Diese Tat ist ekelhaft

Schande! Ausstellung vor Synagoge beschmutzt

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Alt-OB Christian Ude, Ex-Bundespräsident Horst Köhler und Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber, sowie seine Frau Karin mit den Schandflecken.

München - Entsetzen in der israelitischen Kultusgemeinde: Teile der Ausstellung "Jüdisches Leben in München gestern & heute" auf dem Sankt-Jakobs-Platz wurden übers Wochenende von bisher Unbekannten verschandelt.

Heinrich Thannhauser, dessen Kunstsammlung heute in New York zu sehen ist.

Mit Zigaretten haben die Täter Hitler-Bärte in die Gesichter der abgebildeten Personen, darunter hochrangige Politiker und höchste Rabbiner, gebrannt. Unter den „Opfern“ befindet sich neben Alt-Oberbürgermeister Christian Ude, Ex-Bundespräsident Horst Köhler und dem ehemaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber auch der Schwager von Gemeinde-Präsidentin Charlotte Knobloch, Roman Knobloch. Die Verunstaltungen waren am Montag einer Polizei-Streife aufgefallen, die dann die Gemeinde informierte. Polizeisprecher Carsten Neubert: „Heute morgen ist eine Anzeige der jüdischen Gemeinde eingegangen. Wir ermitteln wegen Sachbeschädigung. Auch der Staatsschutz ist eingeschaltet.“

Blick auf den Sankt-Jakobs-Platz mit Synagoge.

Die Ausstellung war am 21. Juni im Rahmen des Bürgerfestes der Gemeinde feierlich eröffnet worden, und ist Teil der Feierlichkeiten zum 200-jährigen Bestehen und 70-jährigen Wiedergründung nach dem Holocaust. Bis zum 19. Juli zeigen Bilder die Entwicklung des jüdischen Lebens in München.

Die Bestürzung über die Tat ist natürlich groß, unterkriegen lassen will sich die Gemeinde davon aber auf keinen Fall: „Wir haben gehofft, es würde nicht passieren, aber leider passierte es nun doch. So widerlich und verabscheuungswürdig die Tat auch ist, vermiesen lassen wir uns die Feierlichkeiten dadurch nicht. Auch die Ausstellung wird stehen bleiben“, so Pressesprecher Aaron Buck auf Nachfrage zur tz.

"Einmal mehr zeigt sich, dass Antisemitismus, Freiheitsfeindlichkeit und Geschichtsrevisionismus nach wie vor in unserer Gesellschaft präsent sind. Solches Denken und Verhalten muss man unmissverständlich ächten. Ich hoffe, dass der und die Täter gefasst werden", so Charlotte Knobloch.

Besonders betroffen zeigte sich Charlotte Knobloch in der Pressemitteilung der Gemeinde: „Wir haben uns sehr über die fantastische Resonanz auf das Bürgerfest am 21. Juni und das große Interesse an der Ausstellung gefreut. Dieser Vorfall nun trifft mich ganz persönlich schwer und bestürzt mich. Ich hoffe, dass der und die Täter gefasst und zur Verantwortung gezogen werden. Und ich erwarte eine Entschuldigung.“ Bei solch einer Tat handle es sich nicht mehr nur um einfache Sachbeschädigung, so Knobloch weiter.

Severin Schötz

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