Nur CSU dafür

Kontroverse um Supermarkt in der Schrannenhalle

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Peter Simmel (l.), Hans Hammer.

München - Die Pläne, wonach ein Supermarkt in die Schrannenhalle ziehen könnte, sorgen für Diskussionen. Die CSU ist dafür, Dieter Reiter spricht sich dagegen aus. Und was sagen die Standl-Leute?

Ein Supermarkt statt Feinkost-Käfer in der Schrannenhalle? Für Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) ist das schwer vorstellbar: „Meine Begeisterung hält sich in Grenzen, die Schrannenhalle in einen Edeka-Markt zu verwandeln“, sagte das Stadtoberhaupt am Mittwoch zur tz – angesprochen auf die entsprechenden Pläne von Schrannenhallen-Chef Hans Hammer.

Peter Simmel (l.), Hans Hammer.

Der Rathaus-Chef begründet seine Zweifel so: „Es wird eines breiten Diskussionsprozesses bedürfen, ob das planungsrechtlich und logistisch abdingbar ist.“ Sprich: Ein Supermarkt entspräche nicht den Stadtratsbeschlüssen und den Verträgen für die Schranne, die Hammer in Erbpacht von der Stadt übernommen hat. Reiter fürchtet den Lieferverkehr, den ein Edeka in der Schranne verursachen würde. Und er fragt sich: „Welchen Einfluss hätte das auf die Standl am Viktualienmarkt?“

Am Dienstagabend hatte Hammer mit dem Supermarktbetreiber Peter Simmel und der Sprecherin der Standlleute vom Viktualienmarkt, Elke Fett, geführt. Letztere war ebenfalls nicht begeistert, sie hält einen Supermarkt für Konkurrenz.

Seit Mittwoch läuft eine Umfrage unter allen Standlleuten. Sie sollen ankreuzen, ob sie für oder gegen die Pläne sind. Die Ergebnisse gehen an Hammer und das Kommunalreferat, das die Angelegenheit prüfen soll. Dann entscheidet der Stadtrat.

J. Welte, U. Heichele

Nur die CSU ist dafür

Für die Pläne von Schrannen-Chef Hans Hammer, den Feinkost-Käfer möglichst bald durch einen Simmel-Supermarkt mit Edeka-Sortiment zu ersetzen, sieht es nicht gut aus – nach einem ersten Meinungsbild wird es wohl keine Mehrheit im Stadtrat dafür geben!

Die tz fragte bei den großen Fraktionen nach. Und: Nur CSU-Fraktionschef Hans Podiuk befürwortet die Pläne seines Parteifreunds Hammer, der auch Schatzmeister der Münchner CSU ist. Podiuk: „Ich halte den Supermarkt für durchaus möglich, wenn es eine verträgliche Lösung zwischen Schranne und Viktualienmarkt gibt.“ Es müsse Einschnitte beim Sortiment geben, vor allem bei Frischware.

Genau das hält SPD-Fraktions-Chef Alexander Reissl für unmöglich: „Ein Supermarkt und der Viktualienmarkt passen nicht zusammen – beide verkaufen Lebensmittel.“ Reissl fürchtet, dass Standl schließen müssten, falls der Simmel kommt. „Wir bräuchten eine Non-Food-Lösung wie einen Manufactum oder Mode.“ Auch Grünen-Fraktions-Chefin Gülseren Demirel ist skeptisch: Sie verweist wie Reiter auf Verkehrsprobleme und die Konkurrenz zum Viktualienmarkt.

Hammer bleibt gelassen: „Sollte der Stadtrat die Pläne ablehnen, könnten wir dem Wunsch Käfers, die Halle zu verlassen, nicht entsprechen. Wir haben einen Mietvertrag, der noch rund sieben Jahre lang läuft.“

J. Welte, U. Heichele

Das sagen die Standl-Leute vom Viktualienmarkt

Eine Sache für die Stadt!

Der Viktualienmarkt ist doch das Herzstück der Stadt – deshalb gehört die Schrannenhalle meiner Meinung nach nicht in die Hände eines Investors, sondern in die Hände der Stadt. Ich bin gegen einen solchen Supermarkt. Und ich empfinde die jetzige Situation auch als eine Art letzten Hilferuf.

Klaus Truebenecker (53), Obst

Ich bin dagegen

Ich finde, die Stadt muss sich jetzt mehr um die Marktkaufleute kümmern als um die Interessen eines Investors. Ich bin gegen die Pläne, einen Supermarkt mit Frische-Angebot zu schaffen.

Elke Fett (70), Trockenblumen & ­Geschenke, Sprecherin der Marktkaufleute

Pacht runter!

Zuallererst mal finde ich es schade, dass Käfer raus will. Es fragt sich, ob sich jemand anderer halten kann. Ich glaube aber: Bei niedrigerer Pacht könnte man da auch kleinere Standl betreiben.

Elisabeth Teltschik (69), Würstlstand

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