Dutzende Augenzeugen – nur zwei, die helfen

Diese beiden Buben retten Mann am Sendlinger Tor das Leben

Anthony (r., 14) und Finn (12), die couragierten Helden vom Sendlinger-Tor-Platz.

München - Am Sendlinger-Tor-Platz ist es am Samstagnachmittag zu einem größeren Rettungseinsatz gekommen. Mehrere Männer hatten dort vermutlich Drogen konsumiert. Dann eskalierte die Situation.

Wer regelmäßig am Brunnen des Sendlinger-Tor-Platzes vorbeikommt, kennt die Szenerie: Die Bänke dort sind ein Treffpunkt alkohol- und drogenkranker Menschen. Das Bild, das sich am Samstagnachmittag den beiden Münchner Schülern Finn und Anthony dort bot, war jedoch ein extremes. „Wir hatten mit anderen Freunden Yugioh gespielt (Anm.: ein Kartenspiel) und waren gegen 15 Uhr auf dem Heimweg“, erzählt der 13-jährige Anthony, der mit seinen Eltern nahe dem Sendlinger Tor wohnt. Als sie an dem Brunnen vorbeigehen, erkennen die beiden Kinder sofort, „dass es den Männern richtig schlecht geht“, sagt Finn. „Zwei lagen leblos auf dem Boden, vier andere hingen auf einer Bank, zum Teil völlig benommen.“ Und die Sonne brannte auf sie nieder.

Während viele Erwachsene einfach vorbeieilen, denken die beiden Schüler kurz nach und kommen zu dem Schluss, dass es hier um Leben und Tod geht – später werden Notärzte bestätigen, dass diese Einschätzung genau richtig war. Der zwölfjährige Finn gibt seinem Freund sein Handy und Anthony wählt den 112-Notruf. Als der erste Rettungswagen wenig später eintrifft, alarmieren die Sanitäter sofort im großen Stil Verstärkung nach. Am Ende werden vier Rettungswagen-Besatzungen verschiedener Organisationen, drei Notärzte und zwei Hilfeleistungs-Fahrzeuge der Feuerwehr vor Ort sein. „Dann sind plötzlich auch zahlreiche Passanten stehen geblieben und haben geschaut“, erzählt der 12-jährige Gymnasiast Finn am Sonntag im Gespräch mit unserer Zeitung. „Das war alles schon erschreckend.“

Während einer der Männer noch vor dem Eintreffen der Retter plötzlich aufgestanden und gegangen war, mussten laut Feuerwehr insgesamt vier Betroffene – alles Münchner zwischen 37 und 40 Jahre alt – intensiv behandelt und in Krankenhäuser gebracht werden. Die Männer, die leblos auf dem Boden lagen, mussten sogar vor Ort reanimiert werden. Nach ersten Polizei-Ermittlungen vor Ort hatten die Männer neben Alkohol wohl alle eine Kräutermischung geraucht.

Über die beiden Schüler waren die Rettungsdienste und die Polizei nach dem Einsatz voll des Lobes: „Das Verhalten der Kinder war vorbildlich“, sagte ein Polizei-Sprecher am Sonntag. Der Begriff „Lebensretter“ sei laut den Ärzten, die vor Ort waren, für die beiden Buben absolut gerechtfertigt.

Sven Rieber

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