Video von der Aufstellung

Der neue Münchner Christbaum im tz-Interview

München - Seit Donnerstagmorgen hat München seinen aktuellen Christbaum. Diesmal kommt die Fichte aus Ruhpolding - und sieht ein kleines bisschen zerrupft aus.

Es ist wieder soweit - seit Donnerstag steht auf dem Marienplatz wieder der große Christbaum. Um 6 Uhr früh, lieferte die Gemeinde Ruhpolding den Christbaum für München am Marienplatz an. Die Münchner Berufsfeuerwehr sorgt mit schwerem Gerät dafür, dass der Baum unbeschadet aufgerichtet und mit dem Kran in das zwei Meter tiefe Bodenloch vor dem Neuen Rathaus versenkt und verkeilt wurde. Dazu musste er erst einmal auf 26 Meter gekürzt werden.

4,5 Tonnen schwer, 150 Jahre alt

Heuer ist der Baum eine Spende aus Ruhpolding im Chiemgau, er kommt vom Forstbetrieb Ruhpolding und den Bayerischen Staatsforsten. Die Fichte war ursprünglich 37 Meter hoch, ihr Stamm hat 97 Zentimeter Durchmesser. Der Baum ist zirka 4,5 Tonnen schwer und 150 Jahre alt. Er stand in 1100 Meter Höhe am Kanonenpass im Bereich des Röthelmoos Hochplateaus. Er wurde am Montag geschlagen, nicht extra für München sondern bei Verjüngungsmaßnahmen für den Bergwald.

Die Mitarbeiter des Baureferats, Abteilung Straßenbeleuchtung, sind jetzt damit beschäftigt die Fichte mit rund 3000 Lichtern zu schmücken. Bis zum 24. Dezember ist der Baum das Wahrzeichen des Münchner Christkindlmarktes.

Im Lichterglanz erstrahlen wird er zum ersten Mal am Freitag, 27. November. Dann übergibt der Bürgermeister von Ruhpolding, Claus Pichler, die grüne Spende offiziell der Münchner Bevölkerung – und zwar bei der Eröffnung des Münchner Christkindlmarktes um 17 Uhr.

Wer möchte den Baum als Maibaum weiternutzen? Interessenten gesucht

Am 8. Januar wird die Christbaum von der Münchner Berufsfeuerwehr abgebaut und steht für eine weitere Karriere als Maibaum zur Verfügung. Interessenten können sich ab sofort beim Direktorium der Landeshauptstadt München unter der Rufnummer 2339 25 65 melden.

Seit 1977 kommt die Landeshauptstadt München in den Genuss einer Christbaumspende. Die Warteliste der Gemeinden, die sich als Spender anbieten, ist lang. Als Dank für den Christbaum dürfen die Ortschaften während des Münchner Christkindlmarktes im Prunkhof des Rathauses Glühwein ausschenken und sich als touristische Destination präsentieren.

Die Fichte im nicht ganz ernst gemeinten tz-Interview

"Sommerlich gekleidet“, nennt Bürgermeister Josef Schmid (CSU) die Fichte aus Ruhpolding beschönigend, die jetzt auf dem Marienplatz steht. Nein, wir wollen nicht wieder die Hungerfichten-Peitsche auspacken – dazu gibt es ja ab und zu Anlass, Stichwort Zillertal 2011. Doch halt: Wir erweisen uns heuer als vorweihnachtlich sensibel und befragen das Marienplatz-Gwachs höchstpersönlich. Quasi als Beitrag zur „Aktion Sorgenbaum“.

Frau Fichte, Ihre Äste hängen nach unten, Sie sehen mitgenommen aus – wie fühlen Sie sich?

Frau Fichte: Schrecklich! In aller Frühe, um 6 Uhr morgens, zerrten die mich auf den Marienplatz. Kaum angekommen, musste ich mich ständig um meine eigene Achse drehen. Bis mir ganz schwindlig war. Meine Äste wären nicht füllig genug, das müsse man kaschieren. Wenn Sie mich fragen: a Krampf!

Bei allem Respekt, etwas dürr sind Sie ja schon!

Frau Fichte: Hatten Sie nicht gehört, was unser Ruhpoldinger Bürgermeister Claus Pichler eben gesagt hat? Ich zitiere: „Der Transport auf der Autobahn war schwierig. Der Baum darf nicht zu breit sein.“ Ohne Diät geht da also nichts. Als ich aus meiner Heimat losgefahren bin, sah ich aus wie die Dolly Buster der Christbäume.

Wochenlang haben laut Pichler die Ruhpoldinger Förster nach dem „perfekten Baum“ gesucht. Wie lief die Auswahl ab?

Frau Fichte: Die Förster durchkämmten regelrecht unsere Wälder. Bürgermeister Pichler ist stolz auf mich, das sagt er ganz offen. Ich bin unsere schönste Fichte. Etwas unverschämt finde ich Ihren Bürgermeister Josef Schmid. Plaudert der doch glatt aus, dass ich zur „Verjüngung des Bergwaldes“ gefällt wurde. Dabei bin ich doch erst taufrische 130 Jahre jung!

Die Münchner kritisieren in unserer Umfrage ganz offen, Sie seien zu nackt. Warum geben Sie sich so freizügig?

Frau Fichte: Mei, der Sommer war heiß … Da fielen mir halt die Nadeln von den Zweigen. Oder laufen Sie im August im Anorak umeinander?! Aber ich geb’ zu, wenn ich mich auf Ihrem Foto so ansehe: Ein paar Anstecknadeln wären nicht schlecht.

Ihre Vorfreude ist also dahin?

Frau Fichte: Dem Dieter Reiter kann ich ins Büro spähen, das ist toll. Aber den Job hier mache ich nur bis 6. Januar. Danach werde ich zum Maibaum befördert.

Olivia Kortas

Bilder: Eine Ruhpoldinger Fichte für München

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