Gottesdienst für 500 Tierbesitzer

Tier-Messe: Hier kriegen die Viecherl ihren Segen

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Zur Tier-Messe in der Sankt Maximilianskirche kamen rund 500 Besitzer mit ihren Tieren, um sich von Pfarrer Schießler den Segen abzuholen.

München - Pfarrer Rainer Schießler hat am Sonntag zur Tier-Messe gerufen - und über 500 Tierbesitzer sind seiner Einladung gefolgt. Die tz hat sich bei einigen Gottesdienst-Besuchern umgehört.

Dieses Pfarrer ist auf den Hund gekommen! Am Sonntagvormittag hielt Rainer Schießler wieder seine Viecherlmesse in der Sankt Maximilianskirche. 500 Tierbesitzer besuchten den Gottesdienst im Glockenbachviertel und ließen ihre Tiere segnen.

Schon über eine Stunde vor dem Beginn der Heiligen Messe gehen die Hundefreunde Gassi vor der Kirche. Es ist zum Jaulen: Nicht alle passen rein. Zu groß ist der Andrang, zu beliebt der Pfarrer. Dieser Schießler! In grüner Robe begrüßt er die Hundebesitzer und ihre Tiere. Er lobt und streichelt die Viecherl: „Auch euch hat der liebe Gott in sein Herz geschlossen.“. Der Pfarrer weiß: Einige sind krank oder haben gelitten. Der Segen soll sie genesen – und auch in Zukunft behüten.

„Der Heilige Geist sei mit euch“, begrüßt Schießler das Rudel seiner Gemeinde – und gibt, als der Moment kommt, sich zu setzen, das Kommando: „Platz!“ Da hallt das wunderbare Lachen der Besucher so laut durch die Kirche, dass es selbst die Hunde nicht mehr auf den Sitzen hält: Sie kläffen und johlen und jaulen, die Katzen miauen, und Schießler braucht ein Mikrofon, um seine vierbeinigen Freunde in der Predigt zu übertönen. „Die Tiere geben uns so viel zurück: Liebe, Vertrauen, Geborgenheit und Zuwendung. Für manche Menschen sind sie ihr Ein und Alles“, sagt der Pfarrer. „Dieser Gottesdienst ist auch eine Form des Protests – gegen Tierquälerein und die oft schlimmen Zustände in der Tierhaltung. Der faire Umgang mit den Tieren steht auch für einen fairen Umgang unter Menschen. Wir sind alle eine Gemeinschaft.“

Tiere in der Kirche – ist das Klamauk? Nein, knurrt Schießler. „Wir vermenschlichen keine Tiere, sondern übernehmen Verantwortung – für wunderbare Lebewesen der Schöpfung.“ Für ihn hat das Thema religiöse Tiefe – galt doch schon Franziskus von Assisi im 13. Jahrhundert als Schutzpatron, der in den Tieren lebendige Geschöpfe Gottes und den Bruder des Menschen sah.

Das ist bis heute so: Auch der Tierschutzverein München nimmt an der Heiligen Messe teil – mit verlassenen Hunden aus dem Heim. Auch sie erhalten den Segen des Pfarrers, als er Tiere und Herrchen am Ende um sich schart. Dass dabei alle brav bleiben: Es ist ein kleines Wunder!

Andreas Thieme

Bambam, der Bengel

Bengal-Katze Bambam mit Frauchen.

Bengal-Katze Bambam ist nachtaktiv, zerkratzt gerne Möbel. "Sie ist ein kleiner Teufel", scherzt die Besitzerin. "Der Segen soll sie beruhigen."

Murphy ist verletzt

Jack Russel Terrier Murphy

Jack Russel Terrier Murphy (7) hat eine schwere Kreuzband-OP hinter sich, momentan kann der Rüde noch nicht laufen und fährt im Kinderwagen mit. "Ich hoffe, der Segen hilft", sagt Brigitte Jestand.

Auch Tiere haben Seelen

Andrea Spörlein (41) kam mit Hovawart-Mischling Chon-Chy.

Andrea Spörlein (41) kam mit Hovawart-Mischling Chon-Chy (6). "Der Name ist koreanisch und steht für Himmel und Erde. Ich glaube daran, dass alle Lebewesen eine Seele haben."

Ihre Hunde heirateten

Werner (55) und Kathrin Waldhütta (60) mit ihren Hunden Sissi (6) und Bepperl.(7)

Werner (55) und Kathrin Waldhütta (60) lieben ihre Hunde Sissi (6) und Bepperl (7) so sehr, dass sie sie sogar vermählt haben! "Die schöne Tiermesse bei Pfarrer Schießler hat bei uns Tradition."

"Schöne Messe"

Elke Gruber (46) und Steffen Hochhaus (39) mit ihren Hunden.

Zwei Herrchen, fünf Vierbeiner – eine Familie! "Wir glauben an den Segen – was für eine schöne Messe", sagen Elke Gruber (46) und Steffen Hochhaus (39). Sie kamen mit Liesel, Emma, Hunter, Coquite und Tobi.

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