Eataly frisst Standl-Vielfalt

Tutto completo! Italiener pachtet ganze Schranne

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Eataly übernimmt die ganze Halle am Viktualienmarkt. Das hat der Eigentümer Hans Hammer nun veraten.

München - Ein Dutzend Bars, Ristoranti und Pizzerie, ein Mercato wie auf einer Piazza, Bäckerei, Käserei und Kochschule: Der Feinkost-Tempel Eataly übernimmt die Schrannenhalle tutto completo!

Am Freitag hatte die tz die Pläne von Hans Hammer offenbart – jetzt spricht der Schrannen-Boss selbst. Es wird praktisch die fünfte Eröffnung der Pannenhalle am Viktualienmarkt …

Der Boss glaubt fest an einen Erfolg – für mindestens 20 bis 30 Jahre: „Die Münchner haben eine große Affinität zu Italien.“ Darum habe er schon vor Übernahme der Halle an den Edel-Italiener gedacht, der weltweit 27 Filialen betreibt. Hammer sagt: „Die Schrannenhalle ist am Ziel angekommen.“

Erst einmal müssen alle raus: Feinkost Käfer wollte ohnehin den Vertrag beenden, die Milka-Welt wird umziehen – den anderen 15 Mietern mit Standln und Lokalen hat Hammer Freitag gekündigt. „Die Stimmung war nicht berauschend“, gibt der Hallenchef zu. Tatsächlich sind alle bestürzt!

Ab März gibt’s einen kleinen Umbau und im Sommer soll Eataly – ein Wortspiel aus Essen und Italy – die ganze Halle mit Dolce Vita aus Bella Italia beleben: Die Nobel-Kette verbindet Genuss, Gutes, Geschäft und Kultur. Selbst der scheidende Feinkost-Papst Michael Käfer gibt seinen Segen: „Das auf hochwertige, italienische Produkte spezialisierte Konzept kann in der Schrannenhalle gut funktionieren.“ Hammer meint, die Preise lägen unter denen von Käfer. Im Online-Shop gibt’s den edlen Balsamico-Essig für 53,60 Euro das Fläschchen, aber auch das Pfund Pasta schon ab 1,30 Euro.

Auf den 3700 Quadratmetern Verkaufsfläche samt Untergeschoss und Galerie soll eine Erlebniswelt entstehen: Auf dem Marktplatz gibt es 10 000 Produkte, die zum Teil vor Ort hergestellt werden — etwa Mozzarella, Brot, Schokolade. Die eigenen Produkte landen auch in der Küche der zwölf Lokale mit 380 Plätzen in allen Preiskategorien. Dazu kommen Kochkurse, Vorträge über Lebensmittel und ein Gastraum für 150 Personen, den man mieten kann. 350 junge Leute sollen dort einen Job finden.

Das sagt die Sprecherin der Standlfrauen

"Es wird halt ein Käfer auf Italienisch. Für uns am Viktualienmarkt ist das keine Konkurrenz. Nur: Mir fehlt der Glaube. Wenn der Käfer schon nicht funktioniert! Wie viele Millionen will Hammer noch in den Sand setzen? Dabei schenkt ihm die Stadt die Halle schon für 14.000 Euro Pacht im Monat."

Elke Fett

Und sie müssen raus...

"Ich bin so traurig"

"Das war kein schönes Weihnachtsgeschenk. Ich bin so traurig – ich könnte schon wieder weinen. Mein Stand läuft super. Vor allem mag ich die Atmosphäre und meine Kollegen hier. Ich habe bis zuletzt gehofft."

Alex Kirner (32), „Elixier“-Stand

"Habe keinen Plan B"

"Ganz überrascht waren wir von der Kündigung nicht, aber dass es so eiskalt passiert – damit hätten wir nicht gerechnet. Ich habe einen hohen Kredit aufgenommen und bin bald arbeitslos. Ich habe keinen Plan B."

Bazi (55), „Bazi’s Lederhosnsemmel“

"Das ist knallhart"

"Ich habe meinen Stand hier seit gerade mal sieben Monaten, alles ist nagelneu. Endlich habe ich mir einen Kundenstamm aufgebaut – und jetzt ist alles vorbei. Es gibt nicht mal eine Entschädigung. Das ist knallhart."

Arvis Lokman (37), „Loko’s südl. Spezialitäten“

David Costanzo

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