Kosten gehen in die Millionen

Sauber-Plan der Stadt: Anwohner sollen für Partymüll blechen

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Mehr als doppelt soviel Geld wie der bisherige kostet der neue Reinigungsplan der Stadt.

Um das Zentrum sauberer zu bekommen, führt die Stadt nun eine neue Reinigungsklasse ein. Und die kommt vor allem den Anwohnern teuer zu stehen.

München - Münchens Zentrum soll sauber und makellos sein. Aus diesem Grunde führt die Stadt nun eine „Reinigungsklasse 1+“ ein. In der Konsequenz bedeutet dies mehr Abfallbehälter, erhöhter Reinigungsturnus, mehr Personal und neue Fahrzeuge. Die Kosten betragen etwa 1,4 Millionen Euro.

Wer mit Touristen spricht, die München besuchen, hört oft diese Außenansicht: geordnet, sauber, blitzblank herausgeputzt – im Vergleich zu anderen europäischen Metropolen. Die Stadt aber sieht trotzdem Nachholbedarf an ihrer Ansicht nach schmuddeligen Ecken. So sei in der jüngeren Vergangenheit eine deutliche Zunahme der Verschmutzung im Bahnhofsviertel, der sogenannten Feierbanane entlang der Sonnen- und Müllerstraße sowie den südlich und östlich an die Fußgängerzone angrenzenden Straßen festgestellt worden, so die Verwaltung. Auch die Klagen von Bezirksausschüssen, Bürgern und Anliegern hätten zugenommen.

Der neue Sauber-Plan: Im orangfarbenen Bereich wird schon intensiv gereinigt, bei den gelben Straßen sollen die Putzmänner künftig sogar doppelt so oft ran.

Die neue „Super“-Reinigungsklasse 1+ soll ab Januar 2018 in zahlreichen Straßenzügen der Innenstadt (siehe Grafik) eingeführt werden. Konkret bedeutet das täglich zwei statt bislang eine Feinreinigung, mehr und größere Abfallbehälter (100 statt 50 Liter). Das alles kostet Geld, nämlich mehr als doppelt so viel wie bisher. Laut Baureferat sind 19 neue Mitarbeiter (Kosten 928 000 Euro) sowie beim Fuhrpark vier Kleintraktoren, zwei Kehrmaschinen und ein Transporter mit Sammelbehälter (455 000 Euro) notwendig. Die Stadt stellt den Aufwand den Grundstückseigentümern in Rechnung – 113 Euro je Frontmeter und Jahr statt bislang 53 Euro. Das wird wohl an die Mieter weitergereicht.

Verwunderung herrscht hingegen bei manchem Clubbetreiber. David Süß, Inhaber des „Harry Klein“ an der Sonnenstraße, sagt: „Ich verstehe nicht, dass die Anwohner das zahlen müssen. Die Besucher sind Gäste der ganzen Stadt. Im Zentrum gibt es viele Angebote. Die Menschen kommen aus unterschiedlichen Gründen: Einkauf, Kino bis hin zum Lokalbesuch.“ 

Das sagen die Anwohner

Die Baustellen sind nerviger 

Obwohl mein Geschäft direkt neben der Milchbar liegt, kann ich mich nicht beschweren! Der Hausmeister macht einen super Job. In der Regel ist der Gehsteig blitzeblank. Meiner Meinung nach sollte sich die Stadt lieber um ihre Baustellen kümmern - die verursachen nämlich deutlich mehr Dreck als die Disco nebenan. 

Julian Hubel, (28), Raumausstatter aus München

Die Zustände sind untragbar

Das Müllproblem in der Müllerstraße ist ganz fürchterlich! Am Wochenende kommen die Leute zum Teil schon betrunken an und bieseln uns vor die Haustür. Am Montag ist der ganze Gehsteig voller Scherben. Die Stadt hat die Gegend als Feiermeile ausgewiesen. Deshalb sollte sie die Reinigungskosten auch selbst tragen. 

Gunda Wölk (75), Rentnerin aus München

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