Im Dachgeschoss des Gotteshauses

Spektakulärer Plan: Taubenschlag für Heilig Geist?

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Durch dieses Fenster sollen bald die Tauben ein- und ausfliegen.

München - Es wäre praktisch die natürliche Heimat. In der Kirche stellen sie den Heiligen Geist ja gern als Taube dar – so gesehen würd’s grad passen, wenn in der Heilig-Geist-Kirche am Viktualienmarkt jetzt auch die echten Tauben einziehen würden.

Tatsächlich prüfen Tierschützer, Stadt und Kirche die Möglichkeit, im Dachgeschoss des Gotteshauses ein Taubenhaus einzubauen. Und falls das nicht funktionieren sollte, sucht man nach einem Alternativ-Standort in der Nähe des Marktes.

Pfarrer Rainer Schießler (54) sagt: „Von meiner Seite aus wäre ein Taubenhaus im Dachboden der Kirche in Ordnung. Das wäre auch eine gute Lösung, die Zahl der Tauben auf natürliche Weise zu begrenzen.“ Denn: In einem Taubenhaus, wie es hier eingebaut würde, werden die echten Eier durch Attrappen ausgetauscht. Derzeit gibt es in München elf solcher Taubenschläge (Augsburger Modell, siehe unten), unter anderem an der Münchner Freiheit, an der Arena und am Hauptbahnhof. Die Taube bemerkt den Austausch der Eier nicht, brütet auf dem künstlichen Ei und bekommt keinen Nachwuchs. Judith Brettmeister, Sprecherin des Tierschutzvereins, sagt: „Das ist wirklich eine sinnvolle Sache. Man muss wissen, dass unsere Stadttauben ja eigentlich verwilderte Brieftauben sind. Und die sind so gezüchtet, dass sie bis zu sieben Mal pro Jahr brüten …“ Ergebnis: aktuell rund 40 000 Tauben in der ganzen Stadt. Keine Plage, aber doch viel … Und auch am Viktualienmarkt sind die Vögel gern. Pfarrer Schießler sagt: „Der Markt ist ja ein Paradies für Tauben.“ Hier, wo’s Brezn-Brösel aufzupicken gibt und wo’s dank Fußgängerzone keine Auto-Gefahr gibt.

Teure Umbaumaßnahmen könnten das Projekt verhindern

Der Dachboden.

Katrin Zettler, Sprecherin des Referats für Gesundheit und Umwelt, sagt: „Wir suchen schon seit Jahren nach einer Lösung. Alle bisherigen Ideen für ein Taubenhaus am Markt haben sich aber nicht umsetzen lassen. Im Kustermann-Haus gab’s Widerstände, im Rathaus ist wegen der Technik zu wenig Platz, am Tonnenhaus des Markts ist zu viel Betrieb.“ Deswegen ist man auf Heilig Geist gekommen – im Dachboden, also zwischen der Decke des Hauptschiffs und dem Dach. Der Einflug durch eine Luke würde funktionieren, die Höhe ist ideal. Und die Vögel hätten ihre Ruhe. Allerdings: Die Sache ist kompliziert. Das Vogelhaus für 200 bis 250 Tiere – eigentlich ein Sperrholzverschlag – ist schwer. Deshalb müsste man wohl einen Stahlträger ins Kirchendach einbauen, damit das Taubenhaus sicher hält. Das hat eine statische Überprüfung im Auftrag des Tierschutzvereins ergeben. Probleme: Diese Lösung wäre erstens sehr teuer und zweitens sehr kompliziert. Man bräuchte wohl sogar einen Kran auf dem Markt, um den Träger hochzuhieven.

Heilig-Geist-Mesner Gerhard Rudzki (68).

Judith Brettmeister vom Tierschutzverein sagt: „Ein Architekturbüro hat die Sache geprüft. Es sieht allerdings danach aus, als dürften die Kosten sehr hoch werden.“ Als Budget stünden 15.000 Euro zur Verfügung – nach aktuellen Einschätzungen gut möglich, dass das nicht für das Kirchen-Projekt reicht. Wenn’s tatsächlich so kommt? „Dann müssten wir weitersuchen“, sagt Katrin Zettler vom Umweltreferat. Brettmeister schlägt für diesen Fall einen sogenannten Taubenturm vor. Beispiele sind auf dem Gelände des Tierheims in Riem zu besichtigen. Das wäre dann allerdings ein Fall für den Stadtrat.

tz-Stichwort Augsburger Modell

In Augsburg gibt’s quasi betreutes Wohnen für Tauben. In den Taubenschlägen werden die Tiere gefüttert und die Eier durch Attrappen ausgetauscht. Ehrenamtliche Helfer reinigen die Verschläge vom Kot der Vögel. Die Einrichtung eines Taubenhauses kostet zwischen 6000 und 12 000 Euro, für die jährliche Betreuung werden im Durchschnitt 7500 Euro fällig. Das Augsburger Modell gilt als erfolgreich – auch, weil man kranke Tiere relativ einfach erkennen und behandeln kann. Katrin Zettler vom Referat für Gesundheit und Umwelt weist darauf hin, dass man Stadttauben außerhalb offizieller Programme nie füttern soll.

Uli Heichele, Florian Fussek

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