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Laden-Hüter

So will die Stadt Münchens Traditionsgeschäfte schützen

„Wenn es aussieht wie in jeder anderen Stadt, fehlt das Einkaufserlebnis“, findet Alex Breiter (links) von Hut Breiter in der Kaufinger Straße. Auch seinen Laden gibt es hier bereits seit 100 Jahren. „Wenn München interessant bleiben will, muss sich was tun“, sagt er.

Retten, was noch zu retten ist: Die Stadt möchte zumindest in ihren eigenen Immobilien Traditionsgeschäfte schützen. Das hat der Kommunalausschuss gerade beschlossen. Dennoch wächst in der Innenstadt die Zahl der Filialisten.

München - Den Begriff Gentrifizierung assoziiert man in der Regel mit der Luxussanierung von Wohnraum und der Verdrängung alteingesessener Bewohner. Gentrifizierung lässt sich aber auch im gewerblichen Bereich feststellen. Vor allem in der Altstadt. Filialisten prägen seit Langem das Bild der Fußgängerzone und der angrenzenden Straßen. Inhabergeführte Geschäfte verschwinden zusehends.

Die Stadt will nun gegensteuern – so weit es in ihren Möglichkeiten steht. Bei Vermietungen in stadteigenen Objekten sollen künftig prinzipiell statt Handelsketten nur inhaber-, beziehungsweise familiengeführte Unternehmen zum Zug kommen. Mit dieser Strategie will die Stadt das Sterben kleiner Nischenläden verhindern. Ein formeller Beschluss wurde nun im Stadtrat gefasst. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) begrüßt die Initiative des Kommunalreferats: „Weltweit gleichen sich die Innenstädte immer mehr an. Auch die Münchner Innenstadt ist zunehmend geprägt von Filialisten, die bereit und in der Lage sind, hohe Mieten zu bezahlen. Der einzigartige Charme wird aber vor allem durch die vielen kleinen und traditionsreichen Geschäfte geprägt, die es so in anderen Städten nicht gibt.“

Die Geschäftsleute freut der Vorstoß: „Nicht solvente Geschäfte ohne großen Konzern im Rücken haben es schwer in der Fußgängerzone“, sagt Johannes May (61), seit 22 Jahren Filialleiter von Bauer und Hieber im Rathaus. „Ich finde es gut, dass die Stadt diese Läden unterstützt, die auch einen kulturellen Wert haben. Wenn nur auf die Miete geschaut wird, ist die Stadt tot.“

Das Problem: Die Stadt besitzt nicht viele Immobilien in der Innenstadt

Allerdings mutet es wie ein Kampf gegen Windmühlen an, denn allzu viele Immobilien besitzt die Stadt im Herzen Münchens nicht. Das Ruffinihaus am Rindermarkt mit seinen charmanten, kleinteiligen Läden ist noch so eine einsame Insel im Meer der Filialisten, dann aber wird es schon dünn. Im Erdgeschoss des Rathauses befinden sich noch etwa 30 Läden – ein bunter Mix von Mode-, Geschenkartikel-, Antiquitäten- und Juweliergeschäften. An der Burgstraße 2 gibt es den Weinladen Garibaldi und die Kürschnerei Junghans, an der Thiereckstraße 4 die „Gewürze der Welt“, an der Sparkassenstraße 11 das Antiquitätengeschäft Schäffner. Die wohl prominentesten Geschäfte finden sich in der Fußgängerzone an der Kaufingerstraße 26. Dort gehören der Stadt ein Teil des Hirmer-Komplexes sowie das Haus mit dem Traditionsgeschäft Hut Breiter.

Das Stadt will nun zumindest diese kleinteilige Struktur schützen – mittels einer Selbstregulierung. So werden die Kriterien für die künftige Mieterauswahl noch strenger gefasst. Handelsketten schließt die Stadt als Mieter grundsätzlich aus. Das Warenangebot soll auf regionale oder spezielle, hochwertige Produkte des Facheinzelhandels ausgerichtet sein. Kommunalreferent Axel Markwardt betonte: „Wir wollen in unseren wenigen Immobilien einen Einheitsbrei, wie es ihn weltweit in vielen Großstädten gibt, verhindern.“

In der Sendlinger Straße ist der Wandel am stärksten zu sehen

Doch außerhalb städtischer Immobilien setzt sich die Dominanz der Ketten ungebremst fort. Den stärksten Wandel hat in den vergangenen zehn Jahren die Sendlinger Straße erlebt. Der Immobilienverband Deutschland (IVD) analysiert, mit der Einführung der Fußgängerzone und dem Bau der Hofstatt sei eine neue Flaniermeile und damit eine hohe Aufenthaltsqualität zwischen Sendlinger Tor und Marienplatz entstanden. Zumeist präsentieren sich hier Geschäfte für junge Kunden mit gehobenem Anspruch wie beispielsweise der Modeladen Superdry oder das Brillen- und Modelabel Oakley. Dominierten vor zehn Jahren noch lokale Einzelhändler die Sendlinger Straße, kämen nun immer mehr internationale Labels. Laut IVD Süd lag der Anteil der Filialisten in der Sendlinger Straße 2007 noch bei 51 Prozent, aktuell sind es 73 Prozent. Nicht filialisierter Einzelhandel findet sich nur noch zu 13 Prozent. In etwa 64 Prozent aller dort ansässigen Läden sind laut dem Immobilienberater andere Marken als noch vor zehn Jahren präsent. In der Residenz- und der Theatinerstraße ist die Fluktuationsquote ähnlich hoch.

Auch in der Kaufinger- und Neuhauser Straße beobachtet der IVD zahlreiche Veränderungen. So eröffneten 2017 elf neue Läden – bei insgesamt 96 Shops. Der von Markwardt zitierte „Einheitsbrei“ hat sich in der zentralen Fußgängerzone längst verfestigt. „Der Filialisierungsgrad hat sich noch einmal deutlich erhöht und das Bild der teilweise uniformen Innenstadt verstärkt“, resümiert der Immobilienverband.

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook -Seite „Altstadt/Lehel – mein Viertel“.

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