Neu in der Westenriederstraße

Veganes Restaurant „Siggis“: Kulinarische Weltverbesserer

Die Betreiber des neuen Lokals „Siggis“ an der Westenriederstraße am Isartor setzen auf ein fleischfreies Leben - und haben Toilettenpapier aus Bambus.

München - Ein sehr frischer, sehr gesunder und sehr hipper Wind weht seit Ende Februar durch eines der alten Gemäuer an der Westenriederstraße am Isartor: Das „Siggis“ ist dort eingezogen. Restaurant, Coffeeshop und Lieferservice befinden sich unter einem Dach. Alle Speisen sind vegan – also ohne Fleisch, Eier oder Milchprodukte – und zum größten Teil auch bio.

Die Einrichtung im „Siggis“ ist recht schlicht gehalten: blanke Tische und Bänke unter dem weiß gestrichenen Gemäuer, indirekte Beleuchtung, viel Schwarz und viel Holz. Das „Siggis“ ist weit entfernt von jedem Öko-Image, spricht vielmehr junge Hipster an, die gern mal veganes Essen ausprobieren möchten.

Das kleine Restaurant mit nur sechs Tischen und insgesamt 30 Sitzplätzen ist den ganzen Tag geöffnet, außerdem gibt es verschiedene Sandwiches und Müslis zum Mitnehmen. Ab April bietet das „Siggis“ auch einen „Brotzeit-Service“ an – Unternehmen können für ihre Mitarbeiter vegane Snacks und Gerichte bestellen, die mittags direkt ins Büro geliefert werden.

Geschäftsführerin Sigrid Lutz verfolgt mit dem „Siggis“ eine Mission: Sie will den veganen Lebensstil propagieren, ihre Kunden auf das Leid der Tiere und die ökologischen Konsequenzen der Massentierhaltung aufmerksam machen. Dazu gehört auch die Internetseite des Lokals, die über die Vorteile des Veganismus informiert.

Der Anspruch des „Siggis“ ist so simpel wie groß: die Welt ein bisschen besser machen. Ein veganes Restaurant sei ein kleiner Schritt auf diesem Weg, sagt Florian Högel, der Sohn von Sigrid Lutz und ihr Mitarbeiter im Lokal. Der Großteil des Teams isst selbst ausschließlich vegan. „Klar ist der Mensch von Natur aus ein Allesfresser“, sagt Högel. „Aber unsere Entwicklung ist so weit fortgeschritten, dass wir moralische Entscheidungen treffen können und die Konsequenzen unseres Handelns für unsere Umwelt und die Tiere mitdenken können.“

Sigrid Lutz hatte vorher nie mit Gastronomie zu tun, aber um ihrer Vision einer „geheilten Welt“ – ohne Massentierhaltung, Profitgier und Umweltzerstörung – ein Stückchen näher zu kommen, erfüllte sie sich den Traum vom eigenen Restaurant. Dazu hat sie sich zwei Größen der Münchner Veganer-Szene ins Team geholt: Die Produktpalette hat Kochbuch-Autor Sebastian Copien zusammengestellt, Küchenchef ist Serkan Tunca, der schon in den veganen Münchner Restaurants „Max Pett“ und „Bodhi“ gekocht hat.

Die Gerichte heißen „Not Mainstream“, ein Avocado-Toast (7,90 Euro), „Sharing“, ein Teller mit verschiedenen Aufstrichen (5,10 Euro), oder „So in Love“, ein Schokopudding mit Chia-Samen (4,10 Euro). Die beliebtesten Hauptgerichte im „Siggis“ sind die Veggie-Bowl „Grateful“ (12,40 Euro) mit Süßkartoffeln, Kichererbsen, roter Beete, Fenchel und Vollkorn-Reis und die sauren Knödel „Bavarian“ (12,10 Euro) mit Austernpilzen, Kohlrabi und Fenchel-Zwiebel-Salat.

Italienische Pasta und vietnamesische Reispfannkuchen stehen genauso auf der Karte wie orientalischer Tabouleh und amerikanische Cupcakes – eine klare kulinarische Ausrichtung ist nicht erkennbar. Das Konzept sei eben vor allem auf veganes und gesundes Essen ausgerichtet, sagt Florian Högel.

Trotz aller hehren Ziele mangelt es Sigrid Lutz und ihrem Team nicht an einem gewissen Geschäftssinn: In eigens designten Glasflaschen kann man im „Siggis“ gefiltertes Münchner Leitungswasser kaufen – für acht Euro den Liter. Das Konzept der Nachhaltigkeit aber wird konsequent durchgezogen: So wie die Verpackungen der Sandwiches und Kuchen ist im „Siggis“ auch das Toilettenpapier aus Bambus.

Das Restaurant „Siggis“ an der Westenriederstraße 37 ist Montag bis Freitag von 10 bis 22 Uhr geöffnet, der Coffeeshop öffnet schon um 8 Uhr. Samstags ist nur das Restaurant von 10 bis 22 Uhr offen, Sonntag ist Ruhetag. Telefon: 089 / 242 920 33.

Rubriklistenbild: © Haag

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