Zwischen Tal und Viktualienmarkt

Pflaster-Pfusch! Sie ist das erste Opfer

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Rosemarie G. (56) nimmt den gefährlichen Pflasterstein heraus, der sie zum Stürzen brachte.

München - Erst am Donnerstag berichteten wir Ihnen von verschobenen und zerbröselten Pflaster-Platten zwischen Tal und Viktualienmarkt – obwohl sie ganz neu verlegt worden waren. Ein paar Schritte weiter, im Hinterhof vom Bratwurst Glöckl am Dom, wurden wir am Samstagmittag Zeuge vor Ort:

Ein älterer Pflasterstein war so lose, dass er beim Draufsteigen einfach kippte – und Rosemarie G. der Nase und Länge lang auf den harten Boden aufprallte. Sie hatte keine Chance.

Ihre Hand hat eine tiefe Schnittwunde, ihr Knie schmerzt.

„Ich falle eigentlich nicht leicht, bin nicht gebrechlich und gehe gerne in die Berge“, sagt die 56-jährige Buchhändlerin nach dem ersten Schock. Sie hat sich eine tiefe Schnittwunde an der rechten Hand zugezogen, außerdem schmerzt ihr Knie so stark, dass sie kaum auftreten kann. „Man sieht ja nicht, dass der Stein lose ist. Wenn er uneben wäre, dann steigt man halt drüber. Aber so: Ich bin der Länge nach auf die Nase gefallen, konnte absolut nichts mehr machen. Das ist doch bescheuert!“

Zum Glück waren Passanten vor Ort, die Pflaster besorgten und Rosemarie G. wieder auf die Beine halfen. Sie setzt sich erst einmal hin und bestellt eine Cola. So langsam beruhigt sich das Opfer, und sie erzählt: „Ich habe früher schon Falltrainings absolviert, im Verbund mit dem Inline-Skaten. Aber das hier ging alles so schnell. Ich war völlig hilflos.“

Passanten helfen der tapferen Dame

Besonders tröstlich ist übrigens nicht, was ein Angestellter der Münchner Brotzeit am Dom zum Besten gab: „Das passiert hier drei Mal am Tag.“ Umso dringlicher fordert Rosemarie G. das Baureferat auf, schleunigst zu handeln: „Bitte tut sofort was! Bevor noch Schlimmeres passiert!“ Wie schwer G. am Knie verletzt ist, steht noch nicht fest. Umso mehr fest steht, dass sie sich den Heimweg mit dem Radl sparen kann und sich ein Taxi nimmt. „Das soll die Stadt zahlen“, sagt sie. „Meinen Ausflug in die Berge, den ich morgen machen wollte, kann ich abblasen.“ Auf ihren abendlichen Besuch wollte sie allerdings nicht verzichten: „Ich habe mir Gäste eingeladen und serviere Glücksrollen – nicht gerade passend – ich weiß –, dann Satespieße und ein Sahne-Joghurt-Parfait mit Limetten und Erdbeeren.“

Und dann muss Rosemarie G. plötzlich lachen. Zum einen, weil sie sich dran erinnert, dass sie gerade Bergschuhe gekauft hat und diesen vermaledeiten Schleichweg nie zuvor gegangen ist. Und zum anderen, weil genau in dem Moment hinter ihr der Wiesn-Schichtl vorüberging. Zum Glück ist Rosemaries Kopf noch dran.

Pflaster-Pfusch im Tal!

M. Bieber

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