Marathonsitzung über zehn Stunden?

Überflüssiges Luxusprojekt oder faszinierende Idee? Stadt lässt Isarflussbad genau prüfen

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Sie gehören zweifellos zu den Befürwortern eines Isarflussbads.

Überflüssiges Luxusprojekt oder faszinierende Idee? Am Isarflussbad scheiden sich die Geister. Der Stadtrats hat sich nun mit knapper Mehrheit für eine Untersuchung ausgesprochen.

München - Schon am Montag hatten sich mehrere Stadträte auf Einladung der Urbanauten um den Kulturmanager Benjamin David demonstrativ zu einem Testschwimmen getroffen. Am Mittwochabend wurden nun die Weichen für ein Isarflussbad gestellt – was von den Befürwortern postwendend mit einem Sprung ins kühle Isarnass gefeiert wurde. Urbanaut David hechtete an vorderster Stelle.

Vorgesehen wäre das Flussbad zwischen Corneliusbrücke und Praterwehr in zwei Bereichen. Der erste Abschnitt ist etwa 650 Meter lang. Der Bereich im sogenannten Wehr VI bleibt aufgrund der Gefahren vom Schwimmbereich ausgenommen. Im zweiten Abschnitt würde eine deutlich kürzere Isarflussbadlänge zwischen Mariannenbrücke und Praterwehr auf einer Strecke von etwa 150 Metern entstehen.

Überflüssiges Luxusprojekt?

Eine Machbarkeitsstudie der Firma Werner Consult aus Wien hatte zuvor ergeben, dass diese Bereiche am geeignetsten für ein Flussbad wären. Baden soll dort in einem gesicherten Bereich möglich sein und entsprechende Infrastruktur einen gewissen Komfort bieten. Die Gestaltung der Zugänge ist offen, möglich wären Einstiege über Rampen oder Treppen oder die Anbringung einer Plattform über dem Fluss.

Hier soll das Isarflussbad entstehen.

Es war eine kontroverse Debatte am Ende einer knapp zehnstündigen Marathonsitzung des Münchner Stadtrats. Der große Streitpunkt: Braucht die Stadt überhaupt ein Flussbad an der Isar? CSU, Grüne, FDP meinten Ja, SPD, ÖDP, Linke und Bayernpartei bewerteten es als überflüssiges Luxusprojekt. Die Gegner bemängelten vor allem die hohen Kosten von geschätzt zehn bis 19 Millionen Euro, die in keiner Relation zum Nutzen stünden. Näheres soll die vertiefende Untersuchung ergeben.

Das ändert sich bei den Münchner Freibädern in diesem Jahr

Im Schyrenbad geht es nass nei – ab 29. April.
Im Schyrenbad geht es nass nei – ab 29. April. © Reinhard Kurzendörfer
Freibad-Saison, München, Bad Maria Einsiedel, Sendling
Verschlammte Becken im Maria-Einsiedel-Naturbad. © Marcus Schlaf
Freibad-Saison, München, Bad Maria Einsiedel, Sendling
Verschlammte Becken im Maria-Einsiedel-Naturbad. © Marcus Schlaf
Freibad-Saison, München, Bad Maria Einsiedel, Sendling
Verschlammte Becken im Maria-Einsiedel-Naturbad. © Marcus Schlaf
Freibad-Saison, München, Bad Maria Einsiedel, Sendling
Verschlammte Becken im Maria-Einsiedel-Naturbad. © Marcus Schlaf

Außerdem sei das Bad wohl aufgrund der Wassertemperaturen an maximal 60 Tagen im Jahr nutzbar, bemängelten Brigitte Wolf (Linke) und Tobias Ruff (ÖDP). Sie forderten, das Projekt sofort zu stoppen. Das Flussbad koste mehr als die Sanierung des Cosima-Wellenbads, so Wolf. Ruff prophezeite, das Flussbad werde sowieso nie kommen, weil die Wasserqualität häufig zu schlecht sei und es überdies nur für gute Schwimmer geeignet wäre. Johann Altmann (Bayernpartei) sprach von einem Schildbürgerstreich. Sein Fraktionskollege Mario Schmidbauer sagte, er sei schon als Kind in der Isar geschwommen. Aber den vorgesehenen Abschnitt zwischen Cormelius- und Maximiliansbrücke habe er immer gemieden, weil er zu gefährlich sei.

„Sportliche“ Kosten

Hans Theiss von der CSU sprach hingegen von einem „faszinierenden Projekt“. Die Kosten seien zwar „in der Tat sportlich“. Er sei aber überzeugt, „dass es günstiger geht“. Das vorgelegte Konzept sei „frisch und innovativ“. Er hoffe auf ein Bad für alle Gesellschaftsschichten und Altersklassen. Die Grünen wünschen sich eine zurückhaltende Lösung, die keinen Eintritt kosten soll.

OB Dieter Reiter (SPD) war während der Abstimmung nicht mehr zugegen. Anders als die Stadtratsfraktion seiner Partei sieht er das Flussbad aber nicht so kritisch. Die Stadt sollte die Idee zumindest auf ihre Realisierbarkeit und die Kosten hin prüfen, sagte Reiter schon zuvor am Rande der Sitzung. Mit einer vertiefenden Untersuchung vertue man sich nichts. Unklar ist indes auch noch, wie ein Flussbad betrieben werden könnte. Sollen dies die Stadtwerke übernehmen oder ein Privatbetreiber? Diese Fragen müssen nun beantwortet werden.

Klaus Vick

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