn unfassbar...

Ja, das Leben bietet jede Menge Überraschungen. Als Maier in Solln immer unglücklicher wurde und seine Tochter Georgia bat, sich nach einer anderen Spielstätte umzuschauen, da fügte sich auch alles gut zusammen. Ihr erster Ansprechpartner war Jannik Inselkammer, der – viel zu früh verstorbene – Chef der Augustiner-Brauerei. Für den war sofort klar: Iberl und Augustiner: das ist eine Traditionsformel, die passt.

Und wie: Georg Maier ist total begeistert von der Unterstützung durch die Brauerei. Theaterraum und Wirtsstube wurden ganz im Iberl-Stil eingerichtet. Hinzu kommt ein Pachtvertrag, der „uns leben lässt“, wie Maier verrät. Und noch etwas freut ihn: Der Weg zur Bühne wird im neuen Iberl zur Kunstausstellung – dank Ensemblemitglied Hansi Kraus. Der ist nicht nur Schauspieler, sondern auch ein sensationell guter Fotograf und zeigt eine Auswahl seiner Werke im Treppenaufgang.

Die Eröffnungsfeier werden Georg Maier und seine Raphaela übrigens aus dem Zuschauerraum genießen. Denn fürs Programm sorgen am ersten Abend Künstler-Kollegen. Kabarettist Stefan Kröll wird dabei sein, die Moderation wird Pfarrer Rainer Maria Schießler übernehmen – mehr mag Maier noch nicht verraten.

… und die alte macht ihr Konkurrenz

„Mein Name ist jetzt mein Programm“, meint Sibylla Abenteuer und klingt ernsthaft besorgt. Denn der Gastronomin (Rabenwirt Pullach, Gasthaus Iberl, Isartaler Brauhaus) ist bewusst, dass sie sich mit einer eigenen Bühne auf unbekanntes Terrain wagt.

Ronny Weise, Reinhold Hoffmann und Sibylla Abenteuer in Solln.

Nach Georg Maiers Entschluss, mit der Iberl-Bühne in die Innenstadt umzuziehen, wollte sie sich nach einem neuen Partner mit Kulturerfahrung umsehen. Da sich das aber schwieriger gestaltete als erwartet, nahm sie die Sache schließlich selbst in die Hand – allerdings mit zwei Profis an ihrer Seite: Haindling-Musiker Reinhold Hoffmann (50) sowie Schauspielerin und Kabarettistin Ronny Weise, die viele Jahre Mitglied in Maiers Ensemble war. Ihr Ziel: „Wir wollen den Münchner Süden mit einem qualitativ hochwertigem Kulturprogramm versorgen.“ Dazu gehören in der neuen Sollner Kultbühne im Gasthaus Iberl zunächst zwei Stücke von Turmschreiber Gerhard Loew (Regie Winfried Frey, zum Ensemble gehören unter anderen Johann Schuler, Andreas Borcherding und Weltmeister-Tochter Lisa Augenthaler), Kabarett (Ali Khan, Josef Brustmann) und musikalisch untermalte Sonntagsfrühschoppen.

Mit dem Umzug der Iberl-Bühne hatte Sibylla Abenteuer auch ein unerwartetes Problem zu lösen. Wer das Gasthaus Iberl per Google suchte, landete nicht in Solln, sondern in der Herzogspitalstraße – der neuen Adresse der Iberl-Bühne. Eine fast unlösbare Schwierigkeit – doch es stellte sich heraus, dass einer von Abenteuers Nachbarn bei Google arbeitet. „Am nächsten Tag war das Problem gelöst“, sagt sie. „Für mich war das ein Zeichen, dass das Projekt unter einem guten Stern steht.“

Wolfgang de Ponte

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