Verordnung tritt umgehend in Kraft

Neue Regeln im Englischen Garten schon ab 1. Juni

+
Wurde immer wieder für ausufernde Partys missbraucht: Rund um den Monopteros feiern Münchner ausgiebig.

Im Englischen Garten beginnt im Juni eine neue Zeitrechnung. Nach den Zwischenfällen der vergangenen Wochen tritt eine neue Parkverordnung in Kraft. Randalierern drohen nun Strafen.

München - Unser Englischer Garten - seit Monaten vergeht kaum ein Wochenende ohne neue Schreckensmeldungen: Sauf-Orgien, Schlägereien, zuletzt wurden alle Säulen des Monopteros beschmiert. Der Schaden: 20.000 Euro. Und dann lockten Jugendliche auch noch Polizei und Feuerwehr in den Park, um diese zu attackieren. Aber mit all dem soll nun Schluss sein: Ab 1. Juni gibt es neue Regeln im Englischen Garten. Dann können Parkschänder endlich zu einer Geldstrafe verdonnert werden!

„Nach den Ereignissen der vergangenen Wochen müssen wir handeln. Wir können nicht dulden, dass der Englische Garten willkürlich zerstört und Rettungskräfte angegriffen werden“, erklärt Finanz- und Heimatminister Albert Füracker (CSU). Er ist der oberste Wächter des Englischen Gartens, denn der untersteht als Teil der Bayerischen Schlösserverwaltung seinem Ministerium. Gleichzeitig sagt Füracker: „Wir werden auch künftig den ursprünglichen Charakter der grünen Lunge Münchens als offener Volksgarten bewahren und stärken.“ Heißt: Brave Bürger müssen keine Einschränkungen befürchten.

Lesen Sie auch: Nach Vandalismus im E-Garten: Polizei jagt die Tempel-Schänder

Schändliches Bild: Der Monopteros wurde mit Graffiti beschmiert.

Verbote werden in neuer Parkverordnung aufgelistet

In der neuen Parkverordnung stehen all jene Dinge, die verboten sind: auf Skulpturen klettern, gewerbliche Aktivitäten aller Art inklusive Musizieren, Betteln, offene Feuerstellen, Beschädigung von Möbilar. Und das ist nicht alles: So ist auch das Jagen, Wildern, Tiere fangen, Baden, das Aufstellen von Pavillons und Wohnwagen untersagt. Schon in gut drei Wochen gilt die Verordnung für das 375 Hektar große Wahrzeichen Münchens.

Aber Tatsache ist auch: Nicht alle Delikte können mit einer Geldbuße belegt werden. Wer den Monopteros beschmiert, Pflanzenbeete zerstört oder eine Musikparty veranstaltet, die man auch noch am Odeonsplatz hört, wird natürlich zur Kasse gebeten. Wer hingegen auf der Eisbachwelle surft, im Park badet oder seinen Hund doch mal frei laufen lässt, der muss mit keiner Geldstrafe rechnen. Diese Punkte sind verboten - aber eben keine Ordnungswidrigkeiten.

Lesen Sie auch: Nach Randale-Wochenenden: Endlich geht‘s wieder ruhig zu im Englischen Garten

Der genaue Strafenkatalog ist noch nicht bekannt, aber auch in Bayreuth wurde gerade eine ähnliche Parkverordnung verabschiedet: Dort bewegen sich die Geldbußen zwischen 10 und 50 Euro, je nach Schwere des Vorfalls. „Die Parkverordnung“, sagt Finanzminister Füracker, „bildet künftig eine wichtige Grundlage, um frühzeitig gegen Störer einschreiten und mit Bußgeldern Grenzen setzen zu können.“ Davor hatte der Englische Garten lediglich eine Hausordnung, mit der man kaum eine Handhabe gegen Ruhestörer und Vandalen hatte. Eine Tatsache, die Parkchef Thomas Köster schon seit Jahren störte. Ihm kommt die neue Regelung nun zu Gute, um Dauer-Störenfriede und Vandalen Herr zu werden.

Stefan Sessler / Christopher Meltzer


Kommentar zur Parkverordnung im Englischen Garten: Leben und leben lassen

Der Münchner an sich kommt ohne einen eigenen Garten aus - schließlich hat er ja den schönsten Stadtpark der Welt zur Verfügung! Und nirgends wird die vielbeschworene Liberalitas Bavariae mehr gelebt als im Englischen Garten. Leben und leben lassen - gerade dieses bayrische Grundprinzip macht diesen Volkspark zu einem ganz besonderen Ort.

Jetzt sollen Park-Mitarbeiter mit Bußgeldzetteln bewaffnet durch den Park schlendern und ungebührliches Verhalten sanktionieren. Kann das gutgehen? Ja, wenn sie ihrem Job nicht mit preußischer Akribie, sondern bayrischer Lässigkeit nachgehen!

Schließlich geht es nicht darum, die Münchner zu maßregeln und in ihrem E-Garten einzuengen, sondern darum, Exzesse wie im April zu verhindern. Die Surfer, die Nackerten, die Trommler: sie verhalten sich vielleicht nicht immer ganz regelkonform - aber sie sind das Paradebeispiel dafür, wie der Englische Garten den unterschiedlichsten Besuchern Freiräume ermöglicht.

Randale und Sachbeschädigungen gehören dagegen nicht zum schützenswerten Markenkern des Parks – und fallen nicht unter die Liberalitas Bavariae.

Ordnet die neue Parkverordnung und deren Folgen ein: tz-Reakteur Marc Kniepkamp.

Marc Kniepkamp

Umfrage: Und wie wohl fühlen Sie sich im Englischen Garten? 

“Ich fühle mich total sicher. Alles andere ist völlig albern. Bayern ist das sicherste Land. Wir müssen aber aufpassen, dass ein paar Ausschreitungen nicht schamlos ausgenutzt werden, um den Polizeistaat zu stärken.“
Daniela Briechle (55)

“Wir lieben beide den Park. Es ist cool, dass wir hier weiterhin surfen dürfen. Es ist ja immer die Frage, ob es irgendwann verboten wird. Die Surferwelle verbieten? Dann fehlt München ein Wahrzeichen. Es ist dennoch wichtig, dass es ab und zu jemanden gibt, der hier nach dem Rechten sieht.“
Laura Eineder (24, Ingenieurin) und Marina Seeger (23, Lehrerin) aus München

„Hier soll alles beschmiert worden sein? Kaum zu glauben. Ich finde das traurig - wie kann man das an so einem schönen Ort nur tun?! Ich komme aus Kalifornien, bin grad hergezogen und erstmals hier am Monopteros.“

McKonna Horn (27), Neu-Münchner aus den USA


Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Mann raste ins Stauende, 25-Jährige starb - Verfahren eingestellt, keine Entschuldigung
Mann raste ins Stauende, 25-Jährige starb - Verfahren eingestellt, keine Entschuldigung
„Hier rasen alle“: Münchner sucht beim KVR nach Hilfe - und erhält eine kuriose Auskunft
„Hier rasen alle“: Münchner sucht beim KVR nach Hilfe - und erhält eine kuriose Auskunft
Fatales Ergebnis: Diese S-Bahn ist die unpünktlichste Münchens
Fatales Ergebnis: Diese S-Bahn ist die unpünktlichste Münchens
Stromausfall in München: Mehrere Stadtteile und auch Mathäser-Kino betroffen
Stromausfall in München: Mehrere Stadtteile und auch Mathäser-Kino betroffen

Kommentare