Kleinere Filiale am Marienplatz gesucht

Stadt überrascht vom endgültigen Hugendubel-Aus

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Die größte Filiale des Buchhändlers muss schließen.

München - Im Krimi um den Hugendubel am Marienplatz wird das letzte Kapitel aufgeschlagen – es wird wohl kein Happy End haben: Jetzt verkündet Chefin Nina Hugendubel das endgültige Aus für die größte Filiale des Buchhändlers!

Nina Hugendubel führt das Familienunternehmen

„Es ist nach wie vor so, dass sie auf jeden Fall schließen wird, auch wenn das schmerzlich ist“, widerspricht Hugendubel Spekulationen, dass das Buchgeschäft mit 85 Mitarbeitern doch bleiben kann. Das Ende! Wieder muss ein Laden dichtmachen, der seit Jahrzehnten das Gesicht der besten Stube der Stadt prägt: Immobilien-Eigentümer Schörghuber will das Haus sanieren und die Fassade im ursprünglichen 50er-Jahre-Stil wiederherstellen – und hat Hugendubel den Mietvertrag nicht verlängert. Stattdessen soll die Telekom auf vier Etagen einziehen. Im Januar kochten noch Gerüchte hoch, dass die Telekom mit Hugen­dubel über eine Untermiete verhandelt – wohl aber nur für eine Etage und das auch erst nach einem Umbau von eineinhalb Jahren. Laut Verdi-Gewerkschafter Georg Wäsler hat die Geschäftsleitung die Gespräche erst jüngst gegenüber der Belegschaft bestätigt. Nun scheinen sie gescheitert zu sein.

Schmid von der Entwicklung "sehr überrascht"

Zweiter Bürgermeister und Wirtschaftsreferent Josef Schmid (CSU) zeigt sich auf Anfrage der tz „sehr überrascht, nach den positiven Signalen der letzten Monate“. Erst vor wenigen Wochen hatten ihm Betriebsräte eine Petition mit 8900 Unterstützern sowie die Unterschriften von Hunderten Kunden überreicht, die einen Erhalt fordern. Die Münchner hängen an dem 1893 gegründeten Familienunternehmen.

„Wir haben uns enorm gefreut über den Zuspruch“, sagt Hugendubel. „Aber zumindest suchen wir weiterhin nach einer kleineren Filiale rund um den Marienplatz.“ Der Buchhändler wolle ohnehin bundesweit seine Strategie ändern – weg von 2000 und mehr Quadratmeter großen Erlebniswelten mit Kinderspielzeug und Co., hin zu 600 Quadratmeter großen Läden mit intensiver Beratung. Im Rest der Republik will Hugendubel seine 90 Filialen halten – auch die am Stachus.

Die Gewerkschaft Verdi macht sich kaum Hoffnungen auf einen neuen Standort am Marienplatz. „Der wäre nur zusammen mit der Stadt zu finden“, sagt Sekretär Georg Wäsler der tz. Eine Horde Makler sei hinter Hugendubel her – allerdings seien viele Standorte schlecht gelegen, strategisch unpassend oder teuer.

Das sagen die Münchner zum Hugendubel-Aus

Damit verschwinden Erinnerungen

„Vor allem meine Frau ist sehr traurig. Sie war sehr oft hier. Ich war vor allem wegen der Schulbücher meiner Kinder im Hugendubel. Damit verschwinden auch Erinnerungen. Ich lebe seit 48 Jahren in München und der Laden war für mich immer da. München verliert gerade ein bisschen seine Identität.“

Donato Longo (64), Monteur bei BMW aus München

München verliert Institution

„Mit dem Hugendubel verschwindet auch ein Geheimtipp von München: das Café! Für mich war das immer ein toller Treffpunkt. Man konnte bei einer Tasse Kaffee kostenlos Zeitschriften lesen und hatte dazu einen tollen Blick auf den Marienplatz. Mit dem Hugendubel verliert München wieder eine echte Institution.“

Irmi Müller (63), Rentnerin aus München

Bücher sind leider auf dem Rückzug

„Ich finde das Ganze sehr schade. Der Weggang des Hugendubel ist für mich ein Sinnbild für den Rückgang der Bücher. Ich war schon öfter hier im Laden, aber er war mir eigentlich immer zu voll. Es ist auch traurig, wenn hier eine andere Fassade herkommt. Mir hat die alte Fassade einfach so gut gefallen.“

Gertrud H. (77), Rentnerin aus München

dac

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