Weil sie keine Schokolade bekam

Keine Schokolade: Frau beklaut Nikolaus

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Walter Reinhardt ist seit sieben Jahren auf Christkindlmärkten unterwegs.

München - Weil er ihr keine Schokolade geben wollte, hat eine beleidigte Rentnerin am Marienplatz am Samstag einen Nikolaus beklaut. Die Rechnung hat sie aber ohne Walter Reinhardt gemacht.

Seit sieben Jahren ist Walter Reinhardt in München als radlfahrender „Santa Claus“ unterwegs. In der Tradition des Nikolauses, gekleidet eher als amerikanischer Weihnachtsmann, verteilt der 59-Jährige auf Christkindlmärkten die gesamte Vorweihnachtszeit über Süßigkeiten an kleine Schleckermäuler. Im Anhänger seines Dreirads liegen Säcke, prall gefüllt mit Schokolade.

„Ich mag Kinder sehr“, sagt der Münchner. Ihn macht es glücklich, in die strahlenden Augen zu blicken, wenn die Buben und Mädchen etwas Süßes von ihm geschenkt bekommen haben. Fassungslos macht Walter Reinhardt allerdings, was ihm am Samstag um die Mittagszeit mitten auf dem Marienplatz passiert ist: Eine Rentnerin hat den Nikolaus bestohlen. „So etwas habe ich noch gar nie erlebt“, sagt er.

„Ich kenne die Frau schon seit drei Jahren“, erzählt Reinhardt. „Immer wieder bettelt sie um Schokolade. Aber die ist eben nur für Kinder.“ Das hat er auch der 65-Jährigen – wie schon so oft – am Samstag wieder gesagt. Als sie kein Naschwerk bekam, muss das die Frau richtig wütend gemacht haben: Sie riss vom Dreirad eine kleine Nikolaus-Porzellanfigur ab und steckte sie in eine ihrer zwei Tragetaschen. „Ich selbst habe nur einen Ruckler an meinem Rad bemerkt“, berichtet Reinhardt.

Aber ein 60-jähriger Passant beobachtete den Diebstahl und sagte es dem Nikolaus. Der 59-Jährige rief sofort die Polizei an und hielt die Diebin fest, bis er sie an Polizeibeamte übergeben konnte. „Sie hat behauptet, die Figur sei heruntergefallen. Aber das stimmt nicht.“ Unglaublich ist für den Münchner, dass die Frau immer an einem Rosenkranz herumspielt, „so heilig tut“ – und ihn dann beklaut.

Walter Reinhardt macht der dreiste Diebstahl besonders wütend, weil er seit Jahren die Süßigkeiten und die Ausstattung seines Gefährts selbst finanziert. Auf eigene Faust zieht er jeden Tag durch München, um Kinder glücklich zu machen. Geld für die Schokolade sammelt der 59-Jährige im Sommer mit seinem „Wolpertinger Express“. In Tracht radelt er mit dem aufwändig dekorierten Dreirad durch die Landeshauptstadt. Touristen bleiben häufig stehen und machen Fotos mit dem Münchner Original.

„Aber dieses Jahr im Sommer war ich lange krank und konnte nicht sammeln. Deshalb hatte ich kein Geld und hätte beinahe nicht als Nikolaus Schokolade verteilen können.“ Doch für die Standlbetreiber des Christkindlmarktes rund um den Marienplatz kam das gar nicht in Frage: Sie sammelten für Walter Reinhardt und bekamen so 325 Euro für Süßigkeiten zusammen. „Alles, was ich jetzt an Spenden bekomme, setze ich bis zum letzten Tag des Christkindlmarktes in Schokolade um“, sagt Reinhardt.

Die Frage, warum Walter Reinhardt überhaupt als Nikolaus unterwegs ist, lässt ihn in all dem Getümmel in der Fußgängerzone ganz traurig werden. „Meine eigenen Kinder wollen nichts mit mir zu tun haben. So mache ich wenigstens andere Kinder glücklich."

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