Anwohner wehren sich

Aufstand gegen Fußgängerzone Sendlinger Straße

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Die Sendlinger Straße.

München - Frust wegen der neuen Flaniermeile: Anwohner laufen Sturm gegen die geplante Erweiterung der Fußgängerzone in der Sendlinger Straße in München.

Die Fußgängerzone begann bisher am Färbergraben und endete an der Hackenstraße. Die Stadt will nun einen Versuch starten: Für ein Jahr wird die Flaniermeile erweitert, endet dann erst an der Herzog-Wilhelm-Straße.

Keine Autos, keine Radler – auch in der Schmid- und der Singlspielerstraße. Die mussten mit ins Konzept aufgenommen werden, da sie ansonsten zur Sackgasse geworden wären und es am jeweiligen Ende keine Wendemöglichkeit gibt. Der Verkehr soll über den Oberanger abfließen. Versuchsstart ist noch im Herbst, der Stadtrat muss das absegnen.

Das soll er aber gar nicht, sagen die Anwohner. Sie fürchten die Auswirkungen der Fußgängerzone – nicht nur auf die Sendlinger Straße, sondern auch die Nebenstrecken. Die Altstädter könnten sich aber alternativ zur Fuzo vorstellen, durch Verschönerungsmaßnahmen – mit neuen Pflanzen auf dem Gehsteig und neuen Ständen – die Sendlinger Straße attraktiver zu machen.

Die Angst der Anwohner! Der Bezirksausschuss nimmt sie ernst. BA-Chef Wolfgang Neumer verrät der tz, dass er noch eine Bürgerversammlung anbieten will. Welche Argumente die Anwohner haben, erklären wir hier folgend:

Geschäfte in Gefahr

Nicht mit uns! Die Anwohner wollen den Stadtratsbeschluss noch verhindern.

Für die kleinen Geschäfte würde die neue Fußgängerzone das Aus bedeuten, sagen die Anwohner. Denn die hätten viele ältere Stammkunden, die mit dem Auto kommen. Das tun auch viele Patienten. Ulrike Hardary arbeitet in der kinderchirurgischen Praxis. 60 Patienten kommen dort am Tag, 20 Prozent davon mit dem Auto. Sie werden gebracht, weil sie es zu Fuß eben nicht mehr schaffen. In der Praxis werden Notfälle betreut! Und es wird operiert. „Nach einer Bauch-OP geht niemand mehr zu Fuß zum nächsten Parkplatz“, sagt Hardary.

Mehr Lärm

Autos sollen komplett ausgesperrt werden, auch Fahrradfahren ist dann nicht mehr möglich. „Die Stadt tut so, als würde das nur die Sendlinger Straße betreffen“, sagt Alexander Reger. Der 40-Jährige wohnt in der parallel verlaufenden Kreuzstraße. Und dort würde der Verkehr zunehmen, fürchtet Reger. Lieferverkehr darf nur bis 10.15 und dann erst wieder ab 22.30 Uhr rein. Die Angst: mehr morgendlicher Lieferlärm! Ferner bekämen viele Geschäfte jetzt den ganzen Tag Lieferungen, sagt Bettina Rexer, die an der Sendlinger Straße wohnt. Auch Paketlieferungen für die Anwohner werden eher über den Tag verteilt. Zwar gibt es Genehmigungen – allerdings müssen diese drei Tage vorher beantragt werden.

Steigende Mieten

Die Fußgängerzone bedeutet aus Sicht der Anwohner auch steigende Ladenmieten. „Das würde den Charakter der Sendlinger Straße nachteilig beeinflussen“, sagt Bettina Rexer. Der BA sieht das wohl ähnlich. Der Vormarsch großer Ketten würde die kleinen Geschäfte verdrängen. „In München gibt es schon genug Flächen mit den immer gleichen Läden“, sagt Bettina Rexer. Ob sich die Fuzo auch auf die Wohnungsmieten auswirkt, kann sie nicht sagen. Familien mit Kindern und alte Menschen würden aber wohl umziehen, wenn sie aufs Auto angewiesen sind.

Weniger Parkplätze im ganzen Viertel 

91 Stellflächen gehen verloren, 80 an der Sendlinger Straße, elf in der Schmidstraße. Der Parkdruck im Viertel sei ohnehin enorm, die Parkdecks, etwa am Oberanger, sind schon ausgelastet, sagen die Anwohner. Darunter litten sowohl die Bewohner der Sendlinger Straße, des Oberangers und des Hackenviertels. Zwar gibt es rund 60 Durchfahr-Genehmigungen – allerdings nur für die Anwohner. Wer in der Sendlinger Straße arbeitet, erhält keine. Das wiederum erschwert auch die Arbeit für Pflegedienste oder „Essen auf Rädern“.

Sascha Karowski

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