Paulaner im Tal

Nach dreistem Schankbetrug: Kellnerin klagt zurück

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Das Restaurant Paulaner im Tal.

München - Eine Kellnerin und fünf Komplizen sollen beim Paulaner im Tal 50.000 Halbe Bier in die eigene Tasche gezapft haben. Der Frau wurde gekündigt. Nun beschwerte sie sich beim Arbeitsgericht - mit einer Klage gegen den Wirt.

Es ist der Albtraum jedes Gastronomen: Angestellte, die hintenrum in die eigene Tasche wirtschaften. Gleich sechs davon hatte Putzi Holenia in seinem Paulaner im Tal stehen – und wusste nichts davon (tz berichtete). Um statte 200.000 Euro sollen zwei Frauen und vier Männer den Promiwirt und seine Tochter Natalie betrogen haben. Am Montag klagte nun eine der Diebes-Damen vor dem Arbeitsgericht. Weswegen? Weil ihr wegen dem Diebstahl gekündigt worden war.

Die Bedienung namens Susanne M. arbeitete fast 20 Jahre für Holenia. Und am Montag legte sie zusammen mit ihrer Schwester einen filmreifen Auftritt vor Gericht hin. „Noch ist nichts bewiesen!“, schrie sie. Während der Richter die Gegenseite befragte, äffte sie die Antwortenden frech nach. „Da ich noch nicht verurteilt bin, kann man mir doch nicht kündigen!“, betonte sie.

50.000 Halbe verkauften die Angestellten und kassierten selbst

Bei dieser Aussage stutzte auch der Richter. „Bei den Vorwürfen gegen Sie, da würde jeder kündigen“, stellte er nüchtern fest. Immerhin fand die Polizei 36.000 Euro Bargeld bei der Bedienung. Zudem hatte sie sich offenbar einen neuen BMW gekauft. Der Wert: 27.000 Euro. Dieser wurde beschlagnahmt.

Putzi Holenia mit seinen Anwälten Sebastian Gutsch und Claus Eisenmann.

Bei der Verhandlung kam am Montag auch raus, wie es die diebische Gang angestellt hatte, Bier auszuschenken und selbst abzukassieren. Es gibt im Paulaner im Tal nämlich eine Zapfsäule, die erst freigeschaltet ist, wenn das Bier boniert ist. Nur die Langfinger hatten etwas entdeckt: die Schaumtaste. Hier darf man jederzeit draufdrücken, um dem Bier am Schluss die perfekte Krone zu verpassen. Tut man dies hingegen rund 15 Mal hintereinander, bekommt man selbst eine Halbe zusammen. Und so verkauften die Angestellten in regelmäßigen Abständen ihr „eigenes Bier“. 50.000 (!) Halbe kamen über die Jahre zusammen.

Wirt Putzi Holenia will einen Großteil der 63.000 Euro zurückhaben

Als die Polizei davon Wind bekam, installierte sie eine Überwachungskamera. Laut den Ermittlungsakten wurde alleine Susanne M. 17 Mal dabei gefilmt (innerhalb von zwei Tagen), wie sie eine Halbe per Schaumtaste „baut“ und verkauft.

Und nun klagt diese Dame gegen ihre Kündigung? Da konnte auch der Richter nur den Kopf schütteln: „Wenn diese Vorwürfe stimmen, dann ist das hier vor dem Arbeitsgericht eine schwierige Situation“, versuchte er der Klägerin am Montag vorsichtig klar zu machen. Zudem wäre es klug, beim nächsten Termin im Februar einen Anwalt mitzubringen, fügte er an.

Und nun? Holenia hofft auf eine Einigung. Er will zumindest einen Großteil der 63.000 Euro zurückhaben. Die Kündigung steht natürlich. „Ich bin einfach enttäuscht. Das ist dreist, so ein Verhalten“, sagte Putzi. „Aber immerhin ist nicht der Gast beschissen worden, sondern ich.“

Der Strafprozess gegen alle sechs Schankbetrüger steht noch aus.

Armin Geier

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