Kunstministerium schweigt sich aus

Scientologe in führender Position? Zoff im Haus der Kunst

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In dem Museum soll angeblich ein Scientologe arbeiten.

Im weltweit bekannten Museum Haus der Kunst soll ein Scientologe in führender Position tätig sein. Dem Aufsichtsrat ist das seit anderthalb Jahren bekannt, passiert ist allerdings noch nichts.

München - Bayerns Verfassungsschutzbericht lässt keine Zweifel offen. Die Scientology-Organisation baue „auf ein totalitäres Herrschaftssystem, das Gewalt und Willkürherrschaft einschließt“, missachte Grundrechte, die Menschenwürde. Der Staat behält die Organisation genau im Blick. Umso ungewöhnlicher ist da ein Verdachtsfall aus dem Haus der Kunst in München: Dort arbeitet offenbar in führender Position ein Scientologe – das Kunstministerium schaut seit mindestens 2015 zu, trotz mehrfacher Warnungen.

Der Mann ist in dem weltweit bekannten Museum schon lange eingesetzt; offenbar als externer Dienstleister, aber geführt als Mitglied des „Teams“ mit eigener Durchwahl. Genau belegt ist sein Engagement bei Scientology nicht. Er dementiert auf Nachfrage nicht, verweist auf seine „Privatsphäre“ – und beendet das Telefonat. Unter Mitarbeitern und im Aufsichtsrat ist der Fall aber seit Monaten bekannt. „Ich habe im Herbst 2015 erfahren, dass es Scientologen gibt im Haus der Kunst“, sagt der ehemalige Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP). Er habe 2015 offiziell den Aufsichtsrat damit befasst und auf die Ablösung des Mannes gedrängt. Passiert sei nichts, so Heubisch. Im Sommer 2016 habe er es erneut thematisiert, im Dezember wieder.

Aufsichtsrat – das bedeutet, dass der Fall ganz oben angekommen ist. Vorsitzender ist Kunstminister Ludwig Spaenle (CSU). Auch Beamte seines Hauses und des Finanzministeriums nehmen an den Sitzungen teil. Sie wissen also von Heubischs Vorwürfen. Auch die Münchner SPD-Abgeordnete Isabell Zacharias schaltete sich ein. Zuletzt schrieb sie eine Eil-Anfrage an Spaenles Ministerium: Ob der Scientology-Vorwurf zutreffe? Das Ministerium verweigert ihr die Antwort – es gehe um „Persönlichkeits- und Datenschutzrechte des Dienstleisters“.

Sonst schaut der Freistaat genauer hin. Wer sich auf irgendeine Stelle beim Staat bewirbt, muss alle Kontakte zu verfassungsfeindlichen Organisationen nennen. Zu Scientology gebe es einen Fragebogen, so Experten des Beamtenbunds. Wenn sich ein Bewerber nicht hinreichend und glaubhaft distanziere, könne er nicht eingestellt werden.

Lesen Sie hier:„Haus der Kunst - Rekonstruktion oder Renovierung? Heftige Diskussion um Sanierungspläne“

cd

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