Baubeginn für Jahrhundertprojekt

Spatenstich zur 2. Stammstrecke: So lief die Gegendemo am Marienplatz

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Gegner der zweiten Stammstrecke protestieren am Marienplatz. 

Das große Graben beginnt: Am heutigen Mittwoch gaben die Spitzen von Stadt, Freistaat und Bahn den offiziellen Startschuss für den Bau der zweiten S-Bahn-Stammstrecke. Am Marienplatz demonstrierten Gegner gegen das Projekt. 

München - Unter dem Motto „Los geht’s“ lädt die Bahn ab 15 Uhr zum zweitägigen Fest auf dem Marienhof. Genau dort, wo mit dem symbolischen Spatenstich ein neuer S-Bahnhof entstehen soll – 38 Meter unter der Erde.

Um die bestehende Stammstrecke zu entlasten, sieht die Planung außerdem zwei weitere unterirdische Stationen an Haupt- und Ostbahnhof vor. Was sich in der Theorie vielversprechend anhört, bedeutet in der Praxis jedoch jede Menge Lärm, Schutt und Dreck. Schließlich müssen für den unterirdischen Tunnelbau rund zwei Millionen Kubikmeter Erdmaterial bewegt werden – ein staubiges Unterfangen - und ein teures: 3,84 Milliarden kostet das Mammut-Projkt. 

„Und wer will das schon“, fragt die Haidhausener Bürgerinitiative S-Bahn-Ausbau, die bereits 8000 Stimmen gegen den Bau der zweiten Stammstrecke gesammelt hat. Der Verein lud für Mittwochnachmittag auf den Marienplatz - zu einer Demonstration gegen das Projekt. Es sind zwar nur rund 60 München da, aber die haben es in sich: Mit Klangschale, einem lebhaften Hund und der Landtagsabgeordneten Claudia Stamm (bald nicht mehr Grüne) demonstrierte der harte Kern der Stammstrecken-Gegner auf dem Marienplatz. Ein letztes Aufbäumen kurz vorm Spatenstich.

„Unten durch ist dumm - darum nur oben rum“

Reinhard Lisowski ist mit dabei. Er wohnt in der Nähe der S-Bahnstation Hirschgarten und hat ein selbst gebasteltes Schild dabei. Darauf steht: „Unten durch ist dumm – darum nur oben rum“. Der Demonstrant sagt: „Es muss doch gezeigt werden, dass Wahnsinn Wahnsinn ist.“ Dass das Projekt Milliarden Euro versenkt, die anderswo besser angelegt werden. Hoffnung hat Lisowski nicht mehr. Nach einer halben Stunde verläuft sich der Protest wieder. Ein Demonstrant weiht zufällig vorbeikommende Touristen in seine Theorie ein: „Die zweite Stammstrecke ist der Genickschuss für ganz Deutschland. Der wird nämlich nie fertig werden.“ Die Touristen gehen allerdings weiter.

Am Marienhof sorgte die Bahn derweil für Spaß und gute Laune: mit Gesprächen, Kinder- und Mitmachaktionen. Am Mittwoch treten die Wise Guys auf, am Donnerstag die CubaBoarischen. Außerdem ist eine Schlemmermeile geplant. Die soll den Münchnern die zweite Stammstrecke schmackhaft machen. Das Gelände ist an beiden Tagen von 14 bis 21 Uhr geöffnet. 

Lesen Sie auch: So wird Münchens zweite S-Bahn-Röhre sowie Zweite Stammstrecke - Alle Infos auf einen Blick. Hier haben wir außerdem zusammengefasst, wie die S-Bahn-Linien ab dem Jahr 2016 fahren sollen.  

2. Stammstrecke: Wo die Stadt überall aufgerissen wird

Obwohl die neue Station Hauptbahnhof 41 Meter unter der Erde liegt, ist sie über den zentralen Hauptzugang mit insgesamt zehn Schnellaufzügen und zahlreichen Rolltreppen laut Bahn in kurzer Zeit erreichbar. © Bahn
So soll der Marienplatz-Halt aussehen. Hier der Blick unter die Erde.
So soll der Marienplatz-Halt aussehen. Hier der Blick unter die Erde. © Deutsche Bahn
Die neue, unterirdische Station Ostbahnhof befindet sich 35 Meter unterhalb des Orleansplatzes. © Bahn
Die östliche Schalterhalle des Hauptbahnhofs muss abgerissen werden, denn dort wird ein riesiger Schacht gegraben. Am Hauptbahnhof verzichtet die Bahn auf eine offene Bauweise. © Jantz
Die zweite Stammstrecke wird in großer Tiefe gebaut, muss sie doch die S- und U-Bahn-Röhren unterqueren.  © Bahn

S. Brenner/Stefan Sessler

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