Kurator kommt nicht zur Ruhe

Haus der Kunst: Immer neue Skandale kommen ans Licht

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Das Haus der Kunst kämpft mit erheblichen finanziellen Problemen.

Der Scientology-Skandal, sexuelle Übergriffe und eine fatale Finanzlage: Okwui Enwezor ist um seine Rolle als Kurator im Haus der Kunst derzeit nicht zu beneiden.

Altstadt-Lehel - Das Haus der Kunst (HdK) kommt unter Hausherr Okwui Enwezor (54) nicht zur Ruhe – was die Skandale angeht. Andererseits: Kulturell ist’s um die Institution so ruhig wie lange nicht. Wir haben die wichtigsten Entwicklungen aufgelistet.

Der Scientology-Skandal

Vor etwa einem Jahr deckte unsere Zeitung auf, dass ein Mitglied der vom Verfassungsschutz beobachteten Scientology-Sekte als Personalchef im HdK arbeitet. Bereits 2015 war der Aufsichtsrat der Stiftung wohl informiert gewesen, doch abgelöst wurde der Scientologe erst im März 2017. Kunstminister Ludwig Spaenle (56, CSU) als Aufsichtsratsvorsitzender des HdK wird seitdem heftig kritisiert. Nicht nur, weil man jenen Personalverwalter wohl widerrechtlich als „externen Dienstleister“ akzeptiert habe, sondern auch, weil der Minister bis heute die Durchleuchtung der verfahrenen Situation nicht energisch und offen genug vorantreibe, so Kritiker wie die SPD-Landtagsabgeordnete Isabell Zacharias (52).

Sexuelle Übergriffe

Mit der Entlassung des „Dienstleisters“ kehrte keine Ruhe ein. Im Personal rumorte es weiter, weil Vorwürfe erhoben wurden, dass es zu sexuellen Übergriffen gekommen sei. Auch diese schreckliche Angelegenheit harre weiter der Aufklärung, wird in der Kunstszene kolportiert. Das Kunstministerium möchte „zu anhängigen und laufenden Verfahren keine Auskunft geben“. Das Problem bei der Aufklärung des Missbrauchs sei, so Insider, dass die Betroffene aus Angst nicht aussagen wolle.

Fatale Finanzen

Dem kaufmännischen Geschäftsführer Marco Graf von Matuschka war im Herbst Stefan Gros zur Seite gestellt worden. Die finanzielle Situation ist fatal. Nicht nur, weil Okwui Enwezors Herzensangelegenheit, die Schau Postwar: Kunst zwischen Pazifik und Atlantik, 1945-1965 (2016), enorm teuer und enorm defizitär war. Zum Ende 2017 musste von Matuschka gehen. Jetzt räumt Gros auf, was viele Mitarbeiter und den Betriebsrat hoffen lässt. Derzeit wird Gros vom Kunstministerium bezahlt, der Vertrag läuft aber nur bis Ende Februar. Gros wäre ideal als kaufmännischer Geschäftsführer. Spaenle müsste hier dringend entscheiden. Der erfahrene Finanzexperte hat sich auch die verworrenen juristischen Verbindlichkeiten vorgenommen, wie zu hören ist. Er hat eine neue Kanzlei beauftragt, die die alten Verträge überprüft.

Okwui Enwezor hat als Kurator eie schwierige Aufgabe zu bewältigen.

Das Zaudern des Ministers

Spaenle muss viel ordnen: zunächst bei der Frage, wann das Geld eintrifft, ohne das kein Ausstellungsbetrieb realisierbar ist. Das Ministerium betont, dass der Freistaat als Hauptgesellschafter die Mittel im bisherigen Umfang gebe und für den Nachtragshaushalt 2018 eine Erhöhung beantragt habe. Ende Februar werde der Landtag entscheiden. Auch auf die traurige Frage, wie man Enwezor unterstützt, muss eine Antwort her.

Der schwerkranke Hausherr

Der renommierte Kurator Enwezor (documenta, Biennale in Venedig) ist sehr krank. Daher bräuchten er und das HdK dringend einen Stellvertreter, zumal der aktuelle Hauptkurator Ulrich Wilmes in absehbarer Zeit in Rente geht. Hier darf man nichts aussitzen. Das Kunstministerium erklärt uns lediglich, dass es eine „dauerhafte Erweiterung der Geschäftsführung um einen kaufmännischen Geschäftsführer“ geben werde. Die „Organisationsstruktur“ werde analysiert, über „weitere Weichenstellungen“ werde beraten und entschieden. Spaenle will wohl nicht die komplette Führungsebene austauschen: Er lobt Enwezor samt Team und betont dessen Vertragslaufzeit bis 2021.

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook-Seite „Altstadt/Lehel – mein Viertel“.

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