Geplante Fußgängerzone

Sendlinger Straße: Bürgerprotest zeigt Wirkung

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Angst vor dem Verlust einer charmanten Struktur: Anwohner wehren sich gegen eine Fußgängerzone auf der Sendlinger Straße.

München - Die Anwohner und Anlieger der Sendlinger Straße wollen den Probeversuch zur Einrichtung einer Fußgängerzone verhindern.

Dieser Antrag an die Stadt wurde bei der Bürgerversammlung am Donnerstagabend im Stadtmuseum mit klarer Mehrheit beschlossen. Womöglich bewegt der Protest die Große Rathauskoalition zum Umdenken. Am kommenden Mittwoch wollte der Planungsausschuss des Stadtrats die Verlängerung der Fußgängerzone bis zum Sendlinger Tor beschließen.

Zunächst soll die Regelung vom Frühjahr 2016 an für ein Jahr gelten. Danach wird über den Versuch Bilanz gezogen und entschieden, ob die Fußgängerzone dauerhaft bleibt. Dieser Zeitplan könnte nun durchaus kippen. Sowohl SPD-Fraktionschef Alexander Reissl als auch CSU-Vize Michael Kuffer erklärten auf Nachfrage unserer Zeitung, man müsse die Anregungen der Bürger ernst nehmen. Die Koalition will am Montag beraten, wie man mit dem Bürgerprotest umgeht. Eine Vertagung des Themas auf kommendes Jahr wollten weder Reissl noch Kuffer ausschließen. Von der Verwaltung war zu hören, es sei unmöglich, die Vielzahl der Anträge in die aktuelle Beschlussvorlage einzuarbeiten.

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Während der Bürgerversammlung hatten zahlreiche Anlieger ihre Kritik an der Fußgängerzone geäußert. Mittlerweile hat sich auch eine Initiative gegründet, 600 Bürger haben eine Petition gegen den geplanten Probeversuch unterschrieben. Die Sprecherin der Initiative, Marie-Luise von Brühl, plädierte dafür, die Einrichtung einer Fußgängerzone zu verschieben, bis alle offenen Fragen mit den Anwohnern geklärt seien. Die Tierärztin bemängelte, dass die Stadt die betroffenen Bürger zu spät beziehungsweise unzureichend über die geplante Maßnahme informiert habe. Von Brühl sagte, dass offenbar nur die Inhaber größerer Geschäfte befragt worden seien. Bei kleinen Einzelhändlern und Handwerksbetrieben sei die Skepsis gegenüber einer Fußgängerzone groß: „Die sind teilweise aus allen Wolken gefallen, als sie von den Plänen erfahren haben.“ An der Sendlinger Straße gibt es überdies viele Praxen, deren Patienten ebenfalls von der Sperrung betroffen wären – sofern sie mit dem Auto kämen.

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Von Brühl befürchtete eine Steigerung der Ladenmieten und den Verlust der „charmanten Struktur“ in der Sendlinger Straße. Stefan Rutz, ebenfalls Anwohner, pflichtete bei: „Wir brauchen keine zweite Kaufingerstraße.“ Die Stadt solle Rücksicht nehmen auf „das fragile Gebilde im Hackenviertel, das münchnerisch bleiben soll“, sowie auf die Bedürfnisse mobilitätseingeschränkter Bürger. Etwa 100 Parkplätze würden bei der Einrichtung einer Fußgängerzone wegfallen. Monika Oberndorfer, Anwohnerin aus dem Hackenviertel, räumte ein: „Die Sendlinger Straße kann nicht so bleiben, soll aber auch nicht so werden wie geplant.“ Sie favorisiere eine bürgerfreundliche Lösung wie etwa eine Spielstraße. In Spielstraßen dürfen Fußgänger die Fahrbahn in ihrer ganzen Breite benutzen, Autofahrer müssen Schrittgewindigkeit einhalten. Parken ist nur auf gekennzeichneten Flächenzulässig, ausgenommen zum Ein- oder Aussteigen, zum Be- oder Entladen.

Eine Mitarbeiterin des Planungsreferats erklärte, im Hackenviertel sei jetzt schon ein Verdrängungswettbewerb feststellbar, an dessen Ende eine Monokultur von Filialisten stehe. Diese Entwicklung finde entkoppelt von der Einrichtung einer Fußgängerzone statt. Man müsse aber konstatieren, dass die Passanten-Frequenz in der Sendlinger Straße in den vergangenen zehn Jahren um ein Drittel gestiegen sei. Nach Einschätzung eines von der Stadt beauftragten Gutachters ist die Sendlinger Straße bereits „funktional eine Fußgängerzone."

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Klaus Vick

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