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Ruffinihaus

Renovierung: Läden müssen jahrelang raus

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Das Ruffinihaus soll renoviert werden.

München - Weil das Ruffinihaus zwischen Rindermarkt und Sendlinger Straße renoviert werden soll, müssen viele kleine Läden für mehrere Jahre raus. Die Sorge bei den Mietern ist groß.

Es gibt sie noch, die kleinen Läden in der großen Stadt, wo der Herr Goldschmied seine Kundin mit Namen grüßt und ihr beim Hinausgehen die Tür aufhält. Das Ruffinihaus ist so ein Ort. Die Stadt beherbergt hier zwischen Rindermarkt und Sendlinger Straße 21 Läden, darunter ein Antiquariat, einen Herrenausstatter, ein Elektrofachgeschäft und das spanische Fruchthaus. Ein Biotop im Meer der Immobilienhaie – noch. Ab 2017 soll zwei Jahre lang saniert werden. Alles muss raus – auch die Mieter (Beispiele unten). Für sie gehen also zumindest zwischenzeitlich die Lichter aus. Wie geht es dann weiter? „Wann genau saniert wird und wie lang das dauert, ist noch ungewiss“, sagt Bernd Plank vom Kommunalreferat. Erst einmal müsse man sich im Juli den Projektauftrag vom Stadtrat einholen. „2016 werden wir den Mietern kündigen, ihnen aber eine Rückkehroption anbieten“, verspricht Plank. Was er außerdem versprechen kann: „Die Mieten werden steigen. Sie werden aber immer noch deutlich günstiger sein als im Umfeld.“ Der politische Wille, die kleinen Läden und die Vielfalt zu erhalten, sei da. Aber: „Unsere Mieter sind Geschäftsleute. Die wissen, dass die Stadt nicht ihr wirtschaftliches Risiko übernehmen kann …“

T. Scharnagl

Juwelier: Überbrückung noch unklar

Auf der Tür steht „Hans Opel, Juwelier und Goldschmiedemeister seit 1906“. Als die Dame den Laden verlässt, sagt sie zum Abschied: „Auf Wiedersehen, Herr Opel!“ Herr Opel lächelt nachsichtig. In Wirklichkeit heißt er nämlich gar nicht Herr Opel, sondern Bernd Janich. Er hat Namen und Geschäft vor 33 Jahren übernommen und führt die über 100-jährige Tradition bis heute fort. Der 58-Jährige zahlt für seine gut 20 Quadratmeter 3000 Euro Miete und sagt: „Wäre das Haus in Privatbesitz, wären es leicht 15 000 Euro.“ Vor der Zukunft hat er keine Angst: „Wer wieder rein will, darf wieder rein.“ Wie er die zwei Jahre überbrücken wird, weiß er nicht. „Ich warte ab, bis die Sanierung beschlossen ist.“ Viele Schmuckstücke macht er selbst, „die kann ich nicht in Containern ausstellen“. Wird tatsächlich bald saniert, kalkuliert er mit 250 000 Euro: „Möbel, Alarmanlage, Sicherheitsglas: alles neu.“

Buchhändler in Sorge

Seit mittlerweile 37 Jahren verkauft und sammelt Eugen Hillenbrand in seinem Laden Bücher. ­Inzwischen türmen sie sich bis unter die Decke. Nun fürchtet der 75-Jährige, dass auch die Kosten für den Auszug, den Wiedereinzug und die Neueinrichtung in den Himmel wachsen könnten. „Wenn zwei Jahre gebaut wird, ist das für uns ein absoluter Bruch der Existenz“, sagt Hillenbrand und fragt sich: „Kann ich all das finanzieren?“ Und er hat noch mehr Fragen: „Wo sollen wir denn hin in der Zwischenzeit?“ Dabei seien einige Vorschläge durchaus interessant: „Container auf dem Rindermarkt: gut. Ein Laden im Stadtmuseum: noch besser. Ich würde sogar als fliegender Händler arbeiten!“ Aber Hillenbrand denkt noch weiter in die Zukunft. Er hofft, dass ihm die Stadt bei der Nachfolgeregelung entgegenkommt: „Falls ich das nicht allein stemmen kann, brauche ich junge Verstärkung. Dazu muss ich wissen, wie lange ich noch bleiben kann.“

Herrenausstatter: „Vergesst uns nicht!“

„Sanierungspläne gibt es seit 2008“, sagt Rudolf Kapfhammer (48), Chef des Herrenausstatters Hillenbrand. „Seitdem leben wir in Sorge. Ich hatte das Gefühl, dass die Stadt uns raushaben will.“ Nicht nur die Sorge um die eigene Existenz raubte ihm den Schlaf, „ich musste auch an die Angestellten denken, an Familie und Kinder.“ Vor drei Wochen gab’s ein Treffen mit Vertretern der Stadt, nun kann Kapfhammer wieder ruhiger schlafen. „Sie haben versichert: Wir nehmen Rücksicht auf euch!“ Mit der Kündigung soll ein neues Vertragsangebot kommen. „Das haben sie schriftlich zugesichert.“ Seine Anzüge in Zukunft anderswo zu verkaufen, kann er sich nicht vorstellen. „Uns gibt es seit 1933, ich selbst habe vor 34 Jahren hier beim Vater angefangen.“ Und die Bauphase? „Die Kunden dürfen uns nur nicht vergessen …“

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