Traditionsgeschäft im Ruffinihaus

Nach über 100 Jahren: Tremel Dessous schließt

+
Ausverkauf: 1981 übernahm Simin Elmpak das Traditionsgeschäft Tremel Dessous im Ruffinihaus.

Mehr als 100 Jahre gibt es das Traditionsgeschäft Tremel Dessous im Ruffinihaus – nun schließt der Laden von „Frau Elmi“. 

München - Nein, leicht wird Simin Elmpak der Abschied von ihrem Laden nicht fallen. „Man fühlt sich schon ein Stück verantwortlich für seine Kunden, und viele fragen jetzt schon, was sie ohne mich machen sollen“, sagt sie ein wenig wehmütig. 

Seit 1981 führt Elmpak nun schon den Laden „Tremel Dessous“ im Ruffinihaus, irgendwann in den kommenden Monaten will sie ihn zumachen – für immer. Der Mietvertrag mit der Stadt ist bereits gekündigt, schon jetzt hängen die Rabattschilder im Fenster. „Der Umbau im Ruffinihaus steht bevor, aber aus gesundheitlichen Gründen habe ich beschlossen, mich jetzt schon zu verabschieden“, erklärt die 73-Jährige ihre Entscheidung für den Ruhestand.

Mit der Schließung verschwindet eine Einzelhandels-Institution aus der Innenstadt. Denn einen Nachfolger für das über 100 Jahre alte Geschäft wird es nicht geben. „Ich habe leider niemand Passendes finden können“, sagt Elmpak.

Ihre Nische war die Spezialisierung

Dass der kleine Laden direkt in der Münchner Innenstadt in Wurfweite der großen Ketten und in Zeiten des Internethandels überhaupt bis heute überlebt hat, verdankt er sicher auch Elmpaks Engagement. Denn die erkannte früh, dass ihre Chance gegen die Konkurrenz in der Spezialisierung lag und fand ihre Nische im Verkauf großer Größen. BHs bis 95H hat die Geschäftsfrau vorrätig. Elmpaks Motto: „Unmögliche Größen gibt es nicht.“

So bildete sich schnell ein Netzwerk aus treuen Stammkundinnen. Familien und Arbeitskolleginnen empfahlen den Laden weiter, weil es dort das gab, was man in vielen anderen Geschäften in der Innenstadt vergeblich suchte: Beratung. „In all den Jahren haben mir meine Kundinnen immer sehr vertraut, dafür bin ich wirklich sehr dankbar“, meint Elmpak, die viele ihrer Kundinnen nur „Frau Elmi“ nennen.

In 35 Jahren hat sich viel verändert - Tremel ging mit der Zeit

In über 35 Jahren im Dienste des Untendrunters hat sich einiges getan. Zweimal baute Elmpak den Laden um, passte das Sortiment auch internationalen Trends an. „Früher gab es viel weniger Auswahl, vieles war hautfarben oder weiß, mit der Zeit kamen immer neue Farben und Schnitte dazu“, erzählt sie.

Auch dass sich das Selbstbewusstsein der Frauen in den vergangenen Dekaden verändert hat, konnte Elmpak beobachten. Galt Unterwäsche früher als funktionale Notwendigkeit, ist sie heute wichtiger Bestandteil des Outfits. „Schöne Unterwäsche gehört heute für viele Frauen einfach dazu – egal welche Figur“, so Elmpak.

Am Herzen lagen der Verkäuferin aus Leidenschaft dabei in all den Jahren vor allem ihre jungen Kundinnen: „Besonders schön fand ich es immer, jungen Mädchen bei der Suche nach der richtigen Größe zu helfen. Denn ein gut sitzender BH kann so viel zum Wohlbefinden beitragen, gerade in diesem Alter.“

Um das Vertrauen auch der jüngsten Kundinnen zu gewinnen, war Elmpak die persönliche Atmosphäre in ihrem Laden immer wichtig. „Viele Kundinnen reden mit mir auch über Persönliches“, erzählt Elmpak. Es sind auch diese Gespräche, die ihr den bevorstehenden Abschied schwer machen. Eines aber wird Elmpak auch über das Ende von „Tremel Dessous“ erhalten bleiben:„Ich habe in diesem Laden so viele schöne Dinge erlebt und so viele gute Erinnerungen gesammelt. Das nehme ich alles mit.“ 

Tremel Dessous ist nicht der einzige Laden, von dem sich die Münchner in der letzten Zeit verabschieden mussten. In der Sendlinger Straße etwa schloss 2016 „Lewandowski Korsetten“.   Nach fast 400 Jahren musste im Herbst 2016 die Karmeliten-Apotheke in der Altstadt ihre Türen schließen. Ende 2015 wurde der schrille und zugleich legendäre Kostumladen „Cinyburg“ aufgegeben. 2014 verabschiedeten sich die Münchner schweren Herzens von der Confiserie Rottenhöfer in der Residenzstraße. 2012 gab es reichlich Wirbel um die Schließung des „Stempel Berger“ im Rathaus. 

Diese Münchner Läden müssen Sie gesehen haben

Annika Schall

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Familienvater (49) aus München stürzt in den Tod
Familienvater (49) aus München stürzt in den Tod
Deshalb machten die SWM 2016 Millionenverluste
Deshalb machten die SWM 2016 Millionenverluste
Faktencheck: Darum kostet die Wohnungsnot die Stadt Millionen
Faktencheck: Darum kostet die Wohnungsnot die Stadt Millionen

Kommentare