Ein Abschnitt bleibt jedoch umstritten

Tram durch den Englischen Garten: CSU signalisiert überraschend Zustimmung

+
Ohne Oberleitung soll die Elektrotram den Englischen Garten queren. So stellt sich die Münchner Verkehrsgesellschaft die neue Verbindung nach Bogenhausen vor. 

Die CSU hat ihre abwehrende Haltung bezüglich einer Tram durch den Englischen Garten überraschend abgelegt. Klare Bekenntnisse zum Bauvorhaben werden jedoch vermieden.

Die Tram durch den Englischen Garten rückt näher. Die CSU hat sich am Montag nun doch zu einer Zustimmung für eine Prüfung der Trasse durchgerungen, nachdem sie vor zwei Monaten noch dagegen war. Weil es vor Ort allerdings immer noch Bedenken wegen der neuen Gleise in der Martius- und Franz-Joseph-Straße gibt, werden nicht alle Mitglieder der Fraktion den Beschluss mittragen.

Die SPD hätte mit Grünen, Linken und ÖDP ohnehin eine Mehrheit. Aber eine hauchdünne. OB Dieter Reiter (SPD) hatte eingangs der Sitzung des Stadtrates im Dezember wohlweislich nachgezählt, welche Mandatsträger im Plenum sitzen. Doch dann kam alles anders.

Die CSU ließ damals vor Beginn der Debatte durchblicken, eventuell doch einer Prüfung der Gartentram zustimmen zu können. Allerdings brauche man noch Zeit für die Abstimmung. Die SPD nahm die dargebotene Hand gerne an, eine Entscheidung wurde ins Plenum im Januar vertagt. Denn nur gemeinsam mit der CSU gibt es eine stabile Mehrheit. Zudem müssen sich die Genossen bei der künftigen Ausgestaltung der Pläne, etwa der Trassenführung, nur mit einem Verhandlungspartner an den Tisch setzen, nicht mit drei weiteren.

Strittiges Stück zwischen Elisabethplatz und Tivolistraße

Die Zustimmung der CSU ist dennoch überraschend, wenn man die Genese der Gartentram betrachtet. Die Trasse soll über 13 Kilometer vom Romanplatz in Neuhausen über Schwabing bis St. Emmeram in Bogenhausen führen. Strittig war lange das zwei Kilometer lange Stück zwischen Elisabethplatz und Tivolistraße. Denn für diese Verbindung müsste die Tram über etwa einen Kilometer auf der Straße durch den Englischen Garten fahren.

Finanzminister Markus Söder (CSU) als Eigentümer des Englischen Gartens hatte das lange Zeit abgelehnt, jedoch erklärte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) zuletzt, der Freistaat werde den Widerstand aufgeben. Dass die CSU im Rathaus nun ebenfalls ihre Liebe zu Trambahnen entdeckt hat, mag mehrere Gründe haben. 

Söder vermeidet klares Bekenntnis

Zum einen hatte der nun designierte Ministerpräsident Söder bereits verlauten lassen, dass Verträge einzuhalten sind, die Tramtrasse mithin geprüft werde. Ein Bekenntnis zur Gartentram ist das allerdings nicht. Und so mag es sein, dass Söder dies auch bereits seinen Parteikollegen so signalisiert hat: Prüfen ja, bauen dann doch wohl eher nicht. 

Auf der anderen Seite heißt es aus CSU-Kreisen, es gäbe eine sehr schmale Variante der Trasse, die sich mit dem Denkmalschutz vertrage und der man zustimmen könne. Und nur mit einer Zustimmung zu Beginn der Planungen kann man auf diese später überhaupt noch Einfluss nehmen. Hinzu kommt, dass die CSU erst vorige Woche die ÖPNV-Offensive mitgetragen hat, zu der eben auch die Nordtangente gehört.

CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl sagte am Montag: „Wir wollen den weiteren Planungsprozess der Tram-Nordtangente konstruktiv, aber durchaus kritisch begleiten.“ Viele Fragestellungen und Probleme seien noch ungeklärt. Allerdings räumt er auch ein, dass eine weitere Querverbindung grundsätzlich Sinn ergebe.

So soll die Tram eines Tages durch den Englischen Garten rollen.

Sascha Karowski

Auch interessant

Meistgelesen

Verbotener Tanz in Striptease-Bar: Razzia in der Maxvorstadt
Verbotener Tanz in Striptease-Bar: Razzia in der Maxvorstadt
Schrecklicher Unfall in München: Mutter und Tochter (11) sterben in Wrack
Schrecklicher Unfall in München: Mutter und Tochter (11) sterben in Wrack
Kostenexplosion! Münchner S-Bahn-Tunnel wird zum Milliardengrab
Kostenexplosion! Münchner S-Bahn-Tunnel wird zum Milliardengrab

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.