So gefällt es den Münchnern

Sendlinger Straße als Fußgängerzone: Der Plan sitzt!

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Die Fußgängerzone in der Sendlingerstraße.

Die Resonanz auf die neue Fußgängerzone in der Sendlinger Straße ist überwiegend positiv. Das geht aus dem Zwischenbericht des Büros „Studio, Stadt, Region“ hervor. Befragt wurden Anwohner, Gewerbetreibende und Passanten.

Für den Verkehrsversuch in der Sendlinger Straße läuft mittlerweile bereits die zweite Halbzeit. Seit 1. Juli 2016 ist dort Fußgängerzone – für ein Jahr. Im Sommer 2017 zieht der Stadtrat dann eine Bilanz und wird sich festlegen, ob Autos und Radfahrer dauerhaft ausgesperrt werden. Ein Zwischenbericht über die bisherige Testphase wurde nun am Donnerstagabend bei einer Info-Veranstaltung im Stadtmuseum der Öffentlichkeit vorgelegt. Das Ergebnis ist relativ eindeutig: 82 Prozent der befragten Passanten sagen, die Aufenthaltsqualität in der Sendlinger Straße habe sich verbessert. Selbst bei den Gewerbetreibenden beurteilen laut der Untersuchung 82 Prozent die Effekte der Fußgängerzone als sehr positiv, positiv oder zumindest neutral. Nur das Echo der Anwohner ist gespalten.

Befragt wurden in der Sendlinger Straße 260 Haushalte (Rücklaufquote 55 Prozent), im Hackenviertel 1200 Haushalte (Rücklauf 15 Prozent). Von 220 Gewerbetreibenden beantworteten 75 die Fragebögen (34 Prozent). Zudem wurde mit 145 Passanten gesprochen, wovon 67 Prozent aus München kamen. Größtes Problem für die Anwohner ist der Parkplatzmangel. Für mehr als 60 Prozent hat sich allerdings gleichzeitig die Wohnqualität verbessert.

Die meisten Gewerbetreibenden sehen sowohl bei der Umsatzentwicklung als auch bei der Kundenfrequenz nahezu keinen Unterschied zu der Zeit vor Einführung der Fußgängerzone. Die Geschäftsleute beklagen aber Schwierigkeiten beim Lieferverkehr und eine schlechte Erreichbarkeit für Kunden. Allerdings sei von vielen Gewerbetreibenden auch zu hören gewesen, dass die meisten Kunden das Einkaufsklima nun als angenehmer empfänden.

Nahezu alle befragten Gruppen sind sich darin einig, dass die optische Gestaltung der Fußgängerzone verbessert werden sollte – mehr Grün, mehr Sitzgelegenheiten, Freischankflächen sowie eine Absenkung der Gehsteige. Die Stadt hatte allerdings bewusst entschieden, dass ein Umbau erst nach der endgültigen Festlegung auf eine Fußgängerzone erfolgen soll.

Im gesamten Hackenviertel gibt es derzeit noch etwa 600 von einstmals 800 oberirdischen Parkplätzen. Knapp 100 sind in der Sendlinger Straße entfallen, weitere 100 Stellplätze durch Baustellen belegt. Klaus Vick

Umfrage: Was sagen die Münchner zur neuen Fußgängerzone?

Stellt Bänke auf

„Für mich macht es eigentlich keinen großen Unterschied. Es waren ja schon vor der Testphase viele Fußgänger unterwegs: Da haben die Autos oft für die vielen gehalten, wenn man die Straßenseite wechseln wollte. Obwohl die Straße verkehrsberuhigt ist, gehe ich trotzdem noch aus Gewohnheit auf dem Gehweg. Allerdins könnte die Stadt anstatt der Gartenstühle feste Bänke hinstellen. Das würde die Straße noch verschönern.“

Ines Kleinknecht (26), Studentin

Mehr Laufkundschaft

„Bislang sind die Kundinnen gezielt in unseren Laden gekommen. Seit der Fußgängerzone haben wir mehr Laufkundschaft und werden höher frequentiert. Leider hat sich das beim Umsatz noch nicht bemerkbar gemacht. Trotzdem hoffen wir, dass die Fußgängerzone bleibt. Auch bei der Anlieferung gab es keine Probleme.“

Silvia Oettle (50), Rigby & Peller

Schwierig erreichbar

„Wir haben viele Chemotherapie-Patienten. Die müssen direkt vor die Haustür gebracht werden. Es gibt zwar Genehmigungen, aber die gelten nur solange, bis der Patient aussteigt. Dann müssen die Taxler Strafe zahlen. Das macht’s schwierig.“ 

Praxis Dr. Arthur Gerl (59), Hämatologie

40 Prozent Verlust

„Ich arbeite seit 15 Jahren hier, meine Frau seit drei. Wir haben durch die Fußgängerzone rund 40 Prozent des Umsatzes eingebüßt. Die Leute können nicht mehr herfahren, um ihre Ware abzuholen. Und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist das schwierig.“ 

Elena (53) und Ivan (58) Skrtel, Mitarbeiter J. Kienmoser KG – Seilerwaren

Besser zum Shoppen

„Ich kaufe regelmäßig in der Sendlinger ­Straße ein und finde die Fußgängerzone gut. Man muss jetzt nicht vorher überlegen, wann man die Straßenseite wechseln möchte. Es gibt noch mehr Plätze wie den Max-­Joseph-Platz, die verkehrsberuhigt gestaltet werden sollten.“

Jakob Kreitner (23), Student

Viel entspannter

„Fast alle Anwohner wirken weniger gestresst. Auf der Terrasse sind weniger Abgase, und die Leute knallen die Autotüren nicht mehr zu. Dadurch ist die Atmosphäre viel angenehmer. Ich finde, innerhalb des Altstadtrings könnte es autofrei sein.“

Marko Beier, 36, Chef des Café Patolli

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