Neue kaufkräftige Zielgruppe

Chinesische Touristen erobern Münchens Geschäfte

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Chinesische Touristen am Marienplatz.

Eine neue kaufkräftige Touristengruppe erobert die Stadt: Chinesen. Die Zahl der Gäste aus Fernost nimmt seit Jahren zu, und sie konsumieren viel. Das freut vor allem den Handel.

Liebe Russen und Araber: Aufgepasst, eine neue kaufkräftige Touristengruppe erobert die Münchner Innenstadt: Chinesen! Der Handelsverband Bayern stellt in einer bundesweit einzigartigen Studie zum Kaufverhalten von chinesischen Touristen fest: Die Gäste aus Fernost werden mehr – und sie kaufen viel. In den vergangenen zehn Jahren ist der Anteil der Touristen aus China um 10,8 Prozent angestiegen. Rund 513 Euro gibt ein Chinese am Tag aus. Zum Vergleich: Bei arabischen Touristen sind es 367 Euro pro Kopf und Tag.

Eduard Schöwe, Geschäftsführer Galeria Kaufhof.

Das freut vor allem den Handel, dem durch asiatische Gäste 188 Millionen Euro im Jahr in die Kassen gespült werden. Einzelne Geschäfte haben auf diese Entwicklung reagiert: Kooperationen mit Reiseveranstaltern sind beispielweise sehr beliebt, denn Chinesen reisen bekanntlich hauptsächlich organisiert. „Es gibt Reiseführer, die ihre Gruppen explizit zu uns ins Haus führen“, sagt Eduard Schöwe, Geschäftsführer von Galeria Kaufhof am Marienplatz. Für seine Mitarbeiter sei der Umgang mit der neuen Kundengruppe nicht immer einfach. „Chinesische Kunden fallen am meisten auf. Sie sind sehr laut und bleiben auch mal direkt im Eingangsbereich stehen“, erzählt er. Dabei freundlich zu bleiben, das mussten seine Angestellten erst einmal lernen…

Zwar wollen die Reisenden aus dem Land des Lächelns hauptsächlich die Sehenswürdigkeiten abklappern. Rund 37 Prozent verbringen die Zeit aber lieber beim Shoppen. Im Schnitt verbringen sie nur zweieinhalb Tage in der Stadt – da muss es schnell gehen. „Die haben beim Shoppen richtig Leistungsdruck“, sagt Schöwe. Die meisten informieren sich daher schon vor ihrer Reise über Einkaufsmöglichkeiten und Produkte im Internet.

Im Gegensatz zu Besuchern aus Nahost suchen die Kunden aus dem fernen Osten allerdings weniger nach Luxusartikeln: 61 Prozent bevorzugen nach Produkten im mittleren Preissegment – am liebsten „Made in Germany“. Die Echtheit der Produkte sei sehr wichtig, erzählt Schöwe: „Koffer von Rimova zum Beispiel gibt es auch in China zu kaufen, dort sind sie allerdings erheblich teurer. Hier ist gesichert, dass es sich nicht um einen ,fake‘ handelt.“

Seit 2015 stagniert die Reisewelle ein wenig. Ein Grund dafür: verschärfte Visa-Bedingungen. Und zudem besteht noch Bedarf, sich stärker auf die neue Zielgruppe einzustellen: Chinesische Produktinformationen, chinesisch-sprechendes Personal – das könnte in Zukunft auf die Kunden zukommen. Schöwe beschwichtigt: „Unsere wichtigsten Kunden sind und bleiben die Münchner.“

Top 4 der meistgekauften Produktgruppen

1. Lebensmittel

57 % der Dinge, die Chinesen in München kaufen, sind Lebensmittel – vor allem Milchpulver.

2. Kleidung

Mit 31 % ebenfalls sehr beliebt. Im Gegensatz zu den Arabern geht’s kaum um Luxus-Klamotten.

3. Parfum & Co.

Auch in Drogerien kaufen Chinesen gern ein – 20 % entfallen auf Parfum, Seifen etc.

4. Haushaltswaren

Immerhin 17 % der gekauften Gegenstände sind Haushaltswaren. Der Hit darunter: WMF-Besteck.

Was den Touristen aus China gefällt und missfällt

  • 38 Prozent der chinesischen Gäste loben den hilfsbereiten und freundlichen Service.
  • 22 Prozent finden die Markenvielfalt gut.
  • 6 Prozent freuen sich darüber, dass sich die Läden auf die Innenstadt konzentrieren.
  • 44 Prozent klagen über Verständigungsprobleme und unklare Beschilderung.
  • 14 Prozent beschweren sich über ungeduldige oder grantige Servicekräfte in Münchner Läden oder Restaurants.
  • 11 Prozent bemängeln zu wenige oder schlecht ausgeschilderte Toiletten.

Wir haben uns umgehört: Das sagen chinesische Touristen

Shoppen für 2000 Euro: Ich bin mit meiner Frau für eine Woche zu Besuch. Wir wohnen im Derag Livinghotel und zahlen für sechs Nächte um die 1000 Euro. Essen gehen wir nur in chinesische Restaurants. Mein Shoppingbudget liegt bei ungefähr 2000 Euro. Ich will meiner Tochter ein Teleskop mitbringen, mit dem wir die Sterne beobachten können.

Jing Jie Li (37), Salesdirektor bei einer Airline

Tasche von Louis Vuitton: Ich bin gerade erst angekommen und bleibe für sechs Tage im NH Hotel an der Messe. Eine Übernachtung dort kostet rund 80 Euro. Heute will ich erst einmal shoppen gehen, morgen schaue ich mir Sehenswürdigkeiten an. Vielleicht kaufe ich eine Tasche von Louis Vuitton. Ich will außerdem die einheimische Küche kennenlernen.

Li-Hui (33), Salesmanagerin.

Neuer Koffer von Rimowa: Ich bin nur für ein paar Tage in Deutschland und wohne im Arthotel München. Wie viel die Übernachtung kostet, weiß ich nicht, das ist in den Gesamtreisekosten enthalten. Mein Budget liegt insgesamt bei rund 1000 Euro, davon möchte ich mir bei Kaufhof einen neuen Koffer von Rimowa kaufen. Der Rest ist für Verpflegung. Nach München geht es weiter nach Paris zum Shoppen. 

Chi Fang Run (42), Servicekraft

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