Eataly eröffnet im September

Schranne dicht! Letzte Standlbetreiber schließen

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Die Schrannenhalle wird wieder mal umgebaut und bleibt bis zum September geschlossen.

München - In der Schrannenhalle war am Samstag letzter Verkaufstag. Die Münchner sagten Servus zur alten Schranne und machten letzte Osterbesorgungen.

Pfiat eich, Milka Welt und Kytaro, Schwarzbrenner und Bazi‘s Lederhosnsemmel! Boun giorno Eataly di Monaco! In der Schranne war am Samstag letzter Verkaufstag. Endlich war auf den 3700 Quadratmetern wieder was los! Die Münchner sagten Servus zur alten Schranne und machten letzte Osterbesorgungen. „Ich geb’s zu, ich bin heut’ sentimental. Die kleinen Händler haben einen sehr guten Job gemacht und das Konzept hätte funktioniert, wenn Käfer nicht rausgewollt hätte“, sagt Schranne-Besitzer Hans Hammer.

Kehraus am Karsamstag: Am Samstag war der letzte Verkaufstag in der Schranne.

Jetzt ziehen die letzten elf Händler und Gastronomen aus – Käfer und Butler’s sind schon seit März draußen. Nicht alle Händler haben wie Butler’s in der Weißenburger Straße schon einen neuen Standort gefunden. Am 1. Mai wird die Schranne an den neuen, alleinigen Mieter übergeben: Eataly (gesprochen wie das englische „Italy“ macht aus der ehemaligen Getreidehalle einen italienischen Gourmet-Tempel. Hans Hammer verrät der tz, wie die Schranne di Monaco aussehen soll: „Das Konzept ist offener, die Halle wird sichtbarer. Die Stände mit den Schirmen verschwinden, stattdessen wird’s italienischer.“ Eine eigene Manufaktur für Pralinen soll’s geben und eine für Pasta. Die Schrannen-Kunden können dann dabei zuschauen, wie ihr Essen hergestellt wird.

Was der Umbau kostet? Hammer verrät nur so viel: „Ich gehe davon aus, dass ein höherer einstelliger Millionenbetrag investiert wird. Aber weniger in bauliche Veränderungen, mehr in technische Geräte, um die Herstellung der Lebensmittel sichtbar zu machen.“

Jetzt hoffen die Eigentümer Hans und Chantal Hammer (links), dass der Neustart gelingt.

10.000 Produkte soll es dann in der Italo-Schranne geben, darunter viele regionale Spezialitäten und natürlich Pasta, Parmaschinken und Wein. Doch Eataly will mehr als ein schicker Supermarkt sein: In der Schrannenhalle sollen Lebensmittel und Eventkultur zusammengebracht werden, etwa durch Kochkurse, Vorträge und ein Dutzend Restaurants von Fisch bis Pasta. Der Gastronomieanteil soll die Hälfte des Eataly ausmachen. Die Kunden sollen nicht nur schnell einkaufen, sondern auch was erleben. Eataly ist freilich nichts für den kleinen Geldbeutel, soll aber laut Hammer unterhalb der Preise von Käfer liegen.

Für München haben sich die Eataly-Planer etwas besonderes ausgedacht: In einer Ecke sollen in Kooperation mit dem italienischen Fahrradhersteller Bianchi Radl verkauft, verliehen und repariert werden. „Eataly setzt sich seit Monaten mit München und unserem Lebensstil auseinander, da kamen sie auf die Idee mit dem Radleck“, sagt Hammer.

Noch vor der Wiesn im September soll das Eataly di Monaco eröffnet werden. Buona fortuna und ois Gude!

Der Chronik einer unendlichen Geschichte

  • 1853: Die Getreidehalle beim Viktualienmarkt wird eröffnet.
  • 1912: Die Getreidelagerung wird in die neue Großmarkthalle verlegt, Teile der Schranne werden abgebaut.
  • 1932: Die Schrannenhalle wird bei einem Brand zerstört.
  • 1978: Auf dem Gaswerksgelände in Moosach werden die gusseisernen Elemente der Schranne entdeckt, die den Brand überstanden haben.
  • 1994: Der Stadtrat beschließt den Wiederaufbau.
  • 1995: Investor Helmut Ronstedt bekommt den Zuschlag.
  • 1997: Nach zwei Jahren Streit mit der Stadtspitze steigt der Investor aus.
  • 1999: Der Stadtrat vergibt das Projekt im Erbbaurecht an Klaus Thannhuber.
  • 2003: Baubeginn für die neue Schranne.
  • 2005: Eröffnung der Markthalle, die mit kleinen Geschäften und Gastro wie ein Marktplatz funktionieren soll.
  • Mai 2009: Der Betreiber ist insolvent. Im August eröffnet die Schranne mit dem alten Geschäftsführer wieder.
  • September 2009: Die Zwangsversteigerung wird angekündigt – und abgeblasen.
  • April 2010: Für 35 Millionen Euro kauft Investor Hans Hammer die Schranne.
  • Oktober 2011: Neueröffnung mit Feinkost Käfer als größtem Händler und zwei Dutzend anderer Anbieter.
  • März 2012: Im Untergeschoss eröffnet Schokoriese Milka seinen Flagship-Store.
  • Mai 2013: Käfer gibt sein Schrannen-Lokal auf, stattdessen kommt die „Krake“.
  • Januar 2014: Auch die „Krake“ gibt auf, es folgt das „Kytaro“.
  • Juli 2014: Statt Feinkost Käfer soll Edeka Simmel einziehen. Die Standlleute vom Viktualienmarkt protestieren, die Stadt hat Bedenken.
  • Dezember 2013: Hammer kündigt allen Mietern zum 31. März 2015, ab dem 1. Mai wird „Eataly“ der einzige neue Mieter.

Jasmin Menrad

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