Erstes Konzept vorgelegt

Neue Pläne für Münchner Innenstadt: Die Fußgängerzone soll weiter wachsen

Die rot markierten Bereiche könnten in der Münchner Innenstadt zur Fußgängerzone werden.

Das Planungsreferat will die Fußgängerzone erweitern. Potenzial sieht die Stadt etwa im Tal, der Hackenstraße, am Färbergraben, im Rosental und der Westenriederstraße. Das Konzept wird derzeit den Stadtratsfraktionen vorgestellt. Problem: Wegen vieler Baustellen ist eine zügige Umsetzung fraglich.

Die Ausdehnung der Münchner Fußgängerzone ist keine Geschichte der großen Würfe, sondern eher eine der Trippelschritte. Seit der Eröffnung im Olympiajahr 1972 gab es in der jüngeren Vergangenheit nur noch zwei bedeutsame Erweiterungen: am Marienplatz und vor allem im gesamten Verlauf der Sendlinger Straße. Doch die Vision einer weitgehend autofreien Altstadt beschäftigt aktuell wieder verstärkt die Politik. OB Dieter Reiter (SPD) hatte die Verwaltung im Herbst 2018 beauftragt, Ideen zu entwickeln. Zudem gibt es diverse Anträge von Grünen, SPD und ÖDP.

Das Planungsreferat hat nun ein erstes Konzept entwickelt, das in einen Beschluss für einen Masterplan münden soll. Dieser ist erst für frühestens Mitte 2020 vorgesehen. Noch vor der Sommerpause 2019 soll aber ein Grundsatzbeschluss zur „autofreien Altstadt“ gefällt werden. Auch die Weichen für ein autofreies Tal will die Stadt noch heuer stellen. Das Problem an der ganzen Sache: Der Schwerlastverkehr zum Marienplatz für den Bau der zweiten Stammstrecke wird über das Tal abgewickelt – und das dürfte bis mindestens 2025 dauern.

Vision einer „autofreien Altstadt“

Die Maßnahmen zur Vision einer „autofreien Altstadt“ beinhalten aber weitere Abschnitte. Der Plan liegt unserer Zeitung vor. So sieht die Skizze der Stadtverwaltung Fußgängerzonen in der Fürstenfelder Straße, dem Färbergraben, dem Rosental und der Prälat-Zistl-Straße vor. In diesem Bereich liegt auch das Hirmer-Parkhaus, das im Zuge der Neugestaltung des Georg-Kronawitter-Platzes abgerissen werden soll. Weiteres Potenzial für autofreie Zonen sieht das Planungsreferat in der Hackenstraße und der Hermann-Sack-Straße, die beide die Sendlinger Straße kreuzen. Auch die Westenriederstraße, die vom Tal zum Viktualienmarkt führt, ist nach Auffassung der Verwaltung als Fußgängerzone denkbar. Die Kustermann-Fahrbahn ist vom Plan ausgenommen. Dort sollen weiterhin Busse und Taxis verkehren. Die Frauenstraße könnte verengt werden und Raum für Fußgänger und Radfahrer freigeben.

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Wenig überraschend ist der Vorschlag, die Dienerstraße gänzlich als Fußgängerbereich auszuweisen. Dabei würde es sich nur noch um ein kleines Stück hinter dem Rathaus bis zum Hofgraben handeln. OB Reiter hatte dies schon mehrmals angeregt. Die Herzog-Wilhelm-Straße soll zwischen dem Oberanger und der Abbiegung Kreuzstraße verkehrsberuhigt werden. Entlang der Sonnenstraße schlägt das Planungsreferat einen begrünten Boulevard vor.

Weiterer Bestandteil des Gesamtkonzepts ist eine Aufwertung der wichtigsten Plätze im Bereich der Altstadt. Dazu zählen vor allem der Max-Joseph-Platz, der Isartorplatz, der Sendlinger-Tor-Platz und der Rindermarkt – aber auch der Bereich am Kosttor und der Hochbrückenstraße. Gerade der Max-Joseph-Platz und der Isartorplatz gelten städtebaulich als wenig attraktiv. Rund um das Isartor dominiert der Autoverkehr, Fußgänger und Radfahrer werden in die Randbereiche gedrängt. Ein „Platzleben“ mit Aufenthaltsqualität ist dort derzeit nicht möglich. Das Planungsreferat wünscht sich schon lange eine Stärkung der Achse zwischen Altstadt und dem Isarraum. Beim Sendlinger-Tor-Platz stellt sich das Problem, dass dort ebenso noch mehrere Jahre lang Baustelle ist.

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Natürlich bedeutet das Schlagwort „autofreie Altstadt“ nicht, dass es dort keinen Verkehr mehr geben wird. Die Zufahrt zu Parkhäusern, Lieferverkehr und Ausnahmeregelungen für Anwohner müssen weiterhin möglich sein. Grundgedanke des Konzepts ist allerdings, dass oberirdische Stellplätze verschwinden und auf die Tiefgaragen verteilt werden. Geprüft wird ferner, wie sich die vom Planungsreferat beabsichtigte Erweiterung der Fußgängerzone auf die Zubringerstraßen des Altstadtrings auswirken könnte. Dazu soll es Prognosen geben.

Aus Rathauskreisen hieß es zunächst über das Konzept der Stadtverwaltung: „Sehr konkret ist es noch nicht.“ Vor zwei Monaten hatte es im Stadtrat eine Grundsatzdebatte zum Thema Verkehrswende gegeben. Dabei hatten sich SPD und Grüne durchaus offen für neue Fußgängerzonen gezeigt, die CSU reagierte eher verhalten.

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