Mütter und Rollstuhlfahrer

S-Bahnstation Isartor: Ohne Aufzug in der Falle

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Virginia Sambol ist am Isartor manchmal auf die Hilfe anderer Münchner angewiesen, wenn die Rolltreppe ausgefallen ist. Dann muss sie den Kinderwagen hinauftragen. Oder sie muss eine Station weiterfahren und zurücklaufen.

Am Isartor ist der einzige S-Bahnhof auf der Stammstrecke ohne Aufzug. Mütter und Rollstuhlfahrer stranden hier häufig in einer Falle.

München - Die zweifache Mutter Virginia Sambol (33) steigt aus einer S-Bahn am Isartor. Sie kommt vom Einkaufen, wohnt ganz in der Nähe und muss nun an die Oberfläche. Ihr Kind ist motzig, will nicht im Kinderwagen sitzen. Gehen kann es noch nicht. Also Kind in den Arm, Windelpackung in den Kinderwagen und ab Richtung Rolltreppe. Dort erwartet Sambol ihr alltäglicher Balanceakt, denn einen Aufzug zum Sperrengeschoss oder zur Oberfläche gibt es nicht. Die S-Bahn-Haltestelle Isartor ist für Eltern mit Kinderwagen, für Gehbehinderte mit Rollator oder Menschen mit Krücken und Rollstuhlfahrer eine Mobilitätsfalle.

Sambol schiebt den Wagen vorsichtig auf die rollenden Stufen und muss sich dagegen lehnen, damit er nicht zurückrutscht. Das Kind wird immer schwerer. 20 quälende Sekunden dauert die Fahrt bis zum Sperrengeschoss. „Ich bin froh, dass die Rolltreppe heute funktioniert.“ Das ist nicht immer so. „Es kam schon vor, dass ich mit meinen beiden Kindern weiterfahren musste bis zum nächsten Halt Rosenheimer Platz, weil am Isartor alle Rolltreppen standen“, sagt Sambol. Dann läuft sie die eine Station bis nach Hause zurück, „etwa zehn Minuten“.

Warum gibt‘s am Isartor keinen Aufzug?

Warum es am Isartor noch keinen Aufzug gibt? Eine befriedigende Antwort bleibt die Bahn auf Anfrage unserer Zeitung schuldig. Seit Längerem plant man dort offenbar einen Lift. Doch bis er fertiggestellt wird, dauert es noch bis mindestens Ende 2020. „Bevor der Aufzug eingebaut werden kann, erhält die Tunnelstation Isartor zunächst eine Entrauchungsanlage“, teilte ein Bahn-Sprecher mit. „Die Arbeiten dafür sollen 2019 beginnen. S-Bahn-Fahrgäste wie Sambol müssen sich also noch mindestens zweieinhalb weitere Jahre gedulden – und viel schleppen. Doch wie soll sich zum Beispiel ein Rollstuhlfahrer derzeit verhalten, wenn er am Isartor nach oben möchte? Auch diese Frage ließ der Bahn-Sprecher unbeantwortet. Stattdessen teilte er per Mail mit: „Sukzessive sind alle Stationen an der S-Bahnstammstrecke barrierefrei ausgebaut worden, zuletzt die Station Donnersbergerbrücke im Jahr 2014, davor Pasing und Ostbahnhof.“ Als letzte Station an der Stammstrecke erhalte auch die Station Isartor einen Aufzug. „Wirklich schnell geht das ja nicht“, sagt Virginia Sambol dazu.

So viele der 100 U-Bahn-Stationen sind barrierefrei

Ein Sprecher der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) ist etwas auskunftsfreudiger: „Früher dachte keiner an Barrierefreiheit im sonstigen öffentlichen Raum. Die Sensibilität dafür ist schlichtweg mit den Jahren gestiegen.“ U-Bahn-Stationen waren bis vor einigen Jahren ebenfalls nicht allesamt barrierefrei. München hat einhundert U-Bahn-Stationen. An 96 davon gibt es Aufzüge. Die restlichen sind barrierefrei oder über Rampen erreichbar. Ist man auf Rampen oder Aufzüge angewiesen, empfiehlt der MVG-Sprecher ein kleines bisschen Vorausplanung. Schließlich kann man nicht immer vorhersehen, ob an einem Bahnsteig eine Sanierung ansteht. Der MVG-Sprecher weist auf die Internetseite www.mvg-zoom.de hin. „Dort sind alle Rolltreppen und Aufzüge mit ihrem aktuellen Betriebsstatus verzeichnet“, sagt er und empfiehlt zudem die Smartphone-App „MVG Fahrinfo München“ und die Seite www.mvg.de/liftbaustellen.

Für Gestrandete wie Sambol hat er einen Tipp: „Wenn man erst am Bahnsteig feststellt, dass ein Aufzug nicht funktioniert, kann man sich über den Inforuf an unseren MVG-Notfallsäulen über alternative Wege informieren.“

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebookseite „Altstadt/Lehel – mein Viertel“.

von Hüseyin Ince

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