Jetzt spricht das Opfer

Schuhbeck-Raub: "Ich sah in den Lauf der Pistole"

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Dietmar K. am Tresorschubfach, das er für den Räuber öffnen musste.

München - Vor knapp einer Woche wurde das Orlandohaus von Alfons Schuhbeck am Platzl überfallen. Die tz hat jetzt exklusiv mit dem Opfer, Schichtleiter Dietmar K., gesprochen.

In der Nacht danach hat Dietmar K. (37) kein Auge zugetan. Und auch jetzt noch – sechs Tage danach – hat er immer wieder diese Bilder vor Augen. Der schwarze Lauf der Waffe, den der Täter die ganze Zeit auf seinen Kopf richtete. Zwei kalte Augen ohne Gesicht, die ihn durch zwei Sehschlitze anstarrten. Der Augenblick der Erkenntnis, dass dies kein Scherz, sondern Ernst war. Und auch der Gedanke: „Hätte ich es verhindern können?“

Der Hotelbetriebswirt arbeitet seit einem halben Jahr als Schichtleiter in Alfons Schuhbecks Orlandohaus am Platzl. Dort wurde er am Fronleichnamstag im Büro von einem Räuber bedroht und beraubt. Fünf Minuten Todesangst, die ihm zugesetzt haben. Jetzt spricht Dietmar K. exklusiv in der tz.

Das Orlandohaus ist das schönste und größte Schuhbeck-Restaurant am Platzl. Nach dem Überfall verschwand der Räuber in den Gassen der Altstadt.

Am Fronleichnamstag wimmelte es in der Stadt wegen der G7-Demo von Polizisten. Das schien den kaltblütigen Täter nicht beeindruckt zu haben. Dietmar K. hatte mit einem Kellner gerade die Abrechnung gemacht. Um 20.15 Uhr ging der Kollege. Das Büro liegt abseits des Restaurantbetriebes, ist nur Mitarbeitern bekannt. Wer hinein will, muss klopfen oder klingeln. Drei Minuten später klopfte es: „Ich dachte, der Kollege hat was vergessen, öffnete wie immer schwungvoll die Tür – und schaute plötzlich in den Lauf der Waffe.“ Der Mann trug eine schwarze Sturmhaube und Strickhandschuhe: „Ich hätte beinahe gelacht, weil ich dachte, da erlaubt sich einer einen Scherz. Es war so absurd.“ Doch der Täter ließ keinen Zweifel daran, dass er es ernst meinte und forderte: „Geld her!“

Die 560 Euro des Kellners lagen noch auf dem Tisch. Daneben lag ein ipod. Beides steckte der Täter ein, ebenso Dietmar K.’s persönliches Handy. Doch er wollte mehr: „Mach den Tresor auf!“, befahl der Räuber. Wie in Trance („Ich habe immer nur in den Lauf der Waffe genau vor meinem Gesicht gestarrt“) – öffnete Dietmar K. das leere Schubfach im oberen Teil des Tresors. Den Schlüssel für die Tresortür hat er nicht. Offensichtlich unzufrieden trat der Räuber den Rückzug an. „Er war schon fast draußen, da kam er wieder zurück. Er riss sämtliche Telefonkabel aus der Wand. Dann war er endlich weg.“ Mit rasendem Herzklopfen rannte Dietmar K. zum nächsten Telefon in der Bar und wählte den Notruf 110. Trotz einer sofortigen Fahndung verschwand der Täter unerkannt in den Gassen der Altstadt.

An die nächsten Stunden kann sich Dietmar K. kaum noch erinnern: „Kripo und Spurensicherung kamen. Wir haben alles nachgestellt. Es fällt mir schwer, wieder und wieder darüber zu reden.“

Seit Montag arbeitet Dietmar K. wieder. Auch im Büro: „Ich bin halt jetzt sehr, sehr vorsichtig.“ In die Tür wird ein Spion eingebaut. Die Polizei hat ihn gelobt für seine Besonnenheit. Den Held zu spielen in einer derart gefährlichen Situation, ist nicht ratsam: „Man riskiert nicht sein Leben für Geld oder ein Handy. Jedenfalls ich nicht.“

Dorita Plange

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