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Verwahrlosung am Sendlinger Tor? „Familien schicken Kinder nicht mehr allein in den Park“ – Polizei reagiert

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Sendlinger Tor in München
Rund um das Sendlinger Tor beklagen einige Anwohner eine Verrohung der Verhältnisse. © Achim Schmidt

Bürger zeigen sich besorgt, was die Entwicklung rund um das Sendlinger Tor angeht. Ein Anstieg von Straftaten sei nicht zu verzeichnen, erklärt die Polizei.

München - Verkommt der Sendlinger-Tor-Platz? Immer mehr Menschen versammeln sich am Sendlinger Tor, so der Eindruck von Anwohnern. Alkoholiker treffen sich an den Bänken rund um die Trambahnlinien, Suchtkranke lassen sich im Nussbaumpark nieder. Viele Bürger sind besorgt über diese Verwahrlosungstendenzen. „Familien meiden die Spielplätze zunehmend oder schicken ihre größeren Kinder nicht mehr allein in den Park“, schrieb eine Bürgerin an den Bezirksausschuss für die Ludwigs- und Isarvorstadt.

Brennpunkt rund um das Sendlinger Tor? So bewertet die Polizei die Situation

Doch was ist dran an diesen Beobachtungen? Müssen die Bürger hier Angst haben? Tatsächlich wird das Sendlinger Tor als Treffpunkt immer beliebter, bestätigt Rudolf Stadler von der zuständigen Polizeiinspektion 14. „Wir haben hier seit Jahren eine wachsende Alkoholikerszene und im Park die Betäubungsmittelabhängigen. Allein von ihnen können an einem Tag schon 50 Menschen zusammenkommen“, sagte er in der vergangenen BA-Sitzung. Allerdings käme es so gut wie nie zu Straftaten, höchstens zu Streitigkeiten innerhalb der beiden Gruppen.

Die Polizei sei täglich mit Einheiten unterwegs, kontrolliere und zeige Drogendelikte an. Oft würden Platzverweise ausgesprochen. „Was wir zum Glück nicht mehr beobachten, sind Spritzen im Sand des Spielplatzes. Auf benachbarten Grundstücken gibt es aber immer wieder Spritzenfunden,“ so der Polizeibeamte.

Diskussionen um Treffpunkt in München: „Nachts sind beide Gruppen nicht präsent“

Die häufige Anwesenheit des Kommunalen Außendienst (KAD) Münchens wirke deeskalierend auf die Klientel beider Gruppen, so Stadler. Das führe zum besseren Umgang untereinander und gegenüber Passanten. Darüber hinaus sind die Suchtkranken durch soziale Dienste betreut. Rund um den Nussbaumpark sind zahlreiche Substitutionspraxen. Anschließend dient der Park als Treffpunkt. Dass hier Drogen konsumiert werden, könne man leider nicht völlig vermeiden.

Die gute Nachricht für die Anwohner: „Nachts sind beide Gruppen hier nicht präsent, sie lösen sich am späten Nachmittag auf“, sagt Stadler. Und im Sommer hilft der Kulturbiergarten im Nussbaumpark. „Die Anwesenheit der Besucher wirkt disziplinierend und verdrängt die Süchtigen“, so der Polizist. Vor Jahren sind auch die Büsche im Park massiv ausgelichtet worden, was einen positiven Effekt hat. Stadler rät abschließend, dies jährlich zu wiederholen. (Bettina Ulrichs)

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