Einige Stände müssen wohl weichen

Viktualienmarkt: Das sind die Pläne der Stadt für die Sanierung

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Die Vorbauten lassen kaum noch Durchgänge zwischen den Standln frei.

Kommunalreferent Axel Markwardt hat den Händlern auf dem Viktualienmarkt am Dienstag versprochen, dass nicht abgerissen werden wird. Sanierungsmaßnahmen stehen allerdings sehr wohl an. Wir erklären die Pläne: 

München - Ein Standl klebt am anderen, Markisen verdecken Feuerwehrzufahrten – mit diesem Wildwuchs soll am Viktualienmarkt endgültig Schluss sein. Das hat Kommunalreferent Axel Markwardt gestern bei der Vorstellung der Sanierungspläne noch einmal deutlich gemacht. Aber er verspricht den Händlern zum ersten Mal auch ganz deutlich: „Der Markt wird nicht abgerissen!“ Die wichtigsten Fakten im Überblick: 

Abriss: Konkrete Pläne gibt es zwar noch immer nicht – für Bürger und Händler dürfte Markwardts Aussage aber beruhigend wirken. Zumindest der Komplettabriss scheint vom Tisch. Auch Oberbürgermeister Dieter Reiter (58, SPD) ließ ausrichten: „Der Viktualienmarkt hat eine lange, reiche Tradition. Ziel muss deshalb eine behutsame Sanierung im Bestand sein.“ Abrissgegner wie der Vorsitzende der Freunde des Viktualienmarktes, Wolfgang Stefinger (31, CSU), zeigten sich vorsichtig optimistisch: „Diese Erkenntnis begrüße ich außerordentlich. Der Verein wird aber nicht locker lassen und den OB beim Wort nehmen.“ Ähnlich reagiert Marktfrauen-Chefin Elke Fett: „Das finde ich fantastisch – wenn es auch so eintritt. Mir fehlt noch der Glaube.“ Tatsächlich schränkt Markwardt auch gleich ein: „Ich kann nicht ausschließen, dass der ein oder andere Stand erneuert werden muss…“

Will nicht abreißen: Kommunalreferent Axel Markwardt in einem Standl-Keller.

Verträge und Pacht: Lange wunderten sich Händler, warum manche nur noch befristete Verträge bekommen.Ein Hinweis darauf, dass Händler fliegen sollen? Kommunalreferent Axel Markwardt gibt Entwarnung: Die Befristungen seien praktischer für die Sanierungspläne. „Der Plan ist aber, dass alle Verträge, auch die befristeten, nach der Sanierung unbefristet werden.“ Das heißt auch: Alle 108 Händler sollen bleiben dürfen. „Wir werden weiterhin nur solche Mieten verlangen, die die Händler auch bezahlen können“, versicherte der Kommunalreferent auf Nachfrage. 

Wegen der Vorbauten und Markisen stehen die Stände heute zu dicht gedrängt. 

Erscheinungsbild: Aber wie soll der Markt nach der Sanierung genau aussehen? Als der Markt nach dem Krieg neu aufgebaut wurde, war er noch wohl geordnet, mit viel Platz zwischen den Ständen. Im Laufe der Jahre wuchsen die Stände immer mehr zusammen – brandschutzrechtlich eine Katastrophe! „Die realen Abstände durch die Vorbauten mit Markisen und Planen sind recht klein“, so Markwardt. „Einige werden wegkommen müssen - aus Brandschutzgründen und fürs Erscheinungsbild.“ Generell solle das äußere Erscheinungsbild des Marktes, „der grundsätzliche Fußabdruck“, aber bleiben – notfalls auch mit Planen. Als Beispiel führt er das Nymphenburg-Standl an, das trotz Planen vorbildlich saniert sei. Ein Prototyp für die Sanierung könnte der Imbissstand des Hochreiter-Biergartens mit seinen Glaswänden werden. Markwardt: „Er erfüllt alle Anforderungen – und kaum einer hat die Sanierung bemerkt.“

Ein Prototyp für die Sanierung: Der Hochreiter-Imbiss-Stand erfüllt bereits alle Auflagen.  

Höchster Sanierungsbedarf herrscht vor allem unter den Standln: „Wir werden unterirdisch viel Geld reinstecken, ohne dass man das oben sehen wird“, sagte der Kommunalreferent. Sein Vorzeigebeispiel ist die zentrale Kelleranlage unter der Abteilung V, die vor allem Metzger nutzen. „Hier haben wir in den letzten Jahren bereits zwei Millionen Euro in die Sanierung gesteckt“, erklärte Markwardt. 21 Händlern stehen insgesamt 15 teils private Toiletten und eigene Kühl- und Lagerräume zur Verfügung, Es gibt zwei Zugänge, zwei Lastenaufzüge und 15 verschiedene Elektroräume. Die Gänge sind breit, weiß und steril.

Elektro-Chaos: So sieht ener der sanierungsbedürftigen Keller aus. 

Zeitplan und Umbauphase: Im Juli 2018 soll der Vorplanungsauftrag im Stadtrat liegen: die erste große inhaltliche Entscheidung, wie die Sanierung aussehen soll. Mitte 2019 soll die Sanierung dann starten. Einzelne Standl kommen übergangsweise in Container. Da die Stadt beim sensiblen Thema Viktualienmarkt alle befrieden will, soll auch der Bürger mitreden: 100 zufällig ausgewählte Bürger sollen in einem Bürgergutachten Empfehlungen erarbeiten, die dem Stadtrat vorgelegt werden. Alle anderen können sich ab 21. März in einem Infopavillon am Markt erkundigen, es soll auch Marktbegehungen geben.

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So sah es in den 60er Jahren aus.

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