6000 Menschen pro Stunde

Die Sendlinger Straße boomt - doch wie lange noch?

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Bietet die Sendlinger Straße der Kaufingerstraße bald Paroli? Viele Münchner schätzen aber gerade hier die bunte Mischung aus kleinen Läden und Ketten.

München - Die Sendlinger Straße lockt so viele Menschen wie nie zuvor: rund 6000 Passanten pro Stunde. Für die vielen kleinen Läden, die es hier noch immer gibt, könnte es jedoch bald eng werden.

Mit rund 6000 Passanten pro Stunde hat die Sendlinger Straße die Theatinerstraße (5669) überholt und ist jetzt die Nummer drei der Stadt – hinter Kaufinger- (über 16.000) und Neuhauserstraße (knapp 14 000). Führungswechsel bald auch an der Spitze? Für die vielen kleinen Läden, die es hier noch immer gibt, könnte es jedoch bald eng werden.

Die Beraterfirma Engel & Völkers Commercial, von der die Zahlen stammen, geht davon aus, dass die Mieten nun kräftig anziehen: um bis zu 30 Prozent! Immer mehr Menschen flanieren heute zwischen Sendlinger Tor und Marienplatz, für die Händler ist das eine einfache Rechnung: Mehr Menschen ist gleich mehr Kunden ist gleich mehr Umsatz.

Besonders die neue Fußgängerzone und die Hofstatt zögen immer mehr Menschen an, sagt Bettina Nelles von Engel & Völkers. „Und die bis zum Jahr 2017 angedachte Erweiterung der Fußgängerzone würde zusätzliche Impulse geben.“ Bereits von 2012 auf 2013 verdoppelte sich die Passantenfrequenz – auch das sei in Zukunft möglich. Die Sendlinger Straße verzeichnete in den letzten beiden Jahren die meisten Neuzugänge der gesamten Innenstadt und wird auch dadurch immer interessanter für Global Player, wie Zara Home, Subdued oder Mavi die sich dort schon eingerichtet haben.

Wenn die Großen kommen, geraten die Kleinen nicht selten unter Druck. War’s das dann mit der Weltstraße mit Herz? Schon jetzt liegen die durchschnittlichen Mieten bei einer Fläche von 100 bis 150 Quadratmeter zwischen 160 und 180 Euro pro Quadratmeter. Auch Spitzenmieten von 205 Euro werden schon bezahlt, so der Bericht.

Die tz hat sich umgehört auf der Sendlinger Straße.

Coole Läden, gutes Essen

Florentina Malgay (21), Studentin aus München.

Die Sendlinger Straße kenne ich aus dem Effeff, ich jobbe im Modegeschäft Brandy Melville und laufe jeden Tag hier durch. Und ich kann sagen: Mir gefällt’s. Nicht so voll wie die Kaufingerstraße, coolere Läden und besseres Essen. Früher sind die Leute her, wenn sie einen bestimmten Laden gesucht haben und wussten, was sie wollen. Heute gibt es mehr Laufkundschaft.

Die Mieten werden steigen

André Vokovic (22), Einzelhandelskaufmann aus München.

Die Münchner entdecken die Straße gerade neu. Heute herrscht bei den Läden noch ein großes Kommen und Gehen, auch uns (Kennel & Schmenger) gibt es erst seit Mai. Wenn die Fußgängerzone kommt, kommen automatisch mehr Kunden. Und dann werden auch die Mieten steigen! Gut, dass wir schon vorher da waren. Optisch finde ich die Theatinerstraße noch einen Tick schöner.

Bloß keinen Einheitsbrei, bitte!

Herbert Korsch (62), Rentner aus Köln.

Ich kenne die Straße seit 40 Jahren, früher war sie eine reine Durchgangstraße. Heute hat sie sich zu einer schönen Meile gemausert. Nicht nur die großen Ketten sind da, sondern es gibt noch viele urige, selbstständige Läden. Wenn ich mir dagegen die Kaufingerstraße anschaue: Alles gleich, so etwas hat man doch in jeder Großstadt! Hoffentlich behält sich die Sendlinger Straße ihren Charme.

Tobias Scharnagl

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