"Projekt nicht mehr zeitgemäß"

Thomas-Wimmer-Ring: Bürgervotum gegen Parkhaus

München - Anwohner befürchten, dass das Großprojekt am Thomas-Wimmer-Ring-zusätzlichen Autoverkehr anzieht – Kritik am Planungsreferat: „Wir werden hingehalten“.

Das geplante Parkhaus für mehr als 500 Autos am Thomas-Wimmer-Ring ist weiterhin umstritten. Bei der Bürgerversammlung des Bezirks Altstadt-Lehel bekräftigten die Bewohner ihre ablehnende Haltung mit einem nahezu einstimmigen Votum.

Zuvor hatten mehrere Bürger ihre Bedenken vorgetragen. Vor allem aus ökologischen Gründen sei das Projekt nicht mehr zeitgemäß, hieß es. Die Regierung von Oberbayern hatte die Stadt unlängst ermahnt, mehr Maßnahmen zur Reinhaltung der Luft zu ergreifen und notfalls den Autoverkehr zu drosseln. Die Schadstoffkonzentration in der Stadt sei zu hoch. Diskutiert wird unter anderem über Zufahrtsbeschränkungen in Zeiten hoher Schadstoffbelastung.

Vor diesem Hintergrund halten viele Bürger das Großprojekt „Tom“, bei dem nur eine relativ geringe Anzahl von Anwohner-Stellplätzen vorgesehen ist, für fragwürdig. Hans-Joachim Heinke sagte: „Das zieht mehr Autos an und bedeutet noch mehr Luftverschmutzung.“ Derart große Parkhäuser gehörten an den Stadtrand. Heinke sprach von einer Fehlentscheidung des Stadtrats. Man solle sich endlich „von der Idee einer autogerechten Stadt verabschieden“.

Die Projektbeschlüsse des Stadtrats stammen aus den Jahren 2007 und 2009. Die Inbetriebnahme der dreistöckigen Tiefgarage ist für Sommer 2018 angepeilt, die Bauzeit dürfte zwei Jahre betragen. Das neue Parkhaus unter dem Thomas-Wimmer-Ring soll dann die nach Abriss des Fina-Parkhauses an der Hildegardstraße wegfallenden Stellplätze ersetzen.

Die Stadt hatte das in die Jahre gekommene und oft als Bausünde titulierte Parkhaus im April 2013 an den Immobilien-Spezialisten „Wöhr + Bauer“ verkauft. Der Privatinvestor realisiert das Bauvorhaben nun im Auftrag der Stadt, die Kosten werden aufgeteilt. Eine Konstruktion nach dem Prinzip eines „Public-private-Partnership“ (PPP), die von manchem Bürger ebenfalls argwöhnisch beäugt wird. Beim PPP handelt es sich um eine vertraglich geregelte Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und Unternehmen der Privatwirtschaft. Die ökonomischen Konsequenzen seien für die Stadt nicht abzusehen, hieß es bei der Bürgerversammlung. Ebenfalls gefordert wurde eine Umweltverträglichkeitsprüfung vor Beginn der Baumaßnahme. Generell wurden die schleppende Bearbeitung der Bürgeranträge und die Informationspolitik der Stadtverwaltung über das weitere Procedere bei diesem Projekt kritisiert. Laut Heinke wartet man seit der Bürgerversammlung 2013 auf Antworten zu den aufgeworfenen Fragen. „Wir werden hingehalten vom Planungsreferat.“

Einstimmig sprach sich die Bürgerversammlung des Bezirks Altstadt auch für verstärkte Geschwindigkeitskontrollen auf dem Thomas-Wimmer-Ring aus. Der Abschnitt zwischen Maximilianstraße und Isartor sei eine Rennstrecke, sagte Heinke.

Der stellvertretende Vorsitzende des Bezirksausschusses, Wolfgang Püschel (SPD), erkannte zumindest Teilerfolge der Bürger beim Projekt „Tom“. So sei die Anregung, den Thomas-Wimmer-Ring zwischen Maximilianstraße und Isartor von sechs auf vier Fahrspuren zu reduzieren, im Planungsreferat „gut angekommen“.

Klaus Vick

Rubriklistenbild: © mzv-tz

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