Dramatische Minuten

Überfallener Juwelier: "Habe in die Hölle geblickt"

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Juwelier Ralf Nutt (49) wurde Opfer eines Raubüberfalls.

München - Am Tag danach steht Juwelier Ralf Nutt wie gewohnt in seinem Laden an der Dienerstraße. Er wirkt, als habe er den Raubüberfall vom Vortag lässig weggesteckt. Doch im Innern beschäftigen den Juwelier die dramatischen Minuten.

„Ich habe in die Hölle geblickt“, beschreibt der 49-Jährige jenen Moment, als er in die Mündung einer Pistole schaute.

Es ist gegen 13.15 Uhr am Donnerstag, der Juwelier ist allein in seinem Geschäft neben dem Feinkost Dallmayr. Zwei Männer, ein kleiner, ein großer, kommen herein. Der Kleine ist gut gekleidet, trägt eine Armani-Jacke. „Ich hatte trotzdem ein ungutes Gefühl“, erinnert sich der Juwelier.

Nach dem Überfall sichert ein Beamter der Spurensicherung an der Eingangstür mögliche Fingerabdrücke der Täter.

Die Männer fragen in gebrochenem Englisch nach einem Ring im Schaufenster.„Der war im hintersten Eck, ich habe die ganze Deko weggeräumt und die beiden nicht aus den Augen gelassen“, schildert Ralf Nutt die Situation. Der Juwelier hatte jetzt das Gefühl, dass er zwei Trickdiebe vor sich hatte. „Sie wollten mich ablenken.“ Der Münchner ist auf der Hut. Er gibt den Ring einem der Männer, fordert das Schmuckstück aber sofort wieder zurück, steckt es sich auf seinen Finger. „Ich wollte die Kontrolle behalten.“ Dann interessieren sich die Männer, die miteinander Hebräisch sprachen, für Diamanten.
Doch einer der beiden glaubt nicht, dass Ralf Nutt ihm ein teures Stück gegeben hat. Er lässt sich eine Lupe geben und verzieht nur den Mund. „In diesem Moment war klar, dass bei mir kein Trickdiebstahl möglich ist“, sagt der Juwelier. „Aber ohne Beute wollten sie auch nicht weg!“

Da fasst der kleine Mann in die Innentasche seiner Jacke, holt eine Pistole hervor und richtet sie auf Ralf Nutt. „Er ließ mich kurz in den Lauf schauen. Es war die Hölle.“ Der Juwelier tritt zwei Schritte zurück. Blitzschnell greift der Große in die offene Vitrine. Er pflückte mit Fingerfertigkeit zwei Diamant-Ohrstecker und einen Kettenanhänger für mehr als 100 000 Euro heraus.

Dann verlassen die Männer das Geschäft in Richtung Marienplatz. Hinweise auf die etwa 40 und 50 Jahre alten, dunkel gekleideten Täter nimmt die Münchner Polizei entgegen unter Telefon 089/ 29100.

JAM

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