Strömung riss Jugendliche mit

Tödliches Drama am Eisbach: So verlief die Suche nach Mariam

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Zum Gedenken an Mariam: Am Unglücksort liegen Blumen und Kerzen.

Mariams Tod im Eisbach hat in München für Bestürzung gesorgt. Nun berichtet ein junger Mann von den bangen Minuten, nachdem die 15-Jährige verschwunden war.

München - So viele Fragen. So wenige Antworten: Das Drama am Eisbach um den Tod der 15-jährigen Schülerin Mariam überschattet den sonst so fröhlichen Sommerstart im Englischen Garten. Am Dienstag berichtete die Polizei über die ersten Ermittlungsergebnisse. Mariam war Nichtschwimmerin. Das steht jetzt fest. Offensichtlich unterschätzte sie völlig die reißende Strömung und auch die Kälte des Baches, der derzeit noch keine 17 Grad warm ist und selbst im Hochsommer selten wärmer als 20 Grad wird.

Zu viert reihten sich die Mädchen gegen 17.50 Uhr am Ufer der Liegewiese unterhalb der Surf-Welle an der Prinzregentstraße auf. Alle vier Freundinnen hielten sich an den Händen, Mariam hatten sie in die Mitte genommen. Beim Absprung jedoch ließen die beiden äußeren Schülerinnen plötzlich die Hände los und blieben stehen. So sprangen nur die beiden mittleren Mädchen ins Wasser.

Passanten eilen zu Hilfe

Die Freundin tauchte gleich wieder auf. Aber wo war Mariam? In Panik sprachen die Mädchen alle möglichen Leute („Helft uns! Helft uns!“) an. Einige Helfer sprangen sofort in den Bach, tauchten und suchten. Doch Mariam blieb verschwunden.

Kurz nach 18 Uhr ging der Notruf einer Zeugin in der Einsatzzentrale der Polizei an. Kurz darauf raste eine Blaulicht-Armada von über 70 Polizisten und starken Kräften der Berufsfeuerwehr mit ihren Tauchern zur Prinzregentenstraße. Jeder Steg und jede Brücke wurde besetzt. Doch keine Spur von Mariam - eine schreckliche Stunde der Ungewissheit.

Erst gegen 19 Uhr dann die Nachricht: Das Mädchen wurde knapp zwei Kilometer bachabwärts am Tivolikraftwerk in der Hirschau gefunden - tot. Der Notarzt konnte nicht mehr helfen.

Mitschülerinnen versammeln sich am Unglücksabend

Die Trauer und auch das Mitgefühl für Mariams Familie und ihre Freunde ist so groß. Noch am Unglücksabend versammelten sich ihre Mitschülerinnen in einem Bogenhausener Mädchen-Gymnasium zum Gedenken.

Am Tag danach lag eine Schüler-Gruppe nur wenige Meter von der Unfallstelle entfernt. Einer von ihnen ist Sebastian (15, Name geändert). Er kam am Montag kurz nach dem Unglück zum Eisbach: „Ich war mit dem Rad im Englischen Garten unterwegs gewesen.“ An der kleinen Surfer-Welle entdeckte er die vielen Polizisten. „Mir war gleich klar, dass da etwas passiert sein musste.“ Er fragte die Polizisten, was los sei.

Rettungsschwimmer werden von Schüler instruiert

Bei den Beamten stand auch eine von Mariams Freundinnen. „Sie hat so geweint“, sagt er. Ein Polizist fragte den Schüler, ob er aus München sei und den Eisbach kenne: „Ich habe ihm genau erklärt, wie der Fluss verläuft“, sagt er. Mit der Beschreibung des Schülers gingen Rettungsschwimmer erneut auf die Suche nach Mariam. Und dann kam die traurige Nachricht: „Per Funk wurde durchgesagt, dass das Mädchen tot ist“, so der Schüler.

Am Dienstag war Sebastian mit seinen Freunden trotz allem wieder am Eisbach nahe der Unglücksstelle. „Es ist traurig zu wissen, dass hier jemand ertrunken ist“, sagt der Münchner Bub. Im Wasser war er trotzdem.„Ich kenne den Eisbach“, sagt Sebastian.

Baden ist verboten

Eigentlich ist der Eisbach tabu. Eine Sprecherin der zuständigen Schlösser- und Seenverwaltung sagt: „Wegen der zum Teil gefährlichen Strömungen ist das Baden im Eisbach an allen Stellen verboten.“ Jeder, der es trotzdem tut, begeht offiziell eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld von zehn bis 15 Euro geahndet werden kann. Die Polizei handelt nach dem Opportunitätsprinzip, das heißt: Es liegt im Ermessen der Beamten, ob sie Badende mündlich oder schriftlich verwarnen.

Umfrage am Eisbach

„Es ist bestimmt nicht ganz ungefährlich, hier zu baden. Wenn man das noch nie gemacht hat, sollte man sich an die erfahrenen Eisbach-Schwimmer halten. Das Verbot ignorieren doch sowieso alle. Wenn man drin ist - dann Füße anziehen und sich treiben lassen. Und vor allem: keine Panik, wenn man die erste Leiter unter der Brücke nicht erwischt.“
Felix Huber (18) und Julian Hetzer (20), ­Studenten aus München

„Ehrlich gesagt habe ich schon lange damit gerechnet, dass an dieser Stelle mal ein Unfall ­passiert. Das Verbot finde ich berechtigt, obwohl sich keiner daran hält. Überhaupt geht es heute genauso sorglos zu wie sonst. Die Strömung hier ist wirklich stark, man kann das Risiko nur schlecht einschätzen. Selber würde ich mich nicht trauen, hier zu baden.“
Josef Hartl (55), Beamter aus ­Regensburg

„Mich wundert es, dass bei den vielen Leuten keiner das Mädchen bemerkt oder ihr geholfen hat. Die Verantwortlichen sollten sich um diese gefährliche Stelle kümmern. Meine Tochter macht viel Wassersport in gefährlichen Gewässern. Am Eisbach geht sie aber nicht schwimmen.“
Marina Tverdostup (57), Architektin aus Hildern

Dorita Plange, Paulina Demmer

Unsere wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebookseite „Altstadt/Lehel - mein Viertel“.

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