Stadt will lieber teuer sanieren

Pilotystraße: Wir wollen renovieren und einziehen

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Die Mitglieder von „el caracol“ würden das Haus in der Pilotystraße sanieren, wenn sie dort einziehen dürfen.

München - Seit der kabarettistischen Hausbesetzung des vom Sozialreferat verwalteten Hauses kommt der beinahe komplett leerstehende Altbau im Lehel nicht aus den Schlagzeilen.

Kehrtwende im Sozialreferat: Dank eines Griffs in die Finanz-Trickkiste will die Stadt dafür sorgen, dass die künftigen Wohnungen im Sanierungshaus Pilotystraße 8 für die ersten 20 Jahre doch nicht so teuer ausfallen wie geplant – und das trotz 2,9 Millionen Euro Sanierungskosten. Dabei gäbe es eine Wohngruppe, die das Haus auf eigene Kosten renovieren würde.

Seit der kabarettistischen Hausbesetzung des vom Sozialreferat verwalteten Hauses kommt der beinahe komplett leerstehende Altbau im Lehel nicht aus den Schlagzeilen. Das Sozialreferat will Balkone an-, einen Lift ein- und das Dachgeschoss ausbauen. Damit wäre die Quadratmeter-Miete auf über 13 Euro gestiegen.

„Das ist Luxussanierung“, schimpfte die Rathaus-CSU. Dem OB-Kandidaten der SPD, Dieter Reiter, trieb es die Zornesröte ins Gesicht, seine Parteifreundin und Sozialreferentin Brigitte Maier musste ihre Hausaufgaben noch mal machen. Gestern stand in der Rathaus-Umschau das Ergebnis, das heute im Stadtrat beschlossen werden soll: Das Haus soll wie geplant saniert, die Wohnungen auf 20 Jahre für 6,50 bis 10 Euro vermietet werden, die jetzige Mieterin und eine, die erst vor kurzem auszog, dürfen wieder einziehen und zahlen so viel wie bisher bzw. nur ein wenig mehr.

Stadt lehnt Vorstoß der Gruppe ab

Für den Ausgleich des Mietverlustes soll die Stiftung, der das Haus gehört, ein zins- und tilgungsfreies Darlehen bekommen – also einen Gratis-Kredit. Die Rathaus-CSU, die eine Billig-Sanierung für 800 000 Euro forderte, hält das für bedenklich. Fraktionsvize Hans Podiuk: „Wenn dieses vom Sozialreferat vorgeschlagene Modell vom Stadtrat beschlossen wird, müssen natürlich auch alle privaten Eigentümer die Möglichkeit haben, ein entsprechendes zins- und leistungsfreies Darlehen zu erhalten.“

Unteredessen bewirbt sich eine Wohngruppe namens el caracol (spanisch: Schnecke) für das Haus in der Pilotystraße: „Wir suchen ein Haus für ein generationsübergreifendes integratives Wohnprojekt. Wir beabsichtigen dafür, ein leerstehendes städtisches Wohnhaus zu sanieren und in Selbstverwaltung zu übernehmen.“ Sozialreferentin Maier schrieb el caracol bereits zurück, die aktuellen Planungen in der Pilotystraße stünden dem Ansinnen entgegen, vielleicht finde sich eine Alternative…

Johannes Welt

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