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„Gegen Verdrängung von obdachlosen Menschen“: Gruppe schreitet in Münchens Zentrum zur Tat

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Von: Lukas Schierlinger

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Sie werfen der Deutschen Bahn vor, herzlos gegenüber Obdachlosen zu agieren. Deshalb wurde eine Gruppe in München aktiv.

München - „Defensive Architektur“ knöpften sich die Aktivisten am S-Bahnhof Marienplatz vor. Im Zentrum standen Bänke für wartende Fahrgäste, die die Deutsche Bahn dort positioniert hat; Menschen in Arbeitskleidung schraubten deren Armlehnen am Dienstag (17. Januar) kurzerhand ab. Die Motivation der „spontan zusammengeschlossenen Gruppe“ war, so „auf die Verdrängung von obdachlosen Menschen aufmerksam zu machen“. Kurzerhand seien so 23 Schlafplätze entstanden.

„Die Armlehnen verhinderten bisher, dass Menschen auf den Bänken übernachten können“, lautete der Vorwurf in einem anonymen Statement der Aktivisten, die unter dem Slogan „Wir lassen uns nicht verdrängen“ firmieren. Im Dezember 2022 hatte die Zweite Bürgermeisterin Katrin Habenschaden (Grüne) bei einem Besuch die Situation von Münchens Obdachlosen beleuchtet.

An S-Bahnhof in München: Aktivisten schrauben Armlehnen ab

Die Deutsche Bahn hatte die Armlehnen im Zuge von Modernisierungsmaßnahmen in vielen unterirdischen S-Bahnhöfen Münchens installiert. Dass damit Obdachlose abgeschreckt werden sollen, hat das Unternehmen naturgemäß nicht offiziell bestätigt.

Sitzbänke am Marienplatz
Aktivisten bei ihren „Umbaumaßnahmen“ am Münchner Marienplatz. © Wir lassen uns nicht verdrängen

In einer Broschüre des Stadtmobiliar-Anbieters Metdra, aus der auch die Aktivisten zitieren, heißt es allerdings: „Die optionalen Armlehnen ermöglichen ein leichtes Aufstehen und verhindern gleichzeitig den Missbrauch zum Liegen.“ Metdra wirbt auf der unternehmenseigenen Homepage mit der Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn.

„Verdrängung von obdachlosen Menschen“: Gruppe erhebt Vorwürfe gegen Deutsche Bahn

„Statt darauf zu warten, dass Parteien unsere Probleme lösen, nehmen wir die Dinge selbst in die Hand“, erklärte die für die Aktion am Marienplatz verantwortliche Gruppe in einer Presseaussendung. Und weiter: „Bei unserer Aktion geht es nicht nur um die einzelnen Bänke. Es braucht ein Umdenken zur Frage, wie wir als Gesellschaft mit Obdachlosigkeit umgehen wollen. Wir denken, dass nicht die Menschen, welche durch diese Architektur verdrängt werden sollen, das Problem sind. Es sind die Zustände, in denen sie leben müssen, die falsch sind.“

Pro Bank ließen die Aktivisten je eine einzelne Armlehne stehen, „dadurch konnten Nutzer, die darauf angewiesen sind, sie weiter zum Hinsetzen oder Aufstehen nutzen“. Eine offizielle Reaktion der Deutschen Bahn zur Aktion am Marienplatz war zunächst nicht zu vernehmen. (lks)

Ein Foto auf Twitter sorgt derzeit für große Diskussionen im Netz. In einer Sparkassen-Filiale in München wurden Eisen-Spitzen gegen Obdachlose angebracht.

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