Anwohner haben besondere Idee

Die rechten Islam-Hetzer stehen im Abseits

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Polizisten eskortierten den Bagida-Marsch in Richtung Stachus.

München - Die Münchner setzten ein klares Zeichen mit den Gegen-Demos am Montagabend. Am Weißenburger Platz ließen sich Anwohner etwas Besonderes einfallen.

Eine Stunde vor dem eigentlichen Beginn waren die ersten Bagida-Anhänger, dem bayerischen Ableger der Pegida, zum Straßenbahnrondell am Sendlinger Tor gekommen.

Es waren teilweise ältere Ehepaare, die sich schüchtern den Weg durch die dicht gestaffelten Polizeireihen bahnten. Das Bild vom Bürger, der sich um das Abendland sorgt, änderte sich jedoch kurz vor Veranstaltungsbeginn um 18.30 Uhr.

Eine von wenigen Handgreiflichkeiten vor dem Bagida-Abgang am Stachus

Unter den Gstanzln der Well-Brüder strömten immer mehr Teilnehmer auf das Rondell, die offensichtlich dem rechtsextremen Lager zuzuordnen waren. Glatzköpfige Männer mit Springerstiefeln. In der einen Hand eine Flasche Bier und den Mittelfinger herausgestreckt. Spätestens als der bekennende Neonazi Philipp Hasselbach (27) sich unter die Demonstranten mischte, war es nicht mehr zu übersehen: Hier demonstrieren eben nicht besorgte Münchner, sondern ganz unverhohlen rechtsextreme Netzwerke.

Als dann die ersten „Wir sind das Volk“-Rufe vom Trambahnrondell am Sendlinger Tor ertönten, schallten sofort „Nazi raus“-Rufe aus den Reihen der „Platz-da!“-Demo zurück. Die Auftaktreden wurden lautstark von einem Trillerpfeifenkonzert begleitet.

Gegen 19 Uhr setzte sich der Bagida-Zug in Richtung Stachus in Bewegung. Entlang der Strecke kam es vereinzelt zu Durchbruch-Versuchen von Gegendemonstranten. Es flogen auch ein paar Leuchtraketen. Insgesamt wurden drei Polizisten leicht verletzt, es gab sechs Festnahmen.

„Alles in allem sind wir mit dem Verlauf aber zufrieden“, sagte Polizeisprecher Wolfgang Wenger.

Um kurz vor 20 Uhr wurden die Bagida-Demonstranten unter Polizeischutz über den Abgang am Kaufhof zur S-Bahn geleitet.

Muegida geht unter

Einen Spießrutenlauf haben am Montag die rund 25 Anhänger von Muegida erlebt, die sich in Haidhausen am Weißenburger Platz versammelt hatten und zu einem „Spaziergang gegen die Islamisierung“ aufbrachen. Schon bevor sich der Zug in Gang gesetzt hatte, war klar: Auch an diesem Tag und auch in Haidhausen werden die Gegendemonstranten in der Überzahl sein. Eine Woche zuvor war Muegida am Sendlinger Tor an der Gegendemo gescheitert.

Dem Veranstaltungsleiter und Ex-Generalsekretär der Mini-Partei „Die Freiheit“, Thomas Weiß, schallten jetzt Zurufe wie „Nazis raus!“ und „München ist bunt!“ entgegen. Mehr als 150 Menschen gingen für die Toleranz auf die Straße. Etwas Besonderes hatten sich Thomas Quetschlich sowie seine Freunde Petra Renner und Dietmar Koch einfallen lassen. Der Psychotherapeut, der am Weißenburger Platz eine eigene Praxis betreibt, brachte ein 20 Meter langes Transparent mit dem Spruch „Menschlichkeit ist keine Frage der Religion“ an seiner Fassade an – später zeigten sie das Banner auch auf der Straße. Quetschlich: „Wir kämpfen für Toleranz und Respekt.“

JAM/Johannes Heininger

 

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