Gefälschte Karten für Bayern-Real-Spiel verkauft

Tränen vor Gericht: So wurden die Ticket-Gauner vom Marienplatz bestraft

Der Marienplatz in München von oben

Italiener verkauften am Marienplatz gefälschte Karten für das Champions League-Spiel der Bayern gegen Real Madrid. Jetzt wurde der Fall verhandelt. Am Ende gab es Tränen.

München - Wie Ministranten im Beichtstuhl ducken sich die drei Italiener auf der Anklagebank. Pasquale C. (47), beide Arme volltätowiert, stiert ins Leere. Luigi R. (36), eine Frisur wie ein Mönch, blickt flehend gen Himmel. Antonio C. (40), Glatze und Kette mit Silberkreuzchen, plärrt Rotz und Wasser. Jetzt, unter den Augen der Richterin, wirken die bulligen Männer wie kleine Buben. Im April aber sahnten sie noch ab wie die Großen.

Mitten auf dem Marienplatz verkaufte das Trio gefälschte Karten für das Halbfinale der Champions League – Bayern gegen Real Madrid. Für 200 Euro pro Ticket, Minimum. So machten sie 1100 Euro an einem Mittag. Dann flogen sie auf.

Nach München kamen sie, um zu betrügen

Die Männer leben in Italien. Nach München kamen sie, um zu betrügen. „Zu Hause gibt es wenig Arbeit“, sagt der Mann mit Tonsur. Alle haben Familie, halten sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, Trödler, Pizzabäcker, Fabrikarbeiter. Nur der weinende Antonio hat einen Hauptschulabschluss. Er heult schon, als die Richterin die Personalien abfragt – da ist die Anklage noch gar nicht verlesen.

Hinten: Einer der Betrüger im Gerichtssaal

Am Spieltag, dem 12. April, sollen sie einem irakischen Touristen und seinen zwei Kindern Tickets angedreht haben – drei für 700 Euro. Später verkauften sie einem Lageristen aus Algerien zwei Tickets – er wollte unbedingt Zinedine Zidane sehen, den Real-Trainer, dessen Eltern auch aus Algerien kommen. Er zahlte 400 Euro für zwei Tickets. „Sie sahen echt aus.“

Einem Iraker fällt der Schwindel auf

Die Fälscher fliegen auf, als der Iraker seine Karten mit denen anderer Fans vergleicht. Er geht zur Polizei, die nimmt die Gauner noch am Marienplatz fest.

Eine Dolmetscherin übersetzt die Anklage, die Italiener nicken. Dann lassen sie ihre Anwälte erklären: „Ja, wir räumen alles ein. Es tut uns leid.“ Keiner ist vorbestraft, seit vier Monaten sitzen sie in U-Haft.

Woher sie die gefälschten Karten haben, sagen sie nicht. Der Zeuge aus dem Irak erscheint nicht. Der Algerier sagt, er erkenne keinen der drei wieder. Es sei eine große Gruppe gewesen damals, acht Leute. Wer die anderen Männer sind? Auch darüber schweigen die Angeklagten.

Der Verteidiger von Luigi mit der Mönchsfrisur plädiert: „Wir müssen die Kirche im Dorf lassen. Die Käufer waren leichtsinnig, haben auf der Straße, auf dem Schwarzmarkt eingekauft – obwohl überall davor gewarnt wird.“

Auch die Richterin sagt, die Käufer hätten „arg blauäugig gehandelt“. Urteil für die Italiener: acht Monate auf Bewährung.

Im Flur fallen sich die Italiener in die Arme, Bussi da, Bussi dort, Luigi lässt die Hand seines Anwalts gar nicht mehr los – und Antonio weint lächelnd noch ein bisschen weiter.

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