Verwaiste Wohnungen im Überblick

Warum steht immer noch so viel leer?

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Im Februar berichtete die tz über verwaiste städtische Wohnungen - nur in einem Haus in der Müllerstraße sind mittlerweile wieder Menschen eingezogen.

München - Bereits im Februar berichteten wir über leer stehende städtische Wohnungen in München. Was hat sich inzwischen getan? Die tz nimmt zehn Immobilien genauer unter die Lupe:

Und wieder ist es passiert. Anfang März enterten die Gorillas von der Satire-Aktion Goldgrund ein fast komplett leerstehendes städtisches Wohnhaus in der Müllerstraße und renovierten dort eine Wohnung: eine Aufsehen erregende Protestaktion. Jetzt schlugen sie in der Pilotystraße zu, hier hatte das Sozialreferat einen Altbau vergammeln lassen. Dass die Stadt sieben Monate nach der Aktion in der Müllerstraße schon wieder mit einem verwaisten Haus auffällt, wirft die Frage auf: Was haben die Behörden gegen den Leerstand unternommen?

In einerListe, die im Februar dem Stadtrat vorgelegt wurde, beichtete das Kommunalreferat, dass es 162 Wohnungen leer stehen ließ, fast ein Zehntel seines Bestandes! Die Behörde gründete eine „Task Force“, die nach leeren Wohnungen fahndete. Das Ergebnis laut Sprecher Bernd Plank: „Bei der Task Force standen 61 Wohnungen im Fokus. Für jede dieser Wohnungen wurde inzwischen eine Lösung hinsichtlich der weiteren Nutzung vereinbart oder bereits realisiert.“ Und was ist mit den übrigen 58 Wohnungen? Plank: „Das sind Dienstwohnungen, die nicht öffentlich vermietet werden.“ Der größte Teil der kommunalen Wohnungen wird seit 2012 von den städtischen Wohnungsbaugesellschaften GWG und Gewofag verwaltet.

Das Sozialreferat betreut über die Stiftungsverwaltung 527 Wohnungen, 39 davon stehen derzeit leer – wie das in der Pilotystraße. Im Sozialreferat heißt es: „19 der leer stehenden Wohnungenen sind auf dem Wege, saniert zu werden.“ 20 weitere seien noch „im Klärungsprozess“ – das heißt, hier dauert es noch länger, bis renoviert wird. Sozialreferentin Brigitte Meier (SPD) verspricht: „Wir arbeiten an einer Zwischennutzung entweder durch das Amt für Wohnen und Migration oder freie Träger.“

Renovierung, Abriss: Diese Wohnungen stehen leer

Renovierung, Abriss: Diese Wohnungen stehen leer

So weit die Theorie: tz-Reporter Johannes Welte machte sich auf die Spurensuche, was aus zehn leer stehenden Immobilien wurde, über die er im Frühjahr berichtet hatte - klicken Sie sich durch die Fotostrecke!

Müllerstraße 6: bewohnt!

In der Müllerstraße packten die Goldgrund-Gorillas an.

Im Frühjahr war hier nur eine von zehn Wohnungen belegt. Grund genug, für die Satire-Aktion Goldgrund hier eine Renovierungsaktion zu starten. Mit dabei Ex-Bayern-Star Mehmet Scholl, Kabarett-Legende Dieter Hildebrandt, die Sportfreunde Stiller und Luise Kinseher. OB Christian Ude besichtete höchst persönlich die auf Vordemann gebrachte Wohnung, in der der Asylbewerber Ramadan A. (17) aus Somalia wohnt. Ude verfügte, dass auch die restlichen Wohnungen nach diesem Vorbild im Haus hergerichtet werden sollen. Mittlerweile wurden acht hergerichtet und bezogen, eine wird noch renoviert. Das Sozialreferat bringt hier Notfälle unter. Ramadan A. wohnt noch immer in der Müllerstraße: „Ich freue mich, dass sich jetzt Nachbarn habe.“

Im städtischen Nachbarhaus Nummer vier ist nur eine von sieben Wohnungen belegt, ob der Rest zwischengenutzt werden kann, wird geprüft. In der Nummer 4 ist ein Geschäft. Den Häusern droht der Abriss zugunsten eines Wohnneubaus.

Johannes Welte

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