Wirtin: "Es ist eine große Enttäuschung"

Paulaner im Tal um mehr als 200.000 € geprellt

+
Sie ist tief enttäuscht: Paulaner-Juniorwirtin Natalie Zarazik.

München - Sechs Angestellte des „Paulaner im Tal“ haben über viele Jahre hinweg den Wirt und dessen Familie um mehr als 200.000 Euro betrogen. Zum finanziellen Verlust kommt die menschliche Enttäuschung.

Sie wurden niederträchtig hintergangen. Von langjährigen Mitarbeitern, denen sie bedingungslos vertrauten und die doch fast schon zur Familie gehörten: Sechs Angestellte – zwei Frauen (64 und 38 Jahre) und vier Männer (43, 38, 34 und 31 Jahre) des altehrwürdigen Wirtshauses „Paulaner im Tal“ haben über viele Jahre hinweg gemeinsame Sache gemacht und den Wirt Putzi Holenia und dessen Familie um mehr als 200.000 Euro betrogen. Ein Schwund, der rund 60.000 (!) Weißbieren entspricht, über den langen Zeitraum jedoch nicht weiter auffiel.

Putzi Holenia, seine Frau Ingrid und die Tochter – Junior-Chefin Natalie Zarazik – wurden erst am Mittwoch von der Polizei informiert, dass sie Opfer eines großangelegten Betruges innerhalb der eigenen Belegschaft geworden sind. „Wir sind aus allen Wolken gefallen“, erklärte Natalie Zarazik am Donnerstag sichtlich betroffen. „Es ist eine große Enttäuschung und wir müssen hier vieles neu organisieren.“

Vorangegangen waren mehrwöchige Ermittlungen des Betrugs-Kommissariates. Wie die Information an die Polizei gelangte, ist Ermittlungsgeheimnis. Möglicherweise war es auch ein (anonymer) Hinweis eines Insiders. Zu den Stammgästen in dem Traditions-Wirtshaus gehören auch viele Münchner Polizisten. In den Fokus gerieten rasch die vier Kellner, ein Lagerist und ein Restaurant-Fachmann. Die 64-Jährige ist mittlerweile bereits in Rente. Am Mittwoch durchsuchte die Polizei zeitgleich fünf Privatwohnungen in München und ein Haus in Oberbayern. Dabei wurde auch Bargeld gefunden. Zudem beschlagnahmte die Polizei Autos, die mit dem Betrug finanziert wurden.

Ob die Paulaner-Connection ausschließlich Getränke aus den Beständen des Wirtshauses an der Kasse vorbei verkaufte oder selbst auch heimlich eigene Getränke einschleuste, ist noch unklar. Zwei Beschuldigte – der Restaurantfachmann (31) und der Lagerist (34) – sind bereits polizeibekannt wegen Betrugs, Diebstahls bzw. Drogendelikten. Alle sechs wurden vernommen und sind wieder frei. Einige haben bereits gestanden. Keiner von ihnen erschien am Donnerstag mehr zur Arbeit: Natalie Zarazik: „Die haben sich fast alle krank gemeldet.“

So können sich Wirte schützen

Über 200.000 Euro Schaden, weil Kellner Getränke an der Kasse vorbeigeschleust haben! „Da steckt jede Menge krimineller Energie dahinter, die einen großen wirtschaftlichen Schaden für den Wirt zur Folge haben kann“, bestätigt Wiesn-Wirt Michael F. Schottenhamel (Schottenhamelzelt). In den meisten Restaurants regeln es die Wirte so, dass die Kellner nur gegen Bons Getränke an der Schänke abholen können. Bier gegen Bon – und das sollte streng kontrolliert werden. Michael F. Schottenhamel: „Eine Garantie gibt es nie. Man kann nur raten: Aufpassen, aufpassen, aufpassen!“

Auf der Wiesn übrigens sei ein solches Vorkommnis quasi unmöglich. Hier kaufen die Bedienungen im Vorfeld die Bierzeichen, die sie dann bei Bestellung gegen die Getränke einlösen. Schottenhamel: „An der Schänke kontrolliert der Schankkassier, dass der Kellner seine Bierzeichen gegen die Ware auch tatsächlich hergibt.“

Dorita Plange, CMY 

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

MVG-Offensive: So soll der Nahverkehr besser werden
MVG-Offensive: So soll der Nahverkehr besser werden
Bus-Streik in München: Das erwartet Fahrgäste am Dienstag
Bus-Streik in München: Das erwartet Fahrgäste am Dienstag
Miriams Samen-Streit vor Gericht: Jetzt herrscht wohl Gewissheit
Miriams Samen-Streit vor Gericht: Jetzt herrscht wohl Gewissheit

Kommentare