Prozess nach Raub am Viktualienmarkt

Blut am Angeklagten stammt noch vom Überfall

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Nikola J. vor Gericht: Die Blutflecken an seiner Kleidung sind noch sichtbar, auch am Sakko.

München - Am Montag musste sich ein 37-Jähriger in Folge eines Überfalls am Viktualienmarkt vor Gericht verantworten. Unglaublich: Er trug blutbefleckte Kleidung!

Als Räuber hatte es sich Nikola J. leicht vorgestellt: Rein mit der Pistole, diese effektvoll durchladen, die Leute im Juweliergeschäft in Angst versetzen. Der Komplize zerschlägt unterdessen mit einem Vorschlaghammer die Vitrinen, rafft die Beute zusammen und Tschüss! Der 37-jährige Serbe geriet jedoch am 23. Juni in der Goldstube am Viktualienmarkt an die Falschen: Mit einer klaffenden Wunde am Kopf durfte die Polizei ihn nur noch vom Gehweg aufklauben. Und mit seiner blutbefleckten Kleidung wurde er am Montag in den Gerichtssaal geführt!

Blaues Sakko, weißes Hemd, helle Hose: Gekleidet wie ein Dandy und getarnt mit Perücke und Brille war Nikola J. an jenem Juni-Tag um 12.12 Uhr in das Geschäft gestürmt. „Get down, get down!“, schrie er den Ladenbesitzer Marco H. (49), dessen Sohn Moritz (21) und dessen zufällig anwesenden Cousin Marco (40) an. Während der Angeklagte nervös mit der silberfarbenen Pistole (7,65 mm) herumfuchtelte, stürmte der mit Motorradhelm getarnte und Vorschlaghammer ausgerüstete Komplize in den Laden.

Dann ging dann alles schnell. „Ich wollte mich schützend vor meinen Sohn stellen“, berichtet Ladenbesitzer Marko H. als Zeuge. Dafür nahm er das Risiko in Kauf, dass der Räuber auf ihn schießt. „Dann hat mir der zweite Täter mit dem Vorschlaghammer in den Rücken geschlagen.“ Marco H. griff in diesem Moment nach der Waffe, die auf den Boden fiel.

Ein Foto vom Polizeieinsatz im Juni.

Der Hammer-Mann, der schon Uhren für von 57 000 Euro eingesackt hatte, schlug um sich und verletzte seine Opfer dabei erheblich. Dann warf er den Hammer weg, rannte davon. Auch Nikola J. wollte flüchten, doch diesem warf Moritz H. den Vorschlaghammer ins Kreuz! Er stürzte mit dem Kopf voran gegen den Rinnstein. Mit blutübertrömtem Schädel musste der Räuber ärztlich versorgt werden.

„Nach außen hin erscheint es mutiger, als es wirklich war“, so der Juwelier Marco H. als Zeuge. „Ich wollte dem Täter die Pistole entwinden, um meinen Sohn zu schützen. Moritz leidet noch unter dem Überfall.“

Warum trägt der Angeklagte noch die blutigen Klamotten? Er sagt: „Ich habe keine anderen.“

Urteil am Mittwoch.

E. Unfried

Er verrät Komplizen nicht

Während Nikola J. für den Raubüberfall auf die Goldstube mit einer Mindeststrafe von fünf Jahren Haft rechnen muss, gelang seinem Komplizen die Flucht mit einem Motorroller. Den Namen des Gangsters will der Angeklagte nicht verraten. „Aus Angst“, so sein Anwalt Christian Gerber. Was hätte er mit der Beute vorgehabt? Auf die Frage des Vorsitzenden Max Boxleitner sagt der Angeklagte: „Teilweise meine Schulden begleichen.“ An wen? Auch darüber schweigt Nikola J., der in Serbien eine Wechselstube betrieb. Er hat Schussnarben in den Beinen. Von wem? Darüber redet er nicht.

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