Käfer will raus

Zieht Supermarkt in Schrannenhalle? Es wird konkret

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Peter Simmel soll mit einem Supermarkt in die Schranne einziehen.

München - In der Schrannenhalle am Viktualienmarkt soll bald wieder ein neuer Mieter einziehen – jedenfalls, wenn’s nach Eigentümer Hans Hammer geht. Am Dienstag stellte er die neuen Pläne für die Halle vor. Der Nächste, bitte!

Das nächste Zukunftskonzept für die Schranne: Es soll ein Simmel-Supermarkt mit Edeka-Sortiment sein. Der könnte seine Waren im Erdgeschoss verkaufen. Hier, wo bisher Gourmet-König Michael Käfer einen Delikatessenmarkt betreibt. Hans Hammer sagt: „Käfer möchte aus der Halle ausziehen – deshalb müssen wir umdenken.“ Es geht um eine Fläche von 1400 bis 1500 Quadratmetern. Hammer: „Etwa zwei Drittel der Erdgeschossfläche würde der Simmel-Markt in Anspruch nehmen.“ Käfer hatte rund 800 der 2500 Quadratmeter.

Hammer sagt, man habe auch andere mögliche Mieter durchgespielt. Aber: „Mode oder Autos würden dem Standort Viktualienmarkt nicht gerecht. Hierhin gehören Lebensmittel!“

Die Hammer-Bosse Hans und Chantal trennen sich von Feinkost-König Michael Käfer und setzen auf Supermarkt-Riese Peter Simmel.

Genau da liegt aber auch das Kernproblem. Wäre so ein Supermarkt keine Konkurrenz zu den Standlbetreibern draußen am Markt? Möglicherweise schon – deshalb gab’s am Dienstagabend auf Einladung der Stadt eine große Gesprächsrunde mit Vertretern von Hammer, Simmel und Marktkaufleuten. Elke Fett, Sprecherin der Marktkaufleute, war nach diesem Treffen sehr skeptisch – sie ist gegen das Konzept. Fett zur tz: „Wir werden ab Mittwoch eine Umfrage unter allen Händlern machen. Das Ergebnis schicken wir dann Herrn Hammer und dem Kommunalreferat zu. Ich gehe davon aus, dass die meisten dagegen sind.“

Jetzt muss ohnehin noch der Stadtrat zustimmen. Der Erbpachtvertrag erlaubt nämlich keinen Supermarkt – die Klauseln müssten geändert werden. Hammer: „Ich habe ein gutes Bauchgefühl.“ Dabei beruft er sich auch auf eine Umfrage: 85 Prozent der Anwohner hätten bekräftigt, sie würden weiterhin draußen einkaufen, auch wenn’s drinnen einen Supermarkt gäbe. Kunden von außerhalb kämen sowieso extra wegen der Standl.

Hammer geht davon aus, dass die Entscheidung im September oder Oktober fällt. Gibt’s ein Ja, hofft er diesmal auf ruhigeres Fahrwasser: Der Mietvertrag mit Simmel soll 15 Jahre laufen. Übrigens: Die anderen großen Mieter – das Lokal Kytaro und die Milka-Welt sowie einige der aktuell 15 Standl – sollen bleiben.

Uli Heichele

Chronik: Pleiten, Pech & Schranne

Nicht mal drei Jahre – und schon wieder ändert sich in der Schrannenhalle Fundamentales. So richtig Ruhe will nicht einkehren in dem Gebäude in bester Innenstadtlage. Ein Blick in die Geschichte von Pleiten, Pech & Schranne:

1853: Die von Stadtbaumeister Franz Karl Muffat geplante Halle eröffnet als Getreide-Handelsplatz.

1873: Die Schranne wird überflüssig, weil der Großmarkt diese Aufgabe übernnimmt. 1914 wird ein Teil der Halle demontiert.

1932: Ein Großbrand zerstört das Gebäude weiter.

1980: Ein erstes Gutachten ergibt, dass ein Wiederaufbau mit Originalteilen möglich ist.

2003: Baubeginn für die neue Schranne. Als Investor tritt Klaus Thannhuber und seine DVBI Immobilien AG auf.

2005: Am 5. September eröffnet OB Christian Ude das Gebäude. In einem Erbpachtvertrag ist festgeschrieben, dass es einen öffentlichen Kulturauftrag erfüllen muss.

2007: Thannhuber und sein Geschäftsführer Klaus Lochbihler geraten immer mehr in Schieflage. Außer Partys ist nicht viel geboten in dem Gebäude. Tiefpunkt ist die Fete eines Internet-Pornoportals.

2008: Im Dezember ist die Schrannenhallen GmbH endgültig insolvent.

2010: Hans Hammer kauft die Halle und eröffnet mit seinem Markthallen-Konzept im Oktober 2011 neu. Feinkost-König Michael Käfer ist Ankermieter und nimmt 800 der 2400 Quadratmeter.

S. Dorner

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